Nachfolge im Glauben

Nur noch wenige Tage sind es bis zum Passahfest. Aus Anlass dieses hohen Festes strömen weit über hunderttausend Pilger in die Heilige Stadt.

Auch Jesus und seine Jünger sind auf dem Weg nach Jerusalem. Pilger aus Gäliläa kennen diese kleine Gruppe und sie jubeln Jesus mit Palmzweigen zu. Alles Menschen, die Zeugen seiner Verkündigung und Wunder waren.

Ja, anders als sonst vollzieht sich Jesu Einzug nach Jerusalem, nicht in aller Stille, sondern unter lautem Jubel des Volkes, dessen Führer bereits seine Hinrichtung geplant und vorbereitet hatten.

Noch heute erinnert der Name des heutigen Sonntag an den Einzug Jesu in Jerusalem.

In anbetracht der Tatsache, was nun alles auf Jesus zukommt, denn über seinen Leidensweg hatte er ja oft mit seinen Jüngern gesprochen, frage ich mich, was er wohl bei all dem Jubel und Trubel auf dem Weg nach Jerusalem so gedacht hat.

Jesus, der sehr gut das Gesetz und ebenso die Propheten kannte, denn oft genug hatte er die Schriften bei seinen Predigten und Streitgesprächen zitiert, was mag er wohl bei all dem Jubel und Trubel auf dem Weg nach Jerusalem so gedacht haben?

Vielleicht erinnerte er sich der Worte des Propheten Jesaja, welche auch Gegenstand unseres heutigen Predigtextes sind.

[TEXT]

Dieser Text mag uns helfen, uns auf die kommende Woche und ebenso auf Karfreitag hin, einzustimmen. Auch Jesu Jünger haben versucht mit solchen Bibeltexten, das, was da am Ende mit Jesus Christus geschehen ist, zu verstehen.

Wer Jesus Christus nachfolgen will, liebe Gemeinde, der kommt am Kreuz nicht vorbei. Bereits die Glaubenszeugen des alten Bundes, die den Gehorsam zu Gott bereits bezeugt haben, kommen im übertragenen Sinne an diesem Kreuz auch nicht vorbei. Jesus ist integriert in die Reihe der Zeugen Gottes und der Propheten.

Und so lässt sich nach unserem Verständnis von den Propheten über Jesus Christus bis in unsere Tage hinein einen Bogen spannen und wir werden erkennen, dass Nachfolge im Glauben nur dann möglich ist, wenn wir das Kreuz annehmen und bejahen.

Nachfolge im Glauben soll aber nicht heißen, dass wir nun ständig Leid ertragen müssen. Nein, liebe Gemeinde, es heißt, dass wir Gottes Wort hören und dadurch Trost erfahren und die Botschaft des Trostes weitergeben an unsere Nächste und unseren Nächsten und dadurch den Mut zum Glauben wecken und so Gottes Beistand erfahren dürfen.

Gottes Wort hören, aufmerksam auf ihn hören ist für uns keine Selbstverständlichkeit. Die vielen Worte, die auf uns täglich so einstürmen, am liebsten würden wir unsere Ohren mit Ohropax verschließen, um uns so zu vor den vielen überflüssigen Worten zu schützen. Aber was ist, wenn wir etwas überhören?

Richtig hören ist, so denke ich, eine Kunst. Gottes Wort richtig hören ist eine noch viel größere Kunst. Und diesem Wort auch noch zu gehorchen, das ist wohl die schwerste Kunst.

Gott hat es nicht leicht mit uns, uns das richtige Hören zu vermitteln. So kann ich mir schon lebhaft vorstellen, wie Gott uns erlebt, wenn wir anfangen ihm zu zuhören. Wir sind voller Widersprüche und versuchen sein Wort zu hinterfragen. ─ Ja, aber… ─ Was verbirgt sich hinter diesem „aber“?

Ist es nicht unsere Starrköpfigkeit, unser trotziges und stolzes Ich? Wir sind nicht geneigt den Willen Gottes anzunehmen und lehnen uns gegen ihn auf. Mit allen Tricks versuchen wir seinen Willen zu unterwandern und merken nicht, wie wir Gott im Wege stehen. Wir merken es nicht einmal, wie viel Arbeit und Mühe es Gott macht uns jeden Morgen aufwachen zu lassen und in uns das Verlangen zu wecken, auf ihn zu hören.

Jesus Christus, liebe Gemeinde, war ganz Ohr für den Auftrag seines Vaters. Er hat seinen Leidensweg im Gehorsam auf sich genommen. Wobei Gehorsam nicht bedenkenlose Hörigkeit bedeutet.

In diesem Menschen, Jesus Christus, wurde der unsichtbare Gott sichtbar und erkennbar. Und die, die auf ihn hören, werden den Weg zum Vater finden. Vielleicht hören wir in dieser Woche, doch ganz besonders am Karfreitag, wenn wir uns dem Geschehen der Kreuzigung Jesu stellen, mehr von seinem Leiden.

Das Leiden in dieser Welt ist mit Jesu Leiden noch lange nicht erklärt. Für uns bleiben viele Fragen angesichts des unbeschreiblichen Leidens und Sterbens in unseren Tagen offen. Wo ist Gott angesichts der grauenvolle Leiden unserer Zeit erkennbar? Können wir von Gott sagen, dass er uns durch seinen Sohn Jesus Christus angenommen hat und er deshalb als Liebe zu verstehen ist?

Vom Leidensweg Jesu geht für alle, die in dieser Welt geschlagen werden oder Leid auf sich nehmen, Hilfe und Stärkung aus. Die auf ihn richtig hören und seinem Wort gehorchen, die lässt Gott nicht im Stich. Können wir das auch für uns in Anspruch nehmen, dass wir richtig und ebenso intensiv auf Gott hören und ihm auch gehorchen?

Die Beantwortung dieser Frage fällt uns schwer. Auch wir drohen im Glauben zu ermüden, wenn wir in der Nachfolge Jesu auf Widerstand stoßen und Anfeindungen ausgesetzt sind. Wenn es uns gut geht, dann kann es passieren, dass wir im Glauben müde werden.

Deshalb, liebe Gemeinde, sollten wir von Gott erbitten, dass er uns Müden das Ohr öffnet und uns bereit macht, auf ihn zu hören, ehe unser Glauben ganz eingeschlafen ist.

So lassen Sie uns mit noch mehr Fragen als Antworten die Karwoche beginnen und den Weg Jesu in den Tod am Kreuz und dann seine Auferstehung bedenken.

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