Das gute Leben

Wie kann man ein gutes Leben führen? Gute Frage. Wie kann man ein gutes Leben führen, ganz einfach die Antwort. Sie geben mir ausreichend Geld, eine schöne Wohnung, einen attraktiven Arbeitsplatz und dann wird das schon mit dem guten Leben. Ich bräuchte dann nur noch ein paar, oder vielleicht auch ein paar mehr nette Menschen, mit denen ich über alles reden, mit denen ich Spaß haben, Pläne machen und durch dick und dünn gehen kann. Ja un dann kann doch eigentlich gar nichts mehr schief gehen und ich werde sicher ein gutes Leben führen.

Wie kann man ein gutes Leben führen?

Ok, es reicht noch nicht. Ist das vielleicht zu oberflächlich, wenn ich nur an mich denke, wenn ich mir vor allem materielle Dinge wünsche und dann noch ein bisschen Spaß?

Um ein gutes Leben führen zu können, brauche ich auch ein wenig Sicherheit. Sicherheit, für morgen, dass sich nicht alles so schnell wieder ändert, dass ich weiß wie es weitergeht, dass ich nicht verlassen werde. Dass ich mich auf etwas verlassen kann, der Zukunft trauen. Ja, Sicherheit gehört auch dazu zu einem guten Leben. Und vielleicht ja, doch vielleicht auch das das geregelt ist das zusammenleben. Damit mir nicht jeder in die Quere kommt, damit ich weiß, wo und wie ich dran bin, was geht und was nicht. Regeln und Sicherheit gehören ein wenig zusammen, es kommt im guten Leben darauf an , dass ich nicht immerzu Angst haben muss vor morgen, davor, dass mir jemand etwas wegnimmt, davor, dass ich körperlicher Gewalt ausgesetzt bin. Ja, darum geht es auch, wenn ich mir überlege, wie man ein gutes Leben führen kann.

Wie kann man ein gutes Leben führen?

Reicht das denn immer noch nicht, ok. Vielleicht geht es ja darum, dass ich nicht nur an mich denke, dass ein gutes Leben etwas ist, was nicht nur für mich so ganz exklusiv gültig ist, sondern für andere auch gilt. Denn wenn ich ein gutes Leben habe, aber andere nicht, dann kann ich mein Glück gar nicht so richtig genießen.

Wie kann man ein gutes Leben führen?

Ach ne, nun muss es aber mal reichen, mir fällt wirklich nicht mehr viel ein, jetzt muss mal jemand anders weiterdenken. Aber wer? Jemand der viel Geld hat vielleicht, dem es so richtig gut geht, den könnte man doch fragen, wie er oder sie das gemacht hat. Ob sie viel dafür tun mussten, dass es ihnen jetzt so richtig gut geht. Und ob sie zufrieden sind mit dem, was sie haben, oder ob sie noch mehr Wünsche haben. Ob sie jetzt, wo sie ein gutes Haus, einen Arbeitsplatz, einen Partner, Freunde und Hobbies haben, sie jetzt ein gutes Leben führen.

Oder ich frag jemand, der sehr weise ist, einen Philosophen, einen Psychologen, oder auch einen oder eine, die viel in der Bibel gelesen hat: Wie man ein gutes Leben führen kann.

Aber moment mal da fällt mir jetzt einmal eine Frage ein: wer entscheidet eigentlich, was ein gutes Leben ist? Mache ich das selbst? Und dann nach welchen Kriterien. Was ich mir hier und heute wünsche, oder mehr aufs ganze gesehen. Dann kann ich ja eigentlich erst ganz am Ende entscheiden, ob es ein gutes Leben war, oder nicht. Und vielleicht ändern sich die Dinge ja, die mir wichtig sind und am Ende zählt für mich etwas anderes.

Und wenn ich nicht für mich selbst entscheide, das ist für mich ein gutes Leben, wer tut es dann? Gott, sagt Gott mir das ist ein gutes Leben und das nicht? Oder die Gesellschaft, wer auch immer das ist, also das, was man so in der Zeitung liest, oder im Fernsehen mitbekommt. Ein gutes Leben für Kinder ist fröhlich, viel Bewegung, gutes Essen, gesund sein, nette Eltern haben. Für Jugendliche ist es, gute Freunde haben, in der Schule klar kommen, ausreichend Taschengeld um mithalten zu können, bei dem was angesagt ist, verständnisvolle Eltern und Lehrer, Ja, so könnte es gehen.

Und bei Erwachsenen wäre es dann, auch mal Zeit haben, einen Arbeitsplatz, eine schöne Wohnung und bei den älteren und ganz Alten, das sie gesund sind, dass sie nicht allein sind, das sie Hilfe bekommen, wenn sie welche brauchen.

Wie kann man ein gutes Leben führen?

Als noch mal. Ist es etwas äußeres, also das die Rahmenbedingungen stimmen. Ich satt werde, ich eine Ausbildung bekomme, ich ein Dach über den Kopf habe, es warm habe im Winter und zum Arzt gehen kann, wenn ich krank bin? Dann habe ich schon ein gutes Leben. Aber vielleicht geht es ja doch noch um etwas mehr, um Zufriedenheit mit mir, mit dem wie ich aussehe, was ich kann, wie ich akzeptiert bin, wie ich mich wohl fühle, da wo ich bin. Ob meine Arbeit anerkannt wird. Ob mir jemand zuhört. Ob ich morgens gern aufstehe und mich auf den Tag freue.

