Guter Lohn für die Mühe (Pred 4,9-12)

Pred 4,9-12
[9] So ist’s ja besser zu zweien als allein; denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe. [10] Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf. Weh dem, der allein ist, wenn er fällt! Dann ist kein anderer da, der ihm aufhilft. [11] Auch, wenn zwei beieinander liegen, wärmen sie sich; wie kann ein Einzelner warm werden? [12] Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei.

Liebe A., lieber B.!

Es ist schon seltsam, dass in Augenblicken unseres Lebens die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Bei Ihnen beiden ist das so gewesen, denn buchstäblich in einem einzigen Augenblick haben Sie einander wahrgenommen. Sie, lieber B., sahen diese Frau mit dem Lächeln, einem Lächeln, dass es verdient hätte, festgehalten zu werden und dann haben Sie gefragt: Wer ist denn diese Frau, die so lächeln kann? Bei der Frage alleine blieb es allerdings nicht, denn in diesem Augenblick wurde das bei Ihnen geweckt, das alles in Gang gebracht hat.

Sie wurden neugierig und Neugierde ist immer der Anfang vom Begehren und begehren tun wir das, was wir täglich sehen. Das hat bei Ihnen beiden eine zeitlang gedauert, denn zunächst mussten Sie sich ja auch kennen lernen und das ist die Fortsetzung der Neugierde: Wer ist der andere, den ich so über die Maßen interessant finde? Wie sieht der andere Mensch aus, der bei mir solche Gefühle auslöst? Und, darf es noch etwas intimer sein: Wie schmeckt der andere Mensch und wie riecht er und wie mag er sich anfühlen? All das lässt das Herz höher und schneller schlagen und das ist denn schon kribbelig.

Sie beide haben sich Zeit genommen, damit Sie auf der einen Seite sich kennen – und lieben lernen konnten und damit auf der anderen Seite Fragmentarisches aus der Vergangenheit an seinen letztgültigen Platz gebracht werden konnte.

Ich habe bei Ihnen beiden ganz deutlich gespürt, dass Sie es ernst miteinander meinen und das dieser Schritt in die gemeinsame Zukunft wohlüberlegt ist.

So ist es ja besser zu zweien als allein; denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe. So heißt es im Trauspruch und so ist auch Ihre Situation: Besser ist es, wenn zwei, die gleiches im Sinn haben, sich zusammentun und einen Weg der vor ihnen liegt, gemeinsam beschreiten. Was dieser Weg allerdings alles beinhaltet, können wir nicht sagen, das ist uns mit unserem schmalen Grad an Erkenntnis nicht gegeben, darüber Bescheid zu wissen. Gott alleine weiß es und Gott wird Sie auf ihrem Weg nicht aus den Augen verlieren und wird einstehen für die Liebe, die er so oft anstiftet, ohne dass wir es wahrhaben können oder wahrhaben wollen.

Sie beide sind zusammen und das ist das Wichtigste und Sie sind dabei nicht alleine, sondern werden von vielen an diesem Tag mit ihren Gedanken begleitet. Ihre Kirchliche Trauung ist mit viel Liebe bedacht und man hat es sich etwas kosten lassen, um Ihnen, lieber B. und Ihnen, liebe A. zu zeigen, wie wichtig sie allen sind. Genießen Sie das doch einfach. Heute sind Sie gemeint mit all der Güte des Himmels, die heute hier offenbar wird.

Kehren wir zu Ihrem zugegebenermaßen außergewöhnlichen und nicht einfachen Trauspruch zurück. Es heißt:

Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf. Weh dem, der allein ist, wenn er fällt! Dann ist kein anderer da, der ihm aufhilft. Auch, wenn zwei beieinander liegen, wärmen sie sich; wie kann ein einzelner warm werden?

Hier geht es um das, was wir auch gegenseitige Hilfe nennen. Man könnte auch von Erster Hilfe für Eheleute reden. Wenn es einem nicht gut geht, mental oder körperlich, dann ist es selbstverständlich, dass, wenn Liebe im Spiel ist, man dem anderen, seinem Ehepartner, alle Sorgfalt angedeihen lässt, die die Liebe uns geben lässt. Gebt acht aufeinander und begegnet euch immer wieder in Liebe und Wertschätzung. Sagt einander des Herzens Meinung und baut euch gegenseitig auf! Ich weiß, das hört sich alles nach Imperativ an, aber wenn Liebe im Spiel ist, dann könnt ihr ohne Mühe barmherzig zueinander sein.

Sehen Sie, liebes Ehepaar, wir wissen nicht, was im einzelnen auf Sie wartet in der Ehe, eines aber kann ich Ihnen ganz persönlich sagen: Es wird Zeiten geben, in denen Sie miteinander lachen werden und es wird Zeiten geben, in denen Sie miteinander weinen werden. Das ist nicht weiter schlimm, denn das gibt es in jeder Ehe. Schlimm wäre es in solchen Augenblicken, wenn Sie keine Notiz mehr voneinander nehmen würden. Wenn aus ursprünglicher Gemeinsamkeit schlimmstenfalls Gleichgültigkeit werden würde. Denn das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit. Es kann Ihnen beiden gelingen, sich dies zu Herzen zu nehmen und Zeit für einander zu haben, denn – nicht wahr Geld verdienen und Geld ausgeben ist das eine, aber den anderen in der nächsten Nähe wahrzunehmen ist bisweilen wichtiger und besser.

Liebe Hochzeitsgemeinde, beim nächsten Abschnitt des Trauspruches habe ich geschmunzelt. Auch, wenn zwei beieinander liegen, wärmen sie sich; wie kann ein einzelner warm werden?

Zwei Dinge fielen mir spontan ein: Ja, habe ich gedacht, so kann man im Herbst und Winter tüchtig Heizkosten sparen, wenn man diesen Satz oft genug bei entsprechenden Außentemperaturen beherzigt.

Das andere ist aber dieses: Martin Luther wurde einmal gefragt, wie oft denn ein Ehepaar Verkehr haben soll. Seine Antwort ist sprichwörtlich geworden: „In der Wochen zween, macht im Jahr einhundertvier – schadet weder ihm noch ihr.“

Sicher, ob eine Ehe gelingt, hängt damit zusammen, ob es nun dieses in der Woche zween sein muss, da bin ich mir nicht so sicher, denn öfters ist auch schön. Und wenn die Liebe in dieser intimsten Form da ist, dann muss nicht gezählt werden, dann muss nur das Herz mit seinem eigenen Schlag dabei sein, dann ist es gut und eine wunderbare Weise zum Ehepartner Du zu sagen.

Und das hat mit Phantasie und Ideereichtum zu tun, damit es auf Dauer nicht fade oder öde wird. Und – ich vermute – das werden Sie schon selber am besten wissen.
Indessen: Das Bett ist nicht nur zum Schlafen und Beischlafen da, sondern es soll sich auch sehr gut dazu eignen, sich gegenseitig zu erzählen, was gerade obenauf liegt.

Auch, wenn zwei beieinander liegen, wärmen sie sich; in diesem Bereich der Ehe kann man sich Dinge erzählen, die sonst am Tag wenig Platz haben und die, wenn sie in der Nacht erzählt werden, oft einen anderen Klang haben. Sicherlich wäre es unangemessen, diesen Abschnitt nur auf die eine „Sache“ zu beziehen.

Ihre Ehe steht am Anfang. Diese Ehe, die anvertraute Zeit, die Sie miteinander verbringen werden, wird beides umfassen: gute Zeiten und Zeiten, in denen es nicht rund läuft. Eheleute verändern sich in der gemeinsamen Zeit und es liegt bei Ihnen, ob sie gelingt, ob Ihre Ehe elastisch bleibt oder ob sie spröde und langweilig sein wird.

Und weil das viel verlangt ist, deswegen sind wir hier versammelt, um Gott und keinen Geringeren als ihn um seine Hilfe anzurufen. Er steht zu seinem Wort und er will, dass sich sein Segen in Ihrer Ehe entfaltet. Das ist ja auch das Geheimnis: Sehen können wir den Segen nicht, aber Sie beide werden spüren und Sie werden es hoffentlich erleben, dass Gott Ihnen seine Hilfe schenken kann. Eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei. So heißt es ja in Ihrem Trauspruch und damit auch dieser Satz seine Gültigkeit erhält, ist es wichtig, es zu glauben, sich darin zu üben und darum zu beten.

Heute ist ein wichtiger Tag in Ihrem Leben. Es ist ein schöner Tag, vielleicht der schönste, das wichtigste aber ist, dass diesem Tag noch viele Tage folgen, an denen Sie wie heute JA zueinander sagen können.

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