Auf Gottes Liebe Antwort geben (Joh 14,6)

Joh 14,6
[6] Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Lieber Herr Xxx, liebe Frau Xxx, liebe Familien des Brautpaares, liebe Verwandte und Freunde, liebe Festgemeinde.

Wir freuen uns an diesem Tag, dass Sie beide sich das Ja-Wort geben und dass Sie in diese schöne Kirche gekommen sind, um ihre Ehe, ihre gemeinsame Zukunft, unter den Segen des dreieinigen Gottes stellen wollen.
Als Trauspruch haben Sie ein Wort aus dem Evangelium des Johannes gewählt, im 14. Kapitel, den sechsten Vers. Es lautet: „Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

Weg, Wahrheit und Leben: drei zentrale Begriffe aus dem Christentum, die auch über Ihrer Ehe stehen sollen und die auch darin helfen können, eine gute Ehe zu beschreiben. Dort ist zunächst der Weg, den Sie nun auch öffentlich und vor Gott miteinander beschreiten wollen. Ein Weg freilich, der nicht erst heute oder am Donnerstag mit Ihrer standesamtlichen Trauung begonnen hat. Ein Weg, den Sie schon länger miteinander gegangen sind, auch ohne die rechtliche Legitimation. 12 Jahre sind es nun, die Sie nun gewollt zusammen verbringen – bereits eine ganz beachtliche Zeit. Im weitesten Sinn hat Sie ja nun die Kirche zusammengebracht, wenn man bedenkt, dass es zum ersten Mal auf einer „Kirchweih“ zwischen Ihnen gefunkt hat.

Gemeinsamer Weg aber muss nicht heißen, dass man alles gleich macht. Man wird nicht eine Person, wenn man verheiratet ist, sondern man wird eine Einheit. In diesem Bilde entsprechen die Menschen dem, was Gott als Ebenbild geschaffen hat: keine Einzelwesen, sondern in Gemeinschaft Antwort geben auf seine große Liebe. Gemeinsamer Weg bedeutet auch gemeinsamer Alltag. Den kennen Sie beide schon und Sie haben auch wohl schon ihre Rollen gefunden. Beide berufstätig sind Sie gleich verantwortlich für das, was nach Feierabend zu Hause geschieht, und ich denke, Sie haben das ganz gut im Griff, auch wenn es manchmal noch einen kleinen, klaren Auftrag braucht, um das ein oder andere im Gleichgewicht zu halten. Die Arbeit in Haus und im Wald wird auch nicht abreißen und ist auch die Gestaltung der Zukunft in gewisse Bahnen gelenkt, alles weitere wird sich geben, vielleicht auch die Vergrößerung der Familie Xxx unter diesem Segen Gottes.

Der zweite Begriff der Wahrheit beschreibt die Ehrlichkeit, die Menschen untereinander pflegen sollten. In Wahrheit miteinander umzugehen heißt auch, den anderen sein lassen zu können, wie er ist. Ihn anzunehmen in seiner Eigenart als Person und ihn zu lieben nicht nur, weil er dies oder das tut, sondern weil er so ist, wie ihn Gott geschaffen hat. In dieser Wahrheit tritt uns Gott selbst entgegen und diese Liebe ist das schönste Bild, welches die Bibel bereithält, um das Wesen Gottes zu beschreiben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in den Momenten des erfüllten Glückes Ihren Schöpfer nicht vergessen, sondern darin seine gütige und fürsorgende Hand erkennen mögen. Nicht alles in Ihrer Ehe wird eitel Sonnenschein bleiben und sein, Rückschläge gilt es einzustecken, Fehler einzugestehen, Umkehr zu wagen und neue Wege zu gehen. Wer dies sich traut in jener Wahrheit Gottes, der darf gewiss sein, dass er auch Gottes Freiheit dazu bekommt. Jene Freiheit, die dem anderen die nötige Luft zum Atmen lässt und ihn annimmt als eigenständige Person.

Und schließlich das Leben: Sie werden nicht nur gemeinsames Leben gestalten und vielleicht sogar für neues Leben sorgen, sondern sich auch zusammen darauf besinnen dürfen, was eigentliches Leben ausmacht. In der Gemeinschaft der Ehe kann dies gut funktionieren, wenn man sich darauf besinnt, woher man selbst sein Leben geschenkt bekommen hat. Nämlich aus Gottes freundlicher Hand, aus seiner Liebe und seiner Schöpferkraft. Dieses Wissen mag Grund und Fundament sein für Ihr gemeinsames, neues Leben. Es mag Ihnen Halt geben und Sie stützen in allen Widrigkeiten, die uns Menschen, solange wir auf der Erde leben, nicht erspart bleiben. Ein wenig dieser Gelassenheit wurde nun dieser Tage ja schon von Ihnen verlangt: am Polterabend sintflutartige Regenfälle und Windböen, die das Zelt mitnahmen, das etwas kalte Wetter, das so gar nicht dem Sommeranfang entsprechen will und nun auch noch der verunfallte Ortspfarrer und die plötzliche und unerwartete Vertretung. Seien Sie gewiss: all das macht nicht das Wesentliche aus im Leben. Sondern diese eine Kraft, die wir im Leben finden, wenn wir unser Vertrauen ganz auf Gott selbst setzen. Wer sagen kann: ich glaube und vertraue für mein Leben diesem Christus Jesus, darin wir Gott sehen, der wird erfahren, welche Möglichkeiten für das Leben hier im Christentum verborgen liegen.

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“, spricht Jesus und lädt uns darin ein, ihm nachzufolgen auf dem Weg, den er uns vorangegangen ist. Ich wünsche Ihnen, liebes Brautpaar, dass Sie seinem Weg folgen können, in dem was Sie nun heute begonnen haben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie seine Wahrheit erkennen können, in der Liebe die Ihnen zueinander geschenkt wurde und ich wünsche Ihnen, dass Sie mit ihm das neue Leben glauben, auf das wir Christen alle hoffen und welches bereits jetzt manchmal für uns aufleuchtet, wenn wir den Himmel offen sehen. „Jesus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

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