Wie gucke ich andere an, schon auch neidisch und denke: Oh, der oder die, die haben wirklich ein gutes Leben und was ist es dann, was ich da sehe, ist etwas, das mir fehlt?

Zeit vielleicht. Die haben ja wirklich ein gutes Leben, haben Zeit ohne Ende, während ich von einem zum anderen hetze. Die haben ja wirklich ein gutes Leben, soviel Geld wie sie haben, müssen sie sich keine Sorgen um die Zukunft machen. Die haben ja wirklich ein gutes Leben, sind immer gut drauf, egal, wann ich sie treffe? Die haben wirklich ein gutes Leben, denn sie sind nicht allein, sie haben jemand, der mit ihnen aufsteht und frühstückt, der für sie da ist.

Die haben es gut, sie sind Schuldenfrei, müssen nicht immer mit jedem Cent rechnen. Die haben es gut, die wissen auf alles eine Antwort und haben für alles eine Lösung. Die haben es gut, die sitzen am längeren Hebel, die können entscheiden, die sagen, wo es lang geht.

Die haben es gut, die haben einen festen Glauben, die haben etwas woran sie sich halten können, das ihnen Kraft gibt, wenn es mal dicke kommt.

Wie kann man ein gutes Leben führen?

Nun fällt mir vor allem ein, wie man es nicht führt. Meine Nachbarn zum Beispiel, was ich über die alles erzählen könnte, wie gut, dass mir das nicht passiert. Na, wenn ich mich mit denen vergleiche, dann habe ich wirklich ein gutes Leben. Oder die vielen, die da immer so herumhängen, hier im kleinen Einkaufszentrum, als hätten sie kein zuhause. Die haben sicher auch kein gutes Leben. Da fallen mir ganz viele Leute ein, die wirklich kein gutes Leben haben, aber manche davon, das kann ich ihnen sagen, haben ja sicher auch selbst schuld.

Wie kann man ein gutes Leben führen?

Je länger ich darüber nachdenke, um so mehr finde ich, dass das wirklich eine gute Frage ist. Und ich möchte sie immer wieder und irgendwie auch immer wieder anders stellen.

Heute möchte ich fragen: Kann man wirklich ein gutes Leben führen und wenn ja wie kommt man dahin, wenn man zu den 2,5 Millionen Kindern gehören, die in Deutschland an der Armutsgrenze leben. Oder kann man wirklich ein gutes Leben führen, wenn man zu den 70%Jugendlichen gehört, die Angst vor der Zukunft haben. Oder kann man ein gutes Leben führen, wenn ich weiß, dass es viele gibt, die heute noch die NPD wählen, weil sie wirklich überzeugt sind und für sich keine andere Perspektive sehen, als in diesem Gedankengut halt zu finden. Oder kann man ein gutes Leben führen, wenn man Tag mehr den Eindruck gewinnt alles wird schlechter, weniger.

Kann man ein gutes Leben führen, wenn einem klar wird, dass man selbst ja auch seinen Teil beiträgt, das andere Sorge um ihren Arbeitsplatz haben, weil man immer alles in großen Mengen und vor allem billig haben möchte, bis irgendwann alles an Wert verliert.

Wie kann man ein gutes Leben führen?

Ja, nun sag es aber mal selbst, was sagt denn die Bibel. Das, was Jesus gesagt hat mit dem sorget nicht und den Vögeln am Himmel, die nicht säen und doch ernten, weil Gott für sie sorgt. Das klingt so gut, das klingt wirklich gut und so als wäre es ganz einfach, aber mein Gefühl sagt mir, das ist alles andere als einfach.

Wie kann man ein gutes Leben führen?

Also Paulus, der schreibt an die Gemeinden in Galatien. Die streiten sich immer wieder darum, wie man ein gutes, Gott gefälliges ein Leben im Sinne Jesu führen kann. Er schreibt und schreibt und am Ende macht er tatsächlich zahlreiche Vorschläge dazu: Wie man es machen kann, ein gutes Leben. Doch eigentlich will er auch noch etwas anderes sagen, dass man es eben nicht machen kann, das gute Leben, das einem der Sinn, die Tiefe, geschenkt wird. Mit allen Äußerlichkeiten hat er nicht viel im Sinn, das zählt gar nicht. Das kann ja auch sehr entlastend sein.

Er schreibt also folgendes:

[TEXT]

Das ist keine Antwort auf die Frage, denn die Frage bleibt. Sie bleibt ein Leben lang und stellt sich immer mal wieder, wenn ich unzufrieden bin, wenn die Nachrichten mich erschüttern, wenn ich gefragt werde, von denen, die noch Suchen nach Wegen, die sie gehen können.

Und vielleicht ändert sie sich auch und wird immer mehr zur Frage, habe ich ein gutes Leben geführt. Was Paulus sagt ist, es geht nicht allein, Gemeinschaft ist wichtig, ist wertvoll. Eine Gemeinschaft, in der es auf mich ankommt, aber sich nicht alles nur um mich dreht. Eine Gemeinschaft, in der ich fragen kann, wo andere sich um mich Sorgen und ich mich um andere. Aber das wichtigste an dieser Gemeinschaft, die wir Kirche nennen ist der Geist, die innere Haltung, das Bild das ich von einem gelungenen Leben habe. Ein Bild, das von Gott entworfen ist und sagt: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter, an dir habe ich wohlgefallen.

drucken