Hochmut kommt vor dem Fall

Die kleine Juliane kann noch nicht sprechen. (Im Gottesdienst wurde ein Säugling getauft)) Jedenfalls keine wohlgeformten Sätze. Dennoch gibt es eine Sprache, die sie versteht. Die Sprache der Liebe. Die ist bis heute international. Wenn die Eltern das Kind in die Arme nehmen. Oder ihm abends ein Lied vorsingen. Auch Musik ist eine Sprache, die, wenn sie harmonisch ist, ein Miteinander schafft. Seit der babylonischen Zerstreuung sucht die Menschheit nach Gemeinsamkeiten, auf die sich alle verständigen können. Ein Stück wie Freude schöner Götterfunken, zeigt das, wo dieser Wunsch besungen wird: Alle Menschen werden Brüder.

Trotz des um sich greifenden Individualismus, der Vereinzelung, der Einsamkeit vieler ist in der Welt die Sehnsucht wach nach Gemeinsamen. Nach Zugehörigkeit. Nach Verstandenwerden. Aber wir finden es nicht, oder es misslingt, und wir bleiben enttäuscht auf der Strecke. Nachbarn Tür an Tür oder Generationen unter einem Dach leben aneinander vorbei. Obwohl sie derselben Nation angehören, haben sie sich wenig zu sagen. Oder sie verstehen die Begriffe der anderen nicht. Die Alten reden von Verbindlichkeit, von Anstand. Den Jungen ist das fremd. Sie haben auch ein ganz anderes Vokabular. Vorgestern hörte ich von einem begabten Jugendlichen, der hat eine Seite ins Internet gestellt. Die Verbindung brach zusammen wegen der vielen Zugriffe, so groß ist das Interesse von Sportbegeisterten. Er hat die deutschen Nationalspieler nachgezeichnet, wie sie privat leben. Das ist natürlich erfunden. Er macht das mit einem Southpark-Editor, wurde erklärt. Versteh ich nicht. Keine Ahnung was das ist, vielleicht kann mir jemand das nachher erklären beim Kirchkaffee.

Wo liegt Babel? Formal korrekt wäre die Auskunft, im heutigen Irak. Aber eigentlich ist Babel überall dort, wo Menschen planen und bauen ohne Gott. Babel ist dort, wo Gigantomanie herrscht, eine Art Größenwahnsinn, aber das bemerken die Architekten und Geldgeber gar nicht, so verblendet sind sie von ihren Ideen. Zurück bleiben oft Ruinen. So war es beim Bunker Valentin in Farge. Gedacht für den U-Booten, die dort in Fertigteilen angeliefert und zusammen gebaut werden sollten. Der Krieg war schon verloren, als der Bunker gebaut wurde. Die Gegner sahen sich das in Ruhe von oben an mit ihren Luftaufnahmen. Schließlich fuhren sie hernieder, Anfang 45, und beschädigten das fast fertige Werk schwer mit Großangriffen. Das Bauwerk blieb unvollendet.

