Das, was die Menschen brauchen

Liebe Gemeinde,

wir haben den Einzug des Lichtes in unsere Kirche gesehen und wir haben mit den eigenen Händen Lichter empfangen und verteilt, als Zeichen, dass Christus – das Licht der Welt – in unserem Leben aufgegangen ist.

Alle Lesungen, alle Symbole: Licht und Wasser, Brot und Wein – deuten auf den einen hin, der uns befreit hat von der Macht des Todes. Jesus Christus ist wahrhaftig auferstanden!

Und so finden wir das Predigtwort für die heutige Osternacht im ersten Brief an die Thessalonicher im vierten Kapitel, die Verse 13 und 14:

[TEXT]

„Damit ihr nicht traurig seid“, liebe Gemeinde – „traurig sein, wie die, die keine Hoffnung haben“ – das brauchen wir Christen nicht. Wer Leid im Leben erfährt, dunkle Stunden, wie wir sie sinnbildlich die letzten Tage bedacht haben, der weiß wie wichtig eine lebendige Hoffnung, ein Ziel, das den Menschen den Weg für ihr Leben weisen kann. Unsere kleinen Osterkerzen in unseren Händen, aber natürlich auch die große Osterkerze, die uns in den Gottesdiensten begleiten wird, können eine Hilfe sein dabei, sich zu erinnern, dass Jesus unser Licht im Leben und im Sterben sein möchte. Wir können die Kerzen vorholen, wenn wir traurig sind – wir können uns anrühren lassen von Brot und Wein, dem Abendmahl, wie wir es gleich feiern werden, wir können Trost suchen in der Heiligen Schrift und in den Liedern, von denen wir heute auch schon einige gesungen haben. Überall wird uns die Hand gereicht und wir werden eingeladen, zu glauben, zu vertrauen, dass Gott bei uns ist, uns hält, und begleitet und uns den Weg zeigen wird, den wir zu gehen haben.

Unser Predigtwort macht es an dem Beispiel des Sterbens fest: wer eine Hoffnung in Christus hat, der darf gewiss sein, dass der Tod nicht mehr das letzte Wort behält. Der darf gewiss sein, dass auch sein eigener Tod nicht das Ende seiner Existenz ist. Gott erinnert sich an jeden von uns – unsere Namen sind in sein Buch des Lebens eingeschrieben. Auf uns wartet ein neuer Himmel und eine neue Erde.

Liebe Gemeinde, wenn ihr nachher die Kirche verlasst und wieder in die Welt tretet, dann seid gewiss, dass ihr diese Hoffnung des Lichtes weitergeben dürft in eurem Leben, in eurem Sein. An euch soll die Welt spüren, dass der Glaube an den Auferstandenen kein leeres Gerede ist, sondern dass der Glaube wahrhaft Menschen verändern kann.

Ich möchte euch dazu eine kleine Geschichte aus den Philippinen mitgeben:„Ein König hatte zwei Söhne. Als er alt wurde, da wollte er einen der beiden zu seinem Nachfolger bestellen. Er versammelte die Weisen seines Landes und rief seine beiden Söhne herbei. Er gab jedem der beiden fünf Silberstücke und sagte: "Ihr sollt für dieses Geld die Halle in unserem Schloss bis zum Abend füllen. Womit, das ist eure Sache." Die Weisen sagten: "Das ist eine gute Aufgabe."

Der ältere Sohn ging davon und kam an einem Feld vorbei, wo die Arbeiter dabei waren, das Zuckerrohr zu ernten und in einer Mühle auszupressen. Das ausgepresste Zuckerrohr lag nutzlos umher. Er dachte sich: "Das ist eine gute Gelegenheit, mit diesem nutzlosen Zeug die Halle meines Vaters zu füllen." Mit dem Aufseher der Arbeiter wurde er einig, und sie schafften bis zum späten Nachmittag das ausgedroschene Zuckerrohr in die Halle. Als sie gefüllt war, ging er zu seinem Vater und sagte: "Ich habe deine Aufgabe erfüllt. Auf meinen Bruder brauchst du nicht mehr zu warten. Mach mich zu deinem Nachfolger." Der Vater antwortete: "Es ist noch nicht Abend. Ich werde warten."

Bald darauf kam auch der jüngere Sohn. Er bat darum, das ausgedroschene Zuckerrohr wieder aus der Halle zu entfernen. So geschah es. Dann stellte er mitten in die Halle eine Kerze und zündete sie an. Ihr Schein füllte die Halle bis in die letzte Ecke hinein.

Der Vater sagte: "Du sollst mein Nachfolger sein. Dein Bruder hat fünf Silberstücke ausgegeben, um die Halle mit nutzlosem Zeug zu füllen. Du hast nicht einmal ein Silberstück gebraucht und hast sie mit Licht erfüllt. Du hast sie mit dem gefüllt, was die Menschen brauchen."

So will Gottes Licht in uns wirken: wir haben es ohne Gegenleistung bekommen und doch ist es mehr wert, als alles, was wir kaufen könnten: es ist das, was die Menschen brauchen. Und man selber? Die Geschichte weiß es: man selber wird über dies Tun ein König.

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