Wir sind sein Eigentum

Liebe Gemeinde,

Sie haben vielleicht schon meine kleine Betrachtung im Gemeindebrief zu Trinitatis gelesen. Trinitatis: das Fest der Heiligen Dreieinigkeit, welches wir diesen Sonntag gemeinsam feiern. Um was geht es bei Trinitatis? Zunächst geht es nicht um eine hohe dogmatische Formel, es geht nicht um ein starres Gedankengebäude, welches um seiner selbst willen erhalten sein möchte. Natürlich sind diese Dinge für einen Theologen interessant, auch für Philosophen und überhaupt für Menschen, die versuchen, sich in die Heilige Schrift und die Tradition der Kirche zu vertiefen. Aber, liebe Gemeinde, das ist nicht der Kern dieser Lehre über die Drei-Einigkeit Gottes. Der Kern ist ganz einfach und in seiner Bedeutung ganz klar: es geht allein um das Loben und Preisen unseres Gottes. Dietrich Bonhoeffer, an den dieses Jahr oft gedacht wird, hat es einmal so formuliert: „Wenn die Kirche seit Jahrhunderten von dem dreieinigen Gott lehrt, so ist das alles andere als rationalistische Verhärtung der Religion, sondern gerade umgekehrt ein dauerndes Offenhalten des Geheimnisses des lebendigen Gottes. Der Sinn der Dreieinigkeitslehre ist ungeheuer einfach, so dass jedes Kind sie verstehen kann: Es ist wahrhaftig nur ein Gott, aber dieser Gott ist die vollkommene Liebe und als solcher ist er Jesus Christus und der Heilige Geist. Die Dreieinigkeitslehre ist nichts als der schwache Lobpreis der Menschen auf das Ungestüm der Liebe Gottes, in der er sich selbst verherrlicht und in der er die ganze Welt umfasst; ist Aufruf zur Anbetung, zur Ehrfurcht, zur Liebe, die sich in Gott versenkt.“

Liebe Gemeinde, hören wir unter diesem Blickwinkel das Predigtwort, das dem heutigen Dreieinigkeitsfest zugrunde liegt. Wir finden es im Brief an die Epheser im ersten Kapitel, die Verse drei bis 14:

[TEXT]

„Gelobt sei Gott“ – so beginnt dieses Bibelwort – „dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit“ – so endet unser Bibelwort. Darin ist alles aufgehoben, alle Bedeutung eingeschlossen. Mit Trinitatis feiern wir Gottes Handeln an uns Menschen in seiner Gänze. Wir feiern, dass es Gott dem Schöpfer gefallen hat, diese Erde zu erschaffen und uns darauf mitsamt aller Kreatur. Wir feiern, dass er selbst in Jesus Christus erschienen ist, die Sünde, die als Graben zwischen ihm und uns zu denken ist, zu überwinden durch seinen Tod. Wir feiern den Heiligen Geist, der als Tröster und Beistand uns geschickt wird in diesem Leben, damit wir nicht alleine sind, nicht nur auf unsere kümmerliche Existenz reduziert sind.

In drei Strophen, drei Liedteile ist dieses Loblied untergliedert. Wir wollen sie uns näher ansehen: „Gelobt ist der Gott, der uns in Jesus Christus zu seinen Kinder erwählt hat.“ Es ist so wichtig, liebe Gemeinde, dass wir dies im Lobe Gottes uns immer wieder vorsprechen: wir sind seine Kinder, wir sind gewollt, wir sind erwählt. In Christus erwählt sogar, so dass wir Christen heißen dürfen. Bei all dem, was der Alltag oder das Leben überhaupt uns auch an Schwerem aufbürden kann, ist es bedeutend, dass wir nicht vergessen, dass unser Leben einen Grund hat, der nicht weggespült werden kann. Dieser feste Grund, dieser Fels, um das Gleichnis vom Hausbau zu zitieren, dieser Fels ist und bleibt Gott. Und wenn wir uns gegenseitig im Loben und Danken dieses Felsens vergewissern, dann kann es helfen, das eine oder andere leichter zu tragen, es kann die Schwere der Last ein wenig relativieren. Es kann helfen, nicht darunter zu zerbrechen. Ist Gott für mich so trete gleich alles wider mich: so haben wir es eben gesungen.

