Umkehrung der Werte

Der Herr ist auferstanden – das ist ein dogmatischer Satz – oder ein Satz für mich. Ein Satz der bedeutet: da ist nicht irgendwann irgendwas geschehen, sondern da geschieht etwas heute für mich. Da spricht der Herr über Leben und Tod sein entscheidendes Wort – auch für mich. Da wird die Herrschaft des Todes über das Leben beendet – für mich.

Die Herrschaft des Todes ist mehr als nur die Tatsache, dass unser irdisches Leben irgendwann zu Ende ist. Herrschaft des Todes heißt, dass es immer wieder Momente im Leben gibt, wo wir zu Tode betrübt sind, wo wir keine Zukunft, kein Licht am Ende des Tunnels mehr sehen können. Dass wir immer wieder an grenzen stoßen unseres Lebens unserer Beziehungen, unserer Gesundheit. Grenzen, die Leben kaputt machen können.

Das Alte Testament berichtet von einer Frau mit Namen Hanna, der es so ging. Sie konnte keine Kinder bekommen. Das war nach damaligen Erwartungen eine Katastrophe. Sie war keine Frau, keine Ehefrau in vollem Sinne. Sie war behindert in ihrem Leben und voller Verzweiflung. Sie war Opfer von Spott und Beleidigungen. So betet sie zu Gott und ihr Gebet wird erhöht. Aus Dankbarkeit singt sie ein österliches Lied, das von ihrer Auferstehung erzählt:

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Mein Herz ist fröhlich, mein Haupt ist erhöht = ich muss nicht mehr mit gesenktem kopf da stehen – das ist Auferstehung! Hier singt eine Frau, die die Auferstehung erfahren hat, die Nähe des Gottes, der das Leben will und der die Menschen beschenken will. Aber dieser Gott ist nicht einfach der liebe Gott, weil er auch zerstört alles, was dem Leben entgegen gewandt ist. Er zerstört Isoaltion und den Hochmut derer, die andere isolieren.

Wen wir dieses Bild von Beate Heinen ansehen: Ostern – Neue Schöpfung, dan kommen uns vielleicht ein paar Gedanken:

Aus dem Dunkel des Kreuzes entsteht eine neue Schöpfung. Jesus entsteigt einer aufspringenden Knospe (Lied: Alle Knospen … siehe unten) hinein in die Sonne.

Die Stimmung links unten ist eher depressiv, während rechts oben Licht und Jubel vorherrscht. -> Osterjubel

Das Gesicht Jesu ist der Sonne zugewandt.

Das Kreuz wirkt groß (zu groß) und bleibt doch unscheinbar im Hintergrund.

Die Freude steht im Vordergrund. -> der Auferstandene!

Jesus ist nackt, wie Adam und Eva in der Schöpfungsgeschichte, bevor sie von der Frucht vom ‚verbotenen Baum’ gegessen haben.

Jesus ist gesichtslos – wir selber dürfen uns hier eintragen. Wir selber erfahren die Auferstehung, wenn wir seine Auferstehung sehen.

Das Bild erinnert an einen Tunnel, wie er in Nah-Tod-Erfahrungen öfter beschrieben wird. Der Tunnel hat ein licht an seinem Ende.

Am Anfang steht die Resignation bei Hanna, wie bei den Jüngern: man fühlt sich auf sich selbst zurückgeworfen, sieht kein Licht am Ende des Tunnels. Auferstehung ist der Sieg des Lebens über den Tod (auch den mitten im Leben). Das Lied der Hanna erzählt von den Erfahrungen einer Frau, die von ihren Erfahrungen völlig überwältigt ist. Sie singt von ihrem ganz persönlichen Heil, so wie es nur Ostern werden kann, wenn wir unser ganz persönliches Heil erkennen und davon singen.

Die Ostergeschichte aus dem Markusevangelium erzählt von ähnlichen Erfahrungen: Wer wälzt uns den Stein vom Grabe?, wer wälzt uns den Stein weg von unserer Seele, wer macht uns frei zum Ziel zu kommen, zu unserem Herrn Jesus Christus?

Ostern ist für Hanna wie für die Frauen aus unserem Evangelium die Umkehr der Werte. Es ist wohl typisch, dass Frauen im Mittelpunkt beider Geschichten stehen, Frauen in einer Epoche, in der zum Wesen der Frau das Dienen, die Unterwürfigkeit gehört. In solchen Zeiten erfahren Frauen die Befreiung, die jeweils ganz anders aussieht. Im Fall der Hanna ist es eine Frau, die sich persönlich entlastet und beschenkt fühlt. Sie erlebt Auferstehung als ein geschehen, dass sie selbst ganz persönlich meint. Das ihr Leben verändert.

Im Fall der drei Frauen am Grab ist es das auch und doch noch mehr. Sie werden zum Motor der Männer, die resigniert im Haus sitzen. Und sie selbst werden mit dem Auferstandenen ans Licht gezogen. Sie steigen auf zu Zeuginnen der Auferstehung und machen mit dieser Botschaft neues Leben möglich – geschenktes Leben aus dem auferstandene Herrn – für uns.

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