Gottes neu.de

Liebe Gemeinde,

es gab eine Zeit, da wurden Verträge geschlossen und meist auch gehalten, es gab eine Zeit, da galt ein Handschlag noch etwas. Es gab eine Zeit, da wurden Kriege erklärt und auch offiziell wieder beendet. Es gab eine Zeit – Gab es wirklich eine solche gute alte Zeit?

Es muss lange her sein, wenn selbst Gott seinen Versuch, Bündnisgenosse seines Volkes zu werden, als gescheitert ansieht. Doch einen Versuch will Gott noch mit seinem Volk, mit den Menschen machen. Dabei hat er sich etwas Besonderes ausgedacht, etwas, was der Verfügbarkeit, der Lust oder Unlust, dem Willen des Menschen entzogen ist. Es ist ein besonderer Datenträger, der das Wort Gott nun zu den Menschen bringen soll. Sein Datenträger ist das Herz, der Sinn, der Geist des Menschen selbst, auf dem Gott seinen guten Willen einschreiben möchte.

Zunächst wird die Zuwendung, die von Gott angesagt wird, diese „neu.de“ Gottes, dem alte Gottesvolk angesagt. Ins Herz und Hirn will Gott ihnen seinen Willen schreiben. Nun ist nicht zu übersehen, die Worte von dem neuen Bund sind im Futur geschrieben – hier wird eine Zukunftsvision gegeben. Hier wird Zukunftsmusik gespielt. Ja, wir begegnen der Idee des neuen Menschen. Diese Idee ist alt und immer wieder neu. Einen neuen Menschen, das wollte die kommunistische Erziehung schaffen – die Resultate sind bekannt. – Und selbst in den Demokratien schwingt immer ein bisschen Utopie mit, wenn man meint, dass man nur die Verhältnisse gut gestalten müsse, um einen guten Menschen zu erzeugen.

Natürlich gibt es noch ganz andere Utopisten – Menschen in den Labors der Welt, die mit der Entschlüsselung des Erbgutes die Perspektive einer Menschenverbesserung in den Raum stelllen – der neue Mensch: heil – gesund – ohne Defekte jeder Art. Umgekehrt gab es schreckliche Versuche, Menschen jenseits der Norm umzuerziehen, wegzusperren, sie für medizinische Experimente zu missbrauchen oder auch zu töten.

Die Schnittmusterbögen für den neuen Menschen, sie werden immer neu entworfen. Nun ist zu fragen, ob es sich beim Propheten Jeremia um einen vergleichbarer Versuch, einen neuen Menschen zu kreieren, handelt. Da ist Gott – da ist das Volk – da ist eine gescheiterte Bundes-Ja, Liebesgeschichte. Da ist das Versprechen der Vergebung und das Angebot Gottes, das Volk, die Menschen in der Weise zu verändern, dass sie zu einem Liebesverhältnis mit ihm fähig werden.

Lasse ich die Worte einfach in mir nachklingen, so höre ich zunächst den freundlichen Ton.

Verlasse ich die Ebene der Vision, klingen die Worte jedoch plötzlich verändert, ja sogar ein bisschen unheimlich. Ist das mein Gott, der seine Menschen ummodelliert, damit die Beziehung endlich klappt?! Ich gebe zu: Mir ist nicht ganz wohl bei diesem Gedanken. Was mir an der Stelle sympatisch bleibt, ist, dass die Belehrungen, mit dem ein Mensch den anderen traktiert, ein Ende haben wird, dass diese Besserwisserei, diese Rechthaberei, mit der ein Mensch dem anderen das Leben schwer macht, dann vorbei ist. Da sind Direktiven von weiter oben, ja von ganz oben, gewiss vorzuziehen. Und wenn ich dann auch noch einsehen kann, wenn ich verstehe und

fühle, dass Gott mich in die richtige Richtung führt, was sollte daran schlecht sein.

Was soll daran nicht richtig sein, wenn Gott mich so führt, dass es mir dient, mir gut tut, mir förderlich ist und anderen auch?!

Nun – wie gesagt – der Text steht im Futur – noch immer ist es ein Zukunftstext – nur für einen Augenblick haben wir den neuen Menschen, wie er von Gott gedacht ist, auf dieser Erde ganz deutlich vor Augen gesehen. Als Jesus diese Welt betrat, da war plötzlich klar, wie der von Jeremia geschaute Mensch wohl sein müsste und Jesus war bekanntlich kein willenloses Gottesgeschöpf. Jedenfalls haben wir nun eine Ahnung von dem neuen Menschen – mit Herz und Hirn verankert in Gottes gutem Willen. Welch Segen, wenn die Menschen des ersten Bundes Gottes und die Menschen aus den Völkern zu solchen Menschen werden könnten.

Nun stehen wir ja vor dem Pfingstfest. Auch damals haben Menschen unterschiedlichster Coleur am eigenen Leib die umgestaltende Kraft Gottes erfahren. Wo der Geist Gottes Mensch ergreift, wo sich Gottes Wille in das Herz und die Gedanken der Menschen schreibt, geschieht Veränderung: Die Sichtweise der Welt verändert sich und das Herz weiß manchmal schon vor dem Kopf: Gott will das Leben, er will das Leben auch um den Preis eines manchmal unbequemen, gegen den Strom laufenden Lebens – So frage ich: Sollten wir uns von diesem Geist nicht auch ergreifen lassen, damit Visionen wie die des Jeremia in dieser Welt Gestalt annehmen können?

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