Seit Ostern ist alles anders

Vor ein paar Wochen, liebe Gemeinde, da betrat ein von Sorgen gequälter, allein stehender wohnungsloser Mann mein Büro und bat um Rat und Hilfe.

Wir unterhielten uns lange. Er berichtete mir über sein früheres Leben, als er noch zu Hause bei seinen Eltern lebte; er berichtete mir von seiner eigenen Familie, von seinen Söhnen und von seinem beruflichen Werdegang. Und er erzählte mir über sein Leben auf der Straße.

Als ich ihn dann schließlich aufforderte, über sein eigentliches Anliegen zu sprechen, weswegen er gekommen sei, da winkte er ab und meinte, dass alles nicht so schlimm sei und dass sich nach diesem Gespräch eigentlich schon alles erledigt hätte.

Von der Reaktion des Hilfesuchenden war ich zunächst überrascht. Aber, liebe Gemeinde, was ich hier erlebt habe, ist eigentlich keine so seltene Erfahrung, die Sie auch bestimmt schon gemacht haben. Wir begegnen einem Menschen und haben das Gefühl angenommen zu sein. Wir können über alles reden und er nimmt mich ernst.

Ich bin keine Null mehr, ich werde akzeptiert, ich darf mich geben, wie ich bin. Was für mich vorher ein Problem war, ist plötzlich auf eine wunderbare Art und Weise gelöst. Wo sich finstere Gefühle angestaut hatten, da kehrt Frieden ein. Und hat uns etwa jemand übel mitgespielt, so haben wir plötzlich das Bedürfnis dem Übeltäter zu verzeihen.

So, liebe Gemeinde, und noch viel tiefer gehend, ist, so denke ich, unsere Begegnung mit Jesus Christus, zu dem eine jede und ein jeder von uns durch die Taufe berufen ist.

Wer von uns auf den auferstandenen Jesus Christus getauft ist, braucht nicht mehr ängstlich zurückschauen. Die Macht der Sünde ist begraben, sie ist abgewaschen in der Taufe.

Seit Jesu Auferstehung gilt eine neue Wertstellung. Nicht Vergeltung, sondern Vergebung; nicht Hass gegen Hass, nicht Tod, sondern Leben. Es gilt das Leben des Auferstandenen. Ein Grund unserer Hoffnung und ebenso ein Grund der Taufe, das Leben für uns.

Unsere Taufe, liebe Gemeinde, zieht uns im wahrsten Sinne des Wortes vom Tod ins Leben mit. In Jesu Auferstehung werden wir mit eingeschlossen, auch wir dürfen leben. Ja, unsere Auferstehung hat mit unserer Taufe begonnen und sie wird spürbar in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen.

Die Todesherrschaft, sie hat ein Ende. Die Auferstehung Jesu Christi hat sie durchbrochen. Nun müssen wir keine Angst mehr haben, was aus uns wird, wenn wir gestorben sind. Gott, der im Kreuz und in der Auferstehung Jesu die Macht des Todes aus den Angeln gehoben hat, bei dem sind auch wir dann gut aufgehoben.

[TEXT]

Seit Ostern, liebe Gemeinde, ist alles anders. Gott hat den Schuldschein, der uns mit seinen Forderungen schwer belastete, eingelöst und für immer vernichtet, indem er ihn ans Kreuz nagelte.

Ja, seit Ostern ist alles anders. Gott hat euch mit Jesus Christus lebendig gemacht. Jesus, der ins Grab gelegt wurde, und der, der auferstand, ist derselbe und doch nicht mehr derselbe, denn er trägt nun einen verklärten Leib.

Seit Ostern ist alles anders, so sind wir, die wir auf den Namen Jesu Christi getauft sind, im Glauben an den Auferstandenen zwar dieselben Personen, aber nicht mehr dieselben Menschen, die wir vorher waren. Wir haben Leben und Geist aus Gott bekommen, um so Tag für Tag in diesem Geiste zu leben.

Aus dieser Freiheit Gottes, liebe Gemeinde, leben wir, die er durch Jesus Christus für uns vollbracht hat. An dieses Geheimnis werden wir an jedem Osterfest und ebenso in jedem Taufgottesdienst erinnert.

Seine Liebe zu uns ist unermesslich groß. Seit unserer Taufe ereignet sich die Begegnung mit Gott immer wieder neu, tief in unserer Seele, die uns lebendig macht.

Ihr verdanken wir unseren Lebenssinn. In dieser Begegnung mit Gott erhalten wir die Kraft, um immer wieder neu aufzustehen, wenn wir gesündigt haben.

Der Apostel Paulus lädt uns ein, dieses Geheimnis, welches uns frei und lebendig macht, Jesus Christus, wieder in uns eindringen zu lassen. Mit Ostern hat sich alles verändert. Die Auferstehung hat begonnen und sie zeigt ihre Wirkung in uns und unter einander. Und wenn wir morgen wieder ins Alltagsgeschehen zurückkehren, dann lasst uns es nicht vergessen, dass Gott seine Hand auf uns gelegt hat.

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