Abschied vom Kleinen Prinzen?

Liebe Gemeinde,

<b>Abschied vom Kleinen Prinzen?</b>

Über das erste Kapitel schreiben wir als Überschrift: Abschied vom Kleinen Prinzen? Vorsichtshalber setze ich aber ein Fragezeichen dahinter.

Ade, du schöner Satz. Wir müssen Abschied nehmen voneinander. Gerne habe ich dich auf Karten geschrieben. Stets hatte ich das Gefühl, etwas Richtiges damit zu sagen. Etwas Richtiges voll Wärme und Gefühl.

„Man sieht nur mit dem Herzen gut“.

In Poesiealben habe ich dich hineingemalt. In Trostbriefen nahmst du die Mitte ein. Manchmal habe ich mir gewünscht, du stündest in der Bibel. Und ich glaube, viele Menschen würden dich dort auch vermuten. Aber heute fliegst du raus.

Jeremias Wut trifft dich. Ohne viel Federlesens setzt er dich vor die Tür. Er wettert gegen die Propheten, die aus ihrem Herzen heraus reden.

Sie betrügen euch, lese ich bei ihm, „denn sie verkünden euch Gesichte aus ihrem Herzen.“ Wann werden sie aufhören, „ihres Herzens Trug zu weissagen“, fragt er grimmig.

Ade, du schöner Satz . Und soll ich gleich noch einen weiterem Untermieter unzähliger Predigten ebenfalls das Wohnrecht entziehen. Gibt es da nicht diesen englischen Satz: I have a dream?

Aber halt, bevor wir es zu weit treiben lassen wir uns lieber die Anklageschrift von Jeremia herüber reichen. Vielleicht wird uns deutlich, worum es ihm geht.

<b>Anklageschrift</b>

„Ich klage euch an, dass ihr euch einzig und allein an den Wünschen eures Herzens orientiert. Ich klage euch an, weil ihr es euch zu einfach macht:

EASY heißt das bei euch, weil ihr das Englische so liebt. „Easy“ gibt es einen Kredit, weil heraus gezögerte, offene Wünsche euch ein unerträgliches Gräuel sind. Easy müssen die Lebensweisheiten sein, weil ihr nur noch Geduld für schnelle Kost habt. Wehe, es wird schwierig oder differenziert. Dann wird das Programm gewechselt.

Warum denkt ihr so einfach über das Leben?

Ich klage euch an, weil ihr euch so viel vorgaukeln lasst.

Steine hängt ihr euch um den Hals; ihr tragt Armbänder, Ringe und Kränze und glaubt den seichten Worten der falschen Propheten: Nun bist du beschützt! Jetzt kann dir nicht mehr passieren. Und ihr raunt euch Worte zu und doch schwatzt ihr nur aus den Sehnsüchten eures Herzens. Glaubt ihr wirklich, Gott in einem Stein fangen zu können? Glaubt ihr wirklich, Gott wolle als Amulett an euren Hälsen baumeln? Glaubst du wirklich, Gott sprudelt aus den Sehnsüchten deines Herzens?

Warum denkt ihr so einfach über Gott?

Ich klage euch an, weil ihr ohne Liebe leben wollt.

Aus der Wut eurer Herzen seid ihr allzu schnell bereit, Menschen ohne Arbeit zu verachten.

Aus der Wut eurer Herzen gedeihen finstere Gedanken für eine Welt, in der Haß und Neid wieder regieren dürften in Deutschland. Merkt ihr nicht, wie gefährlich eure Sehnsucht ist, das Leben möge einfach sein?“

Warum denkt ihr so lieblos?

<b>Ein Warnschild</b>

Halt ein, lieber Prophet! So viel Zorn kann man am frühen Sonntag Morgen ja kaum ertragen.

Gewiss, die Anklagen des Jeremia sind ungemütlich. Doch wir wollen ihnen nicht ausweichen.

Vorhin hatten wir das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus gehört. Dieses Gleichnis hat mit der Anklageschrift das Jeremia etwas gemeinsam.

Beide biblischen Texte stellen ein Warnschild auf. Darauf steht nur ein Satz:

Denke nicht falsch über Gott.

<b>Sein Wort haben</b>

Über mehrere Jahrhunderte hinweg haben die Menschen der Alten Kirche um das richtige Verstehen Gottes gerungen. Solche Fragestellungen sind uns eher fremd geworden. Ein wirklicher, bedeutsamer Lebensbezug der Frage nach Gott ist – seien wir doch ehrlich – kaum nocherkennbar. Soll doch jeder über Gott denken, wie er will, sagen wir. Oder: Wir alle glauben ja irgendwie an den einen, gleichen Gott.

Und weil wir so einfach über Gott denken wollen, ist er uns entglitten und zu einem lebensfernen Chiffre geworden.

Und dabei spüren wir, wie gut unser Leben werden könnte, unser gemeinsames Leben, wenn wir es denn vor Gott verantworten könnten.

Um Gott erfassen zu können, müssen wir über Beziehungen nachdenken. Zumindest in der frühen Zeit des Christentums war man sich dessen gewiss. Gott kann nicht losgelöst vom Leben, losgelöst vom Zusammenleben erfasst werden.

Die Bibel bringt das, was ich hier meine, in zwei einfachen Sätzen auf den Punkt: Gott ist die Liebe. Und: Wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben.

Solche Sätze klingen sehr romantisch und man sieht förmlich die Rosen um sie herum empor ranken und Engelchen mit Pausbacken als zierendes Beiwerk. Und wir sind geneigt, das Poesiealbum, sprich: die Bibel – zu schließen.

Andererseits klagen wir über die Kälte dieser Welt, klagen über ihren Egoismus, klagen über das Geld als gottgleiche Macht, klagen über Gleichgültigkeit, klagen über Gewalt und Krieg.

Gott ist die Liebe. Jesus demonstriert uns, wie hart derjenige leiden muss, der in der Wahrheit der Liebe Gottes lebt. Er demonstriert uns, wie viel Kraft und Geduld in einem ruhen muss, um diese Wahrheit immer wieder zu bezeugen. Er demonstriert uns, wie lebensspendend es ist, Liebe, Liebe Gottes im Leben zu erfahren, zu leben und zu verkünden.

<b>Er bleibt!</b>

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Nein, wir müssen diesen Satz nicht streichen. Er ist mit Fug und Recht auch als ein gültiger Satz unseres Glaubens anzuerkennen, obwohl er nicht in der Bibel steht. Er ist ein gültiger Satz, wenn wir nicht uns, sondern Gott als Quelle der Güte glauben.

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Dieser Satz steht ja in der Geschichte vom Kleinen Prinzen im Zusammenhang der Frage danach, wie man Gräben der Fremdheit überwindet.

Man sieht nur mit dem Herzen gut, wenn das Herz von Gottes Wort erfasst, geformt, bereitet und für das Leben gestärkt ist. Nun sind es nicht mehr meine Wünsche, die mich leiten. Nun sind es seine Hoffnung, seine Kraft, seine Liebe, sein Wort, die mich leben lassen in dunkler Zeit voll Hoffnung, in kalter Welt voll Liebe, in diesseitigem Treiben voll Glauben.

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