Du kommst da durch

Lesen: 1.Sam 1,2-19

Liebe Gemeinde,

das ist ja überhaupt kein Ostertext. Erstens stammt er aus dem Alten Testament und Zweitens kommt doch von Auferstehung gar nichts vor. Und trotzdem passt er gut zu Ostern. Weil er uns etwas von Ostern erklärt.

Die Geschichte beginnt mit einem großen Elend. Da ist eine Frau, Hanna mit Namen, die unfruchtbar ist. Sie bekommt keine Kinder. Das war damals schlimm und ist auch heute schlimm. Dazu kam, dass nach religiöser Auffassung Kinder ein Zeichen von Segen sind und wer keine bekam, war demnach von Gott verstoßen. So ging es dieser Hanna. Dazu kam noch, dass ihr Mann eine zweite Frau hatte, was ja damals ganz normal war und diese zweite Frau bekam Kinder und verspottete die Hanna ständig. Hanna war wie tot, keine Anerkennung in der Gesellschaft, keine Anerkennung bei Gott und dann noch den Spott zweiten Frau.

Aber Hanna kannte Gott. Und sie ging in den Tempel und machte etwas, was ungewöhnlich war. Sie warf sich einfach hin und betete in der Stille. Sie hatte einfach nicht mehr die Worte zu den üblichen Gebeten. Sie war einfach fertig. So fertig, dass der Priester dachte, die wäre betrunken und wollte sie nach Hause schicken. Schlaf deinen Rausch erst mal aus. „Denk nicht so schlecht von mir! Ich habe großen Kummer, ich bin ganz verzweifelt. Deshalb habe ich hier so lange gebetet.“

Da merkt der Priester, dass hier ein Mensch steht, der wirklich unten ist. Das kennen wir ja auch – da verhält sich jemand ungewohnt und wir kommen auf alle möglichen Ideen und dabei ist er ganz am Boden.

Ja und dann passiert es: Hanna wird schwanger. Sie ist selber wie neugeboren, als sie ihr Kind in der Hand hält. Und für sie ist es klar: Gott hat mein Gebet gehört. Gott zeigt mir, dass er mich nicht verstoßen hat und lässt mich als Mensch wieder aufstehen.

[TEXT]

Das ist das Gebet der Hanna. Eigentlich war ihre Geschichte ganz unbedeutend und kommt immer wieder in der Welt vor. Aber die Menschen der Bibel haben sie aufgeschrieben. Weil sie gemerkt haben, was die Hanna erlebt hat, das können Menschen immer wieder erleben. Den Wechsel vom Tod zum Leben.

Und darum ist es ein schöner Ostertext. Und er sagt uns: Es geht nicht nur um die Auferstehung nach dem leiblichen Tod, es geht nicht nur um die Hoffnung im Sterben, es geht um das Aufstehen und Weitergehen, wenn wir am Boden sind. Wenn wir sagen: ich fühle mich wie tot. Und da könnte uns allerhand einfallen. Was wir vielleicht selbst schon erfahren haben, was wir von anderen hören, wovor wir Angst haben. Denn auch Menschen, die mit Gott leben, können Schlimmes erleben. Unser Glaube ist keine Versicherung, dass uns nichts widerfährt. Und manchmal erleben wir das und erschrecken. Warum muss das mir passieren. Womit habe ich das verdient. Warum haben es andere viel besser? Diese Hanna ist sogar ausgelacht worden, weil es ihr schlecht ging. Mir ist, als wäre ich tot. Manchmal können uns dann nicht mal Menschen trösten. Und da gibt es diesen Weg. Den Weg zu einem Gespräch mit Gott. Und an Hanna wird deutlich, da gibt es dann keine Vorschrift mehr, da ist es egal, wie man Gott anredet und ob man richtig beten kann und ob man am Ende Amen sagt. Da spricht dann einfach das Herz und das ist dann auch gut. Und Hannas Herz hat Gott erreicht. Und Gott hat sich Hannas Not zu Herzen genommen. Nun kann sie singen. Und ihr Lied ist ein Osterlied, auch wenn ihre Geschichte 1000 Jahre vor Ostern spielt und auch wenn unsere Geschichte 2000 Jahre nach Ostern spielt. Gott ruft aus dem Tod ins Leben zurück. Aus den ausweglosen Situationen, aus kaum lösbaren Konflikten, wenn wir am Boden sind. Die Bibel sagt: wer zu Gott kommt, der kann auf Hilfe hoffen.

Diese Geschichte aus dem Alten Testament ist sozusagen eine Erklärungsgeschichte, was mit Ostern gemeint ist. Denn vielleicht fragt da mancher auch: na gut, Auferstehung von Jesus, leeres Grab oder kein leeres Grab, wer weiß, was da damals war, wie soll ich glauben, was bringt mir das? Und an dieser Hanna wird deutlich, was es bringt. Nämlich, dass Gott lebendig macht. So was nennt man Auferstehung. An Jesus wird deutlich, wie groß die Kraft ist, die Gott dabei hat. Sogar der Tod muss vor Jesus kapitulieren. Selbst das Allerschlimmste, wo uns nichts mehr helfen und halten kann, ist besiegt. Das sagt Ostern. Und wenn das so ist, dann geht das auch mit allem anderen Schlimmen. Immer dann, wenn wir sagen: es geht nicht mehr weiter. Und da sagt Ostern: du kommst da durch, Gott kann das. Rede mit ihm.

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