Heil in der Heillosigkeit

<i>[Teile der Predigt sind entnommen aus: <a href="http://www.e-pistel.de" target="_blank">e-pistel</a> – die neue Form der Predigtvorbereitung!]</i>

Liebe Gemeinde!

I. Was diese Geschichte bedeuten könnte?

Eine merkwürdige Geschichte ist das, was uns die Katechumenen eben vorgetragen haben. Auf der einen Seite dieses geknechtete Volk Israel, das lange Zeit unter den Sklaventreibern gelitten hat und sich doch immer wieder gegen den wendet, dem es die Erlösung aus der Knechtschaft zu verdanken hat. Und sie haben auch gute Gründe dafür. Tagaus tagein die ein und dieselbe Speise. Wachteln und Manna. Stellen Sie sich doch nur einen Augenblick vor: Auf Ihren Tisch käme nur noch Brombeermarmelade ohne Brot und ein Stück Hähnchen ohne Pommes frites und Ketchup. Wie lange würden Sie das durchhalten? Eine Woche? Einen Monat? Ein Jahr? Wann wäre Ihre Schmerzgrenze erreicht? Ich denke sehr schnell. Schneller auf jeden Fall, als Sie und ich es uns jetzt eingestehen wollen. Und was würden Sie dann tun? Als Mann die Frau, als Kinder die Mutter zur Rede stellen: Was soll denn das? Kannst Du nicht mal was anderes auf den Tisch bringen? Ihren Ärger auf jeden Fall freien Lauf lassen. Vielleicht käme ein pfiffiger Mensch auf die Idee, seiner Frau einen Kochkurs bei der VHS zu schenken, in der stillen Hoffnung, sie würde dann neue Anregungen für den alltäglichen Speiseplan erhalten. So oder so, eins ist sicher: Wir wären die einseitige Ernährung sehr schnell überdrüssig. Da gleichen wir den Israeliten in der Wüste. Sie meutern: „Warum hast du uns aus Ägypten geführt, dass wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brot noch Wasser hier, und uns ekelt vor dieser mageren Speise.“

Eine merkwürdige Geschichte ist das. Auch von der anderen Seite betrachtet: Gott JHWH, der sich erbarmen und sich das Geschrei seines Volkes zu Herzen gehen lässt, der alles getan hat, um die Menschen aus der unmenschlichen Situation der Sklaverei zu befreien, reagiert mit aller Härte auf diese Kritik. Er schickt Schlangen mit tödlichem Biss. Ein Katechumene schrieb dazu: „Warum muss Gott so hart strafen? Warum redet er nicht erst mit den Menschen? Warum erläutert er nicht, weshalb sie weiter durch die Wüste ziehen sollen?“

Eine merkwürdige Geschichte ist das. Ganz egal, wie man das Auftauchen der Schlangen versteht – die Menschen fühlen, ihr Leben ist bedroht. All die Ängste, die sie bis hierher aushalten mussten, verdichten sich in diesem Biss, der den Tod bringt. Lag die in Aussicht gestellte Zukunft bis dahin noch in weiter Ferne, bricht sie nun wie ein Kartenhaus vollkommen in sich zusammen. Wer in der Wüste stirbt, kann das gelobte Land nicht mehr betreten. Doch JHWH erweist sich wieder einmal als Gott des Lebens. Nicht, indem er die Gefahr einfach beseitigt. Sondern indem er ihr ihre Lebensbedrohlichkeit nimmt. Die eherne Schlange bewahrt ja nicht vor dem Biss. Doch wer gebissen wird und sie anschaut, stirbt nicht mehr daran.

Im kirchlichen Unterricht haben wir uns die Frage nach Gott gestellt: Wer ist er? Wie begegnet er den Menschen in der Bibel. Die Ergebnisse wollen sie nun vortragen:

II. Gottesbilder

Gott ist wie …

– ein Hirte, der behütet

– ein Arzt, der gesund macht und erhält

– ein Freund, mit dem man reden kann

– ein Richter, der für Gerechtigkeit sorgt

– ein Vater, der zuhören kann

– eine Sonne, die wärmt

– eine Burg, die schützt

– eine Quelle, die Wasser gibt

– ein Fels, auf dem man stehen kann

– ein Licht, das erhellt

<i>[Bilder werden vorgestellt, erklärt und dann an der Seitenwand aufgehängt.]</i>

III. Gott schenkt und erhält Leben

Die Katechumenen haben sehr schön zusammengetragen, wie vielseitig Gott gesehen wird und haben erklärt, warum ihnen persönlich dieses Gottesbild wichtig ist. Und ich möchte es auch tun, indem ich nochmals das Bild der Schlange aufgreife.

Daran ist merkenswert: 1. „Der liebe Gott ist kein Kuscheltier“ (E. von Wedel) Wir haben eine starke Sehnsucht nach Harmonie. Darum suchen wir oft nach einem Gott, der uns bestätigt. Darum suchen wir einen Gott, der unsere Wünsche erfüllt, aber nicht infrage stellt. Doch diese Geschichte lehrt uns, dass Menschen durch die Wüstenzeit ihres Lebens verunsichert, bedroht, ihren Glauben an Gott nicht verloren haben. Ja, dass sie ihn anklagen und bestürmen, denn sie wissen: Gott hält sein Versprechen.

Daran ist merkenswert: 2. „Alles kann Gott, nur eines nicht, die enttäuschen, die ihm vertrauen.“ (E. Moderson) Wir wenden uns sehr schnell ab, wenn wir enttäuscht sind. Dann kehren wir den Menschen oder Gott den Rücken: „Das hat alles keinen Zweck!, sagen wir dann. Doch diese Geschichte lehrt uns, dass wir von Gott nicht immer Wunder erwarten sollten, die unsere Probleme mit einem Fingerschnippen aus dem Weg räumen. Mancher Kelch geht eben nicht an uns vorüber, so sehr wir uns das auch wünschen.

Vielmehr weiß der Glaube: „Wenn alles bricht, Gott verlässt uns nicht; größer als der Helfer ist die Not ja nicht.“ (Harre meine Seele, 2.Vers) Und für uns gründet dieser Glaube in Jesus Christus, der von sich selbst sagt: „Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ (Joh.3,14-15)

Daran ist merkenswert: 3. Es gibt Heil in der Heillosigkeit. Dafür steht die Schlange als Sinnbild der Gefahr und der Rettung zugleich. Und das zieht sich wie ein roter Faden durch alle Geschichten der Bibel. Das haben auch die verschiedenen Gottesbilder, die die Katechumenen eben vorgestellt haben, gemeinsam: Gott hilft. Von Johann Albrecht Bengel stammt das nachdenkenswerte Wort: „Gott hilft uns nicht immer am Leid vorbei, aber er hilft uns durch.“

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