Eine andere Bauruine stand viele Jahre in Stotel vor den Toren Bremerhavens. Inzwischen ist sie endlich abgerissen. 30 lange Jahre lang ragte das unvollendete Bauwerk in den Himmel. Ein Hochhaus-Skelett, 15 Stockwerke hoch. Es war ein Bauwerk im Geist der Zeit. Zu den Bauprojekten a la Babel gehört immer ein bestimmter Geist, der ein anderer Geist ist als der Geist von Pfingsten. Es war ein Zeitgeist, in dem der Beton beim Bauen vorherrschte. Auch die Bremerhavener Stadtplaner waren von diesem Geist ergriffen. Anfang der 70er Jahre trieb der Fortschritt dort bizarre Blüten. Eine Trabantenstadt mit 15 Wohnblocks und drei Hochhäusern sollte entstehen. Dieser Zeitgeist hatte auch seine eigene Sprache. Wir nannten das damals eine städtebauliche Dominante, erinnert sich der leitende Beamte. Der Turm von Stotel hat viele Bauherren in den Ruin getrieben. Voller Euphorie setzte eine frz. Baufirma das Hochhaus 1970 in die Welt. Die Bewohner von Stotel bewunderten die moderne Kastenbauweise. Die Bauarbeiter schichteten 15 Stockwerke aufeinander. Dabei waren nur 8 genehmigt. Bald machten die Franzosen pleite. Sie ließen den Stahlbetonriesen zurück. 1979 ersteigerte ein Fliesenleger aus Nordholz das Gebäude zum Spottpreis von 37000 Mark. Er bekam keine Baugenehmigung. Nun hater er den Klotz am Bein. 10 Jahre später tauchte ein Berliner Bauunternehmer auf. Er wollten den langen Lulatsch etwas stutzen. Auch er scheiterte an der Baugenehmigung. Dann wechselte der wertlose Riese in die Hand eines Brotfabrikanten. Seine Gesellschaft hat die Abrissverfügung des Landkreises ignoriert, durch alle Instanzen. Am Ende verfügte der Landkreis den Abriss. Kosten 300.000 Mark. Eine Firma aus Rostock hat das erledigt. Nur 4 Bauarbeiter waren nötig. Sie machten das einstige Millionenprojekt dem Erdboden gleich.

Lernt die Menschheit aus solchen Pleiten? Kaum. Der Ölpreis liegt gerade bei 68 Dollar. Warum? Babel liegt zur Zeit in China. Da wird gebaut und geklotzt wie verrückt. Peking ist nicht mehr wieder zu erkennen. Die alte Kultur verschwindet. Der Geist von Babel hat dort Einzug erhalten. Wolkenkratzer, Schnellbahnen, überall wuseln Angestellte mit klingelnden Handys. Die Hotelketten boomen, die Metropole gleicht immer mehr Singapur, Hongkong. Mahnende Stimmen gibt es wenig, die meisten sind ergriffen von einem Geist des Aufbruchs, des Nachholenwollens, der Wohlstandseuphorie.

Think big, könnte man den Geist von Babel zusammen fassen. Denke groß! Eine Welt, die sich infizieren lässt von diesem Denken, schreckt nicht mehr zurück vor eigentlich unvorstellbaren Zahlen. Milliarden Euro oder Dollar, die gezahlt werden für Firmenfusionen. Oder Großereignissen wie dem, das nächste Woche die Fußballwelt in Deutschland versammelt. Dann wird mal eben der eigentlich makellose Rasen in allen 12 Stadien ausgetauscht. Kosten pro Platz 150.000 Euro. Egal, das Geld ist ja da.

Gute Gründe finden sich immer. Man will sich schließlich der Welt perfekt präsentieren. Damit alle später anerkennend vom ausrichtenden Land sprechen, die haben das toll hingekriegt. So dachten auch die Aktiven einst in Babel. "Wohlauf, laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reicht, damit wir uns einen Namen machen!" Etwas leisten, worauf wir stolz sein können und worum uns andere beneiden. Die Kulisse, vor der Petrus einst seine Pfingstpredigt hielt, war auch ein Bauwerk großen Ausmaßes, von Weltgeltung. Der Tempel in Jerusalem. Was für Steine, was für Mauern, hatten sogar Jesu Jünger gerufen beim Einzug in die goldene Stadt. Aber Jesus hatte voraus schauend gewarnt: Seht euch all das noch mal gut an. Bald kommt die Zeit, wo kein Stein auf dem anderen liegen bleibt. Und so kam es auch bald. Aber wie gesagt, am damaligen Pfingstfest stand noch alles in großer Pracht.

Vor dieser Kulisse ergreift Petrus das Wort. Er spricht von der Ewigkeit. Nicht eine Ewigkeit, die in Denkmälern besteht, die noch von späteren Generationen anerkennend bestaunt werden. Er spricht von einem unvergänglichen Erbe im Himmel. Das liegt für alle bereit, die an Jesus als den Erlöser glauben. Die sich taufen lassen auf den Namen Jesu. Denn der Name, der wirklich etwas gilt, den können wir uns nicht erarbeiten. Den will Gott uns schenken. Das ist der Christenname. Daran erinnert die Taufe. Ich berufe mich auf das, was Jesus am Kreuz getan hat, als er gestorben ist für meine Schuld. Die Taufhandlung, das Wasserbad, ist ein Zeichen der Reinigung, der notwendigen Reinigung von meiner Schuld. So berufe ich mich auf das, was Jesus geleistet hat. Nicht auf das, was ich leiste. Das ist doch vergänglich. Wir sollen uns keinen Namen machen wollen.

Natürlich kann es sein, daß beim Turmbau zu Babel damals welche dabei waren, die wollten gar nicht den Herrgott herausfordern mit ihrem Tun. Die haben nicht gebaut, um sich einen Namen zu machen. Sie haben sich diesem Gemeinschaftswerk angeschlossen. Sie wollten ihren Familien etwas gutes tun. So sollte es nicht mehr weitergehen wie früher, im Osten, wo sie herkamen als unstete Wanderer. In Zelten hausend, Wind und Wetter ausgesetzt, oft feindlich angesehen als unwillkommene Fremde. In Babel wollten sie endlich seßhaft werden, ihren Familien ein behütetes Zuhause geben. Das muß doch nicht Angeberei sein, wenn einer sein eigenes Häuschen erwirbt und dafür schuftet! Es ist doch für die Kinder! So sind viele gute Motive dabei, wenn wir an unseren Plänen feilen, wenn wir uns abmühen und in jahrelanger Arbeit in unsere Zukunft oder in die unserer Familie investieren.

Aber das ist nicht genug, unsere guten Absichten, oder das Lob der anderen, du hast was aufgebaut, alle Achtung. Es kommt darauf an, was Gott dazu sagt: "Da fuhr der Herr hernieder, daß er sähe die Stadt und den Turm, den die Menschenkinder bauten." Das hat nichts zu tun mit einem Aufpassergott, der all unsere Schritte überwacht. Mit dem dürfen Sie, liebe Taufeltern und Paten, die heute getauften Kinder nicht erschrecken. Gott fuhr hernieder, das bedeutet: Er kommt herab in deine kleine Welt, er interessiert sich für das was du baust. Das ist wieder frohe Botschaft. Da ist ein Herr im Himmel, der tut mehr als nur auf meine Gebete warten. Er interessiert sich für alles, er schaut nach mir. Wenn wir etwas Gutes angefangen haben, will er seinen Segen dazu geben, will er es fördern. Wenn wir Schädliches angefangen haben oder auch nur im Sinn haben, will er es verhindern oder umbiegen.

Da fuhr der Herr hernieder …

Genau das geschah erneut zu Pfingsten. Aber Gott fuhr hernieder auf andere Weise als damals. In Babel verstand keiner mehr den anderen. Sie mussten das Werk aufgeben. Am Pfingstfest konnten auf einmal alle, obwohl aus verschiedenen Ländern und Kulturen, die Predigt von Petrus verstehen. Sie wurden erfüllt vom guten Gottesgeist. Gottes Geist kam hernieder auf sie vom Himmel. Sie fingen an, etwas Gutes zu bauen. Die erste Kirche. Nicht ein Haus aus Steinen. Sie versammelten sich weiter in dem Tempel, der ja noch dort stand, und in ihren Privathäusern. Aber sie bildeten nun eine Gemeinschaft. Die Gemeinschaft der Gläubigen. Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Die Initialzündung.

Wenn wir eine Taufe haben hier, dann tun wir das möglichst im Gottesdienst am Sonntagmorgen. Zur Gemeinschaft der Gläubigen wird ein Mensch hinzugefügt. Sicher ist das erst ein Anfang. Das Kind muss von Jesus hören, es muss später als Jugendlicher die ganzen Zusammenhänge erfahren und lernen im Konfirmandenunterricht. Es bedarf einer persönlichen Entscheidung, das eigene Ja muss kommen. Sonst wird der Gottesgeist das Herz nicht ergreifen, das Leben nicht bestimmen.

Die Taufe zielt nicht auf individuelle Religiosität. Sie will hineinführen in die Gemeinschaft der Gläubigen. Denn Gott will uns Ziele setzen, gute Ziele. Und diese werden besser erreicht in der Gemeinschaft der Gläubigen. Gott will also die Christen zusammen führen. Petrus sagte nicht: Lass dich taufen, sondern lasst euch taufen. An Babel sehen wir, wie die Einheit, die Zusammengehörigkeit verloren geht, wenn man ohne Gott lebt. Pfingsten zeigt: Mit Gott finden wir zueinander. Wenn Gott uns keine Ziele setzt, die wir dann ansteuern, dann zerfällt die Gesellschaft in Egoismen. So kommt Jesus also an Pfingsten, um zusammenführen.

Wenn wir uns aber ergreifen lassen vom Pfingstgeist, vom Geist Jesu, dann wissen wir, wozu wir gehören. Wir bekommen ein Ziel, ein Ziel, für das sich zu leben und zu sterben lohnt. Und wir dürfen andere auf dieses Ziel hinweisen. Das Leitbild unserer Gemeinde ist so ein großes Ziel. Ich rufe es wieder einmal in Erinnerung: "Als evangelische Kirche im Stadtteil wollen wir uns darum mühen, dass Menschen zu Christus finden, Gemeinschaft erleben und ihren Platz in der Gemeinde einnehmen." Im nächsten Jahr werden wir eine große Aktion haben für dieses Ziel. Wir wollen es für unsere Region umsetzen. Während drei Wochen im Frühjahr wird Ulrich Parzany, der bekannte Evangelist aus Essen, nach Bremen kommen. Er wird an jedem Abend über entscheidende Fragen des Alltags und der Probleme unserer Zeit reden. Und erzählen, wie diese Fragen mit Hilfe des Glaubens an Jesus Antwort finden. Wie das eigene Leben dadurch erneuert und verändert wird. Mit anderen Gemeinden zusammen werden wir das vorbereiten und dazu einladen. Die Abende sind in der Epiphaniasgemeinde, weil die den größten Saal hat für die Menschen, die wir erwarten. haben:

Wie heißt es am Anfang der Turmbaugeschichte: "Als sie nun nach Osten zogen"… Wir wollen dann auch nach Osten ziehen, in den Bremer Osten sozusagen und in Nachbarschaft und Stadtteil werben für den Glauben.

Ulrich Parzany hat solche Aktionen bisher für ganz Europa gemacht. Seine Predigten wurden zeitgleich in viele Länder übertragen und übersetzt. Diese babylonische Einschränkung wird uns hier nicht zu schaffen machen, man versteht deutsch im Bremer Osten.

Wie einfach haben wir es doch heute in vielem. Petrus musste unter freien Himmel predigen, wir haben große Gemeindezentren und schöne Kirchen. Gebaut zu Gottes Ehre. Und Jesus will weiter bauen in deinem Leben. Lass ihn bauen. Lass seinen Geist an deinem Herzen wirken. Damit musst du nicht warten bis solch große Aktionen kommen wie die Parzany Vortragsabende. Gottes Geist will täglich auf dich Einfluss nehmen. Er muss sich täglich auseinandersetzen mit anderen Strömungen, mit Werten und Ideen die einem anderen Geist entstammen. Das soll dich nicht beeinflussen. Das will Gottes Geist zurück drängen, den Geist von Babel. Den Ungeist des Groß sein Wollens, des Egoismus, des Stolzes. Vielmehr soll Gottes Geist, der Geist der Verständigung, des Zusammengehörens, der Liebe, sich ausbreiten. Das braucht die Welt, das braucht Bremen, das braucht Hastedt. Herr Jesus, erfülle uns mit diesen Gedanken und Zielen. Darum bitten wir dich!

drucken