Achte auf den anderen! (Gal 6,2)

Gal 6,2
[2] Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

Liebe Xxx und lieber Xxx, liebe Familien des Brautpaares, für die ja zum Teil dieses Datum eine ganz eigene Bedeutung hat, liebe Verwandten, liebe Festgemeinde.

Wir feiern heute in dieser schönen Kirche zu St. Helena Ihre Hochzeit, den Segen, den Gott auf Ihre Beziehung legen möchte und den wir heute für Sie erbitten. Als Trautext haben Sie sich ein Wort des Apostels Paulus aus seinem Brief an die Galater im sechsten Kapitel, den zweiten Vers ausgesucht. Dort lesen wir: „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen."

„Einer trage des anderen Last“ – darin liegt eine Verheißung, wenn wir unserem Bibelwort trauen. Darin liegt die Zusage, dass, wenn einer für den andern Sorge trägt, dass darin sich eine Göttlichkeit abbildet, die uns Menschen erst zu Menschen werden lässt. Paulus ist der Meinung, dass sich die Gesetze, die eine Religion für ihre Mitglieder bereit hält, besser vielleicht die Gebote oder die Verhaltensrichtlinien – dass dies alles im Christentum in dieser einfachen Regel zu finden wäre. Achte auf den anderen! heißt es dort. Sei bereit, dich um ihn zu kümmern, dich seiner anzunehmen und ihm beizustehen, wenn man dich braucht. Dass Sie dieses Wort über Ihre gemeinsame Zeit in der Ehe stellen wollen, kommt daher nicht von ungefähr. Denn wo zwei Menschen in dieser Weise aufeinander zugehen wollen, wie Sie dies heute tun, da findet man etwas von der Ebenbildlichkeit Gottes wieder, die uns Menschen ja allen zugesagt wurde. Man kann etwas davon finden, wenn man auf die Liebe blickt, die zwei Menschen zusammenbringt. Diese Kraft der Liebe ist wohl das eindrücklichste Bild, das die Heilige Schrift als Vergleich für Gottes Wesen bereit hält. Weil die Liebe fähig ist, Grenzen zu überwinden. Weil die Liebe selbstlos ist. Weil die Liebe nicht liebt, damit irgendetwas geschieht oder getan wird, sondern völlig zwecklos um der anderen Person willen. Keine Angst, liebes Brautpaar – ich will heute Ihre Verbindung nicht überhöhen. Das hätte auch keinen Sinn, denn ich spreche davon, dass in dieser Liebe etwas von jener Vollkommenheit, die uns allen zugesagt ist, aufblitzen kann, nicht dass wir sie allezeit erreichen und dann auf immer festhalten. Aber das wissen Sie ja bereits, liebes Brautpaar und mit Ihnen auch die Festgemeinde. Denn Ihre Verbindung ist ja nicht erst gestern geschlossen worden, sondern währt schon einige Jahre und es ist sogar schon Nachwuchs aus dieser Liebe entstanden – ich freue mich, dass Ihr Sohn heute diese Trauung seiner Eltern miterleben kann. Nicht immer ist also alles eitel Sonnenschein, denn schon bald nach Ihrem Kennenlernen musste ja „schnell“ gehandelt werden. Viel Druck war damals von außen da, schwierige Entscheidungen mussten gemeinsam getragen werden, v.a. während des einen Jahres, da man das eigene Auto nicht benutzen konnte. Aber Sie haben alles ausgehalten, alles soweit gemeistert und meistern es auch heute, trotz schwieriger Berufs- und Arbeitszeitbedingungen. Sie leben also bereits etwas von dem, was Ihr Trauspruch Ihnen zusagt.

Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen die Gnade zuteil wird, darin die höhere Macht Gottes zu erkennen. Darin zu erkennen, dass er eine Liebe zu uns Menschen hat, die ganz ähnliches leisten mag: uns lieben und annehmen, trotz aller Schwierigkeiten, trotz aller Hindernisse. Und, dass Gott darauf wartet, dass wir ihm mit unserer Liebe, mit unserem Vertrauen zu ihm antworten. Dass wir ihm unser Leben anvertrauen dürfen und sprechen können: „Ja, du hältst auch mein Leben in deiner Hand.“

„Zueinander stehen und sich gegenseitig helfen“ haben Sie beim Traugespräch über den Grund für die Wahl Ihres Trauspruches gesagt. Wie wichtig das ist, haben Sie ja auch schon zu dritt erfahren können: der einjährige Sohn sperrt die Mutter auf dem Balkon aus und der Vater hat den Haustürschlüssel vergessen mit zu nehmen. Einer trage des andern Last!

Aber in der Tat: wo Menschen aufeinander zugehen, sich die Hand reichen über Gräben hinweg, wo sie bereit sind, zu helfen um der Hilfe willen, nicht berechnend und auf eigenen Vorteil bedacht, da geschieht etwas von dem Reich Gottes auf dieser Erde. Da blitzt etwas auf von dem Himmelreich, das uns allen versprochen ist. Seine Ehe unter diese Verheißung zu stellen und darauf hoffen zu können, dass wir einst mit Gott selbst ungehindert von allen Trennungen, mit denen wir heute noch zu kämpfen haben, leben und sein dürfen, ist ein wunderbares Bild.

Möge Sie in Ihrer Ehe die Kraft und die Gnade haben, davon ansatzweise etwas abzubilden, aber auch es auszudehnen auf die Gemeinschaft mit anderen Menschen, die Ihnen etwas bedeuten. Sei es in Ihrem Freundeskreis, zusammen mit Ihren Kollegen aus dem Sport, aber auch allgemein mit den Menschen, die Ihnen in ihrem Leben begegnen. „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“

Ich wünsche Ihnen in diesem Sinne, liebes Brautpaar, eine glückliche Ehe, ein erfülltes Miteinander. Und dass Sie darin Ihren Gott loben können und dafür Sorge tragen, dass Sie Ihr Leben immer wieder an jener göttlichen Richtschnur ausrichten können, die Sie sich selbst als Trauspruch gewählt haben.

„Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“

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