Die zweite Strophe des Lobliedes ist länger – ich kürze sie: „In Christi Blut, in seinem Sterben am Kreuz finden wir unsere Erlösung. Erlösung, die alles zusammenfasst in Christus, was im Himmel und auf Erden ist.“ Ja, es ist meine Erlösung, die ich da preisen darf. Mein eigenes, mein privates Geschenk: jedem einzelnen Menschen zugesagt, der Christus als seinen Weg glauben kann. Aber nicht nur das, nicht nur mich für, sondern umfassender: die ganze Schöpfung hat in dieser Erlösung sein Ziel: „dass alles zusammengefasst würde, was im Himmel und auf Erden ist.“ Wir hören das Seufzen der Kreatur, um mit Paulus zu reden, das Seufzen und Stöhnen der ganzen Schöpfung und wir sind aufgerufen, mit dafür zu sorgen, dass ihr Erleichterung widerfährt. Wir haben Verantwortung bekommen für das, was wir verwalten sollen. Ich hoffe, dass wir das nicht vergessen, gerade, wenn die Natur jetzt so schön ausschlägt, die Sonne sich langsam öfter zeigt, wir uns nach dem Himmel strecken und nach draußen gehen wollen. Wir haben Verantwortung für all das übernommen. Aber wir können sie nur tragen, wenn wir wissen, dass auch sie in unser Ziel, der Neuschöpfung, mit einbezogen ist. Es macht es uns leichter, uns zu engagieren über unser eigenes Bedürfnis hinaus. Zu überlegen, was der Schöpfung Not tut kann meines Erachtens nur unter dieser Perspektive, dass wir nicht alleine sind, gelingen.

Schließlich aber die dritte Strophe des Lobliedes, ebenfalls von mir ein wenig gekürzt: „Ihr seid versiegelt mit dem Heiligen Geist als Unterpfand unseres Erbes.“ Welch eine Befreiung! Wir dürfen darauf hoffen, dass in unseren Gemeinden, in unseren Gottesdiensten, in unseren Gebetskreisen das Wirken des Heiligen Geistes zu finden ist. Wir haben im Geist darauf Brief und Siegel. Unser Erbe steht sicher. Die Christen sind begabt mit einer Lebenskraft, die ihre eigene Kraft übersteigt. Sie sind ausgewiesen mit einem Mut, den sie von sich aus nicht aufbringen könnten. Auch den Mut, liebe Gemeinde, neue Wege zu gehen, manchmal umzukehren, Altes hinter sich zu lassen. Dieser Geist wiederum hat aber ein Ziel: er dient der Gemeinschaft der Gläubigen, er hilft dort Not zu lindern, er hilft dort Sprache zu finden, er hilft dort, Gott zu erkennen. Und der Geist ist vielfältiger, als wir es uns erträumen könnten. Deswegen darf ich darauf vertrauen, dass er in meinem Mitmenschen, in meinem Gegenüber, durch Christus ergriffen, mir begegnet.

Über all diese Dinge, liebe Gemeinde, hören wir oft am Sonntag unsere Auslegung der Schrift. Und dennoch ist es wichtig, dass es einen Tag wie diesen gibt, an dem diese große Geschichte Gottes mit uns Menschen noch einmal zusammengefasst wird. Ihr zu entsprechen, Gott zu antworten auf seine große Tat, kann nur in der Form des Lobes und des Dankens geschehen. Wenn wir loben, wird uns darin etwas wieder geschenkt, welches wir zuvor schon empfangen haben.

„Gelobt sei Gott – wir sind sein Eigentum zum Lob seiner Herrlichkeit.“

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