Okuli mei

Liebe Gemeinde,

der heutige 3. Sonntag der Passionszeit heißt Okuli, zu Deutsch: "Augen". ─ „Okuli mei“, „meine Augen“, heißt es im Psalm 25, 15, „meine Augen schauen stets auf den Herrn“. Ja, auf den Herrn, auf Jesus Christus schauen bedeutet, dass wir noch einmal aufmerksam seine Botschaft in uns aufnehmen und auf ihn schauen sollen. Dies gilt nicht nur, so wie es im Psalm 25 gesagt wurde, nein, es gilt auch im Hinblick auf Karfreitag – und Ostern.

Der Apostel Petrus teilt uns hierzu in seinem 1. Brief an Christen, die die ersten Verfolgungen im römischen Reich erlebt haben, einige Gedanken mit.

[TEXT]

Klarer und deutlicher können wir es wohl kaum formulieren. Was Gott getan hat, das hat er unsertwegen getan. Die Versöhnung zwischen Gott und uns Menschen geschieht durch die Hingabe Jesu Christi, durch sein Wirken, durch seinen Tod am Kreuz und durch seine Auferstehung am dritten Tage.

Um uns gnädig sein zu können hat Gott seinen Sohn am Kreuz für uns sterben lassen und von den Toten auferstehen lassen. Ihn hatte Gott schon zu diesem Opfer bestimmt, bevor er die Welt schuf. Jetzt aber, am Ende der Zeit, hat er ihn euretwegen in die Welt gesandt.

Weil Jesus sich bis zu seinem Tod am Kreuz sich nicht von Gott abgewandt hatte, sondern die Liebe und das Vertrauen zu Gott in seinem furchtbaren Sterben durchgehalten hat, deshalb hat er auch die Macht und ebenso die Gewalt der Sünde durch seinen Tod überwunden.

Weil Jesus sich bis zu seinem Tod am Kreuz sich nicht von Gott abgewandt hatte, dadurch hat er uns befreit und erlöst. Und deshalb gehören wir zu Gott mit unserem ganzen, missratenen Leben. Das, liebe Gemeinde, ist das letzte Ziel, der letzte Sinn des Leben und Sterben Jesu.

So kommt das Wirken Jesu zu guter Letzt als Glaube und Hoffnung bei uns an. Unser Glaube soll ein Glaube sein, der uns ins Leben führt und unser Leben bestimmt. Unser Glaube soll aber auch ein Glaube sein, der zur Hoffnung führt. Ja, liebe Gemeinde, wir dürfen Glaube und Hoffnung zu Gott haben, der alle Christen dieser Erde miteinander verbindet.

Durch Jesus Christus sind wir zum Glauben an Gott gekommen. Er hat unserem Leben einen Sinn gegeben. Unser Wissen, dass Gott bereit war um seiner Gnade Willen diesen hohen Preis für uns zu zahlen, dass verpflichtet.

Sind wir nicht wie Sklaven in einer besinnungslosen Jagd nach allem, was das Leben bietet, mitgerannt, wie es schon unsere Väter und Großväter taten?

Was brauchen wir, was belastet uns, was hindert uns daran auf seinen Weg und in seine Nachfolge zu kommen? Wird vielleicht von uns Umkehr gefordert? Wird von uns vielleicht auch das Loslassen von Dingen, die uns festhalten und am Gehen hindern, gefordert?

Wenn wir wirklich Christen sein wollen und von dieser Gnade leben wollen, dann können wir nicht so weiterleben, wie bisher. Wir müssen neue, andere Menschen werden. Wir müssen anders als vorher werden und anders als die Umwelt, die uns vorher bestimmt hatte. Das ist, so denke ich eine Frage des Gehorsams.

Für uns, liebe Gemeinde, gibt es jetzt neue Maßstäbe für unser Leben, die wir durch Jesus Christus geheiligt sind. An diesen neuen Maßstäben müssen wir unser eigenes Leben und das unserer Nächsten messen. Nach diesen Maßstäben wird Gott unser gelebtes Leben am Ende beurteilen.

Ob diese Maßstäbe für uns Gültigkeit gehabt haben, zeigt sich daran, ob wir zur Liebe unserer Nächsten und unseres Nächsten bereit gewesen sind. Hier bewirkt die Gnade Gottes durch Jesus Christus das Größte in uns.

Jesus hat es uns vorgelebt, was es heißt, dem Leben einen Sinn zu geben. Sein ganzes Leben hat er auf uns Menschen ausgerichtet. Als Person hat er sich in den Hintergrund gestellt und immer betont, dass Gott es ist, in dessen Auftrag er wirkt. Und er ist seinen Weg konsequent zu Ende gegangen. Dieses Ende war aber nicht am Kreuz, sondern an Ostern.

Okuli mei, meine Augen schauen stets auf den Herrn. Wenn die letzte Stunde der Welt kommen wird, werdet ihr ihn sehen. Und weil er hier war, seid ihr zum Glauben an Gott gekommen. Weil er ihn aus dem Tod lebendig gemacht hat und ihm die himmlische Herrlichkeit gegeben hat, habt ihr selbst eine Hoffnung und ein Ziel.

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