Die Liebe hört niemals auf (1.Kor 13,7-8a)

1.Kor 13,7-8a
[7] Die Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. [8a] Die Liebe hört niemals auf.

Liebe Hochzeitsgemeinde,

der Trauspruch, den sich B. und H. für ihre Kirchliche Trauung ausgesucht haben, steht im 1. Korintherbrief im 13. Kapitel, die Verse 7+8 und lautet:

[TEXT]

Liebe B., lieber H.! Der Heiligabend an sich ist schon ein besonderer Tag. Im allgemeinen sagt man, dass mit Heiligabend das Fest der Liebe beginnt. Nun hat sich das bei Ihnen beiden in zweifacher Weise bewahrheitet, denn zum einen ist es der Tag, an dem wir die Geburt Jesu feiern und zum anderen ist gerade der Heiligabend 2000 der Beginn Ihrer Liebesgeschichte. Wie aber lernt man sich an Heiligabend kennen? Für gewöhnlich geht man an diesem Tag nicht aus, denn man geht zur Kirche in einen der zahlreichen Gottesdienste und anschließend ist man im Kreise der Familie gemütlich zusammen, um zu essen und zu trinken und ausgelassen zu sein.

So kennen die meisten von uns die Struktur dieses Tages, so, wie ich sie eben beschrieben habe. Bei Ihnen beiden aber und bei vielen anderen ist es eben anders. Nachdem man im Kreise der Familie Geschenke ausgetauscht hat, geht es auf die Piste. Das Incognito in Celle ist da wohl die erste Adresse für Nachtschwärmer. Und da haben Sie beide sich das erste Mal gesehen. Von nix kommt nix und so haben Sie, liebe B., die Initiative ergriffen und Ihrem jetzigen Ehemann einen Zettel zugesteckt. Es ist so: Wünsche müssen organisiert werden und so haben Sie es in der vergangenen Zeit nicht an Ideen fehlen lassen, um diesen Mann zu bekommen. Das ist gut so, denn ohne das Zusammenkommen wären wir heute nicht hier, um diesen festlichen Anlass zu genießen. Es hat einige Zeit gedauert, bis Sie beide wussten, dass Sie eine gemeinsame Zukunft haben wollen und das ist gut so. Diese Zeit haben Sie einfach gebraucht, um Fragmentarisches aus der Vergangenheit zu klären und um sich darüber im Klaren werden zu können, wo Ihr Platz ist. Und: Alles ist gut geworden.

Sie sind heute hier, um vor Gott und dieser Gemeinde, JA zueinander zu sagen und dass, weil Sie sich kennen und dass, obwohl Sie sich kennen. An diesem Tag beginnt Ihre gemeinsame Zukunft und dieser Tag ist von ganz vielen mit viel Liebe und mit viel Sorgfalt bedacht.

Was hat es auf sich mit einer – mit Ihrer Ehe? Sie sind noch am Anfang und alle Zeit, die Sie miteinander verbringen wollen, soll unter dem Wort von heute stehen:

[TEXT]

Will man also über die Ehe etwas sagen, so muss man offenbar über die Liebe reden. Denn die Liebe ist ja auch der Grund für Sie beide, dass Sie hier sind. Im Hochzeitsgespräch sagten Sie mir: „Wir haben das miteinander gefunden, was wir beide brauchen, nämlich Geborgenheit.“ Und das ist – wenn ich das mal so sagen darf – eine gute Grundlage für ein Zusammenleben. Wenn der eine das beim anderen findet, was er sich selber nicht geben kann: Ruhe und Geborgenheit, Trost und Zuversicht. Und ich denke auch, dass, wenn das in einer Ehe nicht vorhanden ist, dann wird eine Ehe spröde, banal und langweilig, wenn eine Ehe so ist, dann hat sie keinen Bestand und keine Aussicht auf Erfolg. Geborgenheit und Liebe sind eine gute Grundlage für Ihre Ehe und Sie beide müssen fein acht geben, dass diese Liebe hält. Sicherlich hat Paulus, als er die Zeilen, die Sie sich als Überschrift für Ihre Ehe ausgesucht haben, auf Pergament geschrieben hat, nicht an die Ehe gedacht, sondern eher an eine Gemeinde in der Hafenstadt Korinth. Aber der Text ist heute einfach geeignet für zwei wie Sie es sind.

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Schöne Sätze sind das, aber ich fürchte, es sind Worte, die zu sehr in Bonbonfarben daherkommen. Denn würde man diese Sätze auf ihren Wahrheitsgehalt abklopfen, dann müssten wir leider sagen: Sie stimmen nicht. Lassen Sie uns dem einmal nachgehen: Erträgt, glaubt, hofft die Liebe wirklich alles? Und hält sie allem stand? Wenn dem so wäre, dann gäbe es keine einzige Ehescheidung, dann gäbe es keine Ehekrisen und dann gäbe es auch nicht das Fremdgehen und das Begehren eines anderen Menschen, der einem über den Weg läuft oder den man näher kennen lernt. Das würde es alles nicht geben. Jedoch unsere Wirklichkeit sieht anders aus. Aus Liebe, mit der ja die meisten Ehen beginnen, wird mit der Zeit was anderes. Aus den ersten Tagen, Wochen und Monaten des Verliebtseins wird im Laufe der Ehe etwas anderes. Wie viele Menschen habe ich schon kennen gelernt, deren Ehe nach recht kurzer Zeit an Glanz, an Farbigkeit und an Lebendigkeit verloren haben. Für diese Umstände gibt es viele Gründe, einer dieser Gründe ist, dass sich Eheleute mit der Zeit nicht mehr genügen, dass die Zufriedenheit und das Glück auf der Strecke bleiben. Und auf dem Teppich bleiben diese Menschen dann auch nicht, denn oftmals sind es überhöhte Ansprüche und der Griff nach den Sternen des überdrehten Wohlstands, der zur Belastung wird.
Was ist mit Ihnen beiden? Ich will Ihnen keine Angst machen, denn, ob Ihre Ehe gut wird, liegt unter anderem bei Ihnen alleine. Sie haben, so ist meine Wahrnehmung, einen guten Anfang gemacht. Sie haben sich bereits etwas zusammen aufgebaut und fühlen sich darin wohl. Und Sie beide sind tüchtig und fleißig. Ob Ihre Ehe gelingt, liegt bei Ihnen. Darum hören Sie nicht auf, für den anderen da zu sein und um den anderen zu werben. Täglich, denn die Ehe passiert täglich von morgens bis abends. Zeigen Sie sich bitte, wie wichtig Sie sich sind. Nicht nur in den schönen Stunden, sondern auch dann, wenn es mal Streit gibt. Und das gibt es in jeder Ehe. Geht gar nicht anders, denn die Ehe ist wie das Leben, eben kein Spaziergang, sondern das Erleben von Höhen und Tiefen, von Schönem und nicht so Schönem. In der Bibel finden wir einen Satz von bestechender Sachlichkeit: Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen. Das heißt: Bevor es Nacht wird, sollte man den Streit des Tages beendet und sich vertragen haben. Ob Ihre Ehe gelingt, liegt bei Ihnen. Und oftmals sind es Kleinigkeiten, die eine Ehe auf Dauer strapazierfähig macht und zusammenhält. Sehen Sie, es ist wie mit diesem Talar. Jede Menge Stoff, der aber seine Elastizität und Haltbarkeit alleine dadurch bekommt, dass er geschickt in Falten und – jetzt kommt das Wichtigste – der durch viele, viele Nadelstiche zusammen gehalten wird. Das ist eine prima Sache und so kann man es sich bei der Ehe auch vorstellen: Viele kleine Dinge geben der Ehe ihren Pfiff und ihre Schönheit: Eines dieser „Dinge“ ist das Wort DANKE. Sagen Sie sich dieses Wort ruhig oft genug: Danke, dass es Dich gibt, danke, dass wir diesen Tag zusammen erlebt haben, danke, dass Du auf das Kind aufpasst, danke, dass … usw.

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Auf dieses Wort können Sie jetzt hören, denn die Liebe, von der hier die Rede ist, wird Sie davor bewahren, die Geborgenheit und Zuneigung, die Sie sich gegenseitig geben wollen und können, zu verlieren. Diese Liebe ist übrigens nichts anderes als das, was Gott uns jeden Tag zum Leben in der Ehe gibt. Mut und Phantasie, Ausdauer und ganz viel Humor. Und damit Ihre Ehe nicht nur auf das gegründet ist, was Sie haben und was Sie können, deswegen werden Pater Andreas und ich Ihnen nachher den Segen Gottes zusprechen. Dieser Segen geht mit, wenn Sie das glauben. Dieser Segen geht mit in alle Ihre gemeinsamen Jahre und dieser Segen wird sich in dem Maße entfalten, wie Sie es glauben und fühlen.

An diesem Segen liegt alles. Wir können den Segen nicht sehen, aber es wird sich zeigen, wie er sich entfaltet.
Und Gott alleine weiß es, ob Sie eines Tages zurückschauen und sagen werden: Es ist wahr, was unser Trauspruch uns verheißen hat. Es ist wahr – wenigstens für uns beide.

Liebe B., lieber H., ich wünsche Ihnen alles Gute und richtig viel Freude in Ihrer Ehe.

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