Leben kommt nicht von selbst

Als Mitarbeiter eines Krankenhauses in Kenia davon hörten, dass auch in Deutschland arme Menschen um Lebensmittel anstehen müssen, entschlossen sie sich zu helfen. Heute kommt in Berlin eine Kaffee- und Teespende für Hartz-IV-Empfänger an. Kenianer sammeln jetzt für Deutsche. Im Diakonieladen in der Berliner Rubensstraße, Stadtteil Schöneberg, wird demnächst Kaffee und Tee an Hartz-IV-Empfänger ausgeteilt – gespendet von Mitarbeitern eines muslimischen Krankenhaus in Malindi, Kenia.

Quizfrage an Sie alle – wahr oder unwahr?

Die Geschichte ist wahr. Sie ist erschreckend wahr. Die Menschen in Kenia haben durch einen persönlichen Kontakt erfahren, dass in Deutschland Menschen nach Essen anstehen müssen und wollen ein Zeichen setzen. Das reiche Deutschland bekommt Kaffeepakete aus dem armen Afrika. So kann man es im "Spiegel" nachlesen. Was ist daran erschreckend? Dass wir nicht in der Lage sind, ein Land zu gestalten, in dem keiner hungern und frieren muß. Was sind wir für ein Land geworden? Gewalt auf Schulhöfen, Angst vor Neonazis, Drogen hinterm Steuer, Sportskandale, der ganze Betrug mit der Geflügelpest, die so alt ist wie die Menschheit selber, ein Gesundheitswesen, das in die Knie geht, obwohl es technisch auf dem Höchststand ist, junge Menschen, die sich für nichts mehr interessieren und in der 10 Klasse ein Handschrift haben wie ein Erstklässler, man kann aufzählen und aufzählen und kaum fertig werden. Was ist eigentlich los, wo stimmt noch etwas?

Und traurig muß man feststellen: alles ist so neu gar nicht. Wir Menschen lernen bloß nicht aus der Geschichte. Eine Geschichte, die so viel Schlimmes kennt, die wir rückwirkend sogar erklären können. Hat nicht jemand mal gesagt, die Geschichte ist dazu da, das wir daraus lernen und es besser machen? Natürlich sagt mancher, lasst uns doch mit früher in Ruhe. Aber wer sich um früher nicht kümmert, wird heute untergehen. Wer nur hinter der Spielkonsole klebt, kann seine Zukunft in den Wind schreiben.

Von unseren Problemen wußten die Menschen vor 2500 Jahren nichts. Sie wußten nicht einmal, dass es Europa gibt. Und da steht einer auf dem Markt und singt ein Lied. Ein Lied, was neugierig macht. Von seinem Freund, der einen Weinberg hat und ihn hegt und pflegt. Auf Ertrag wartet. Und schließlich nur ein paar kleine saure Trauben erntet. Und nun? Was macht man mit so einem Weinberg? Die Zuschauer sind ordentlich in Stimmung. Einreißen, einfach lassen, wie es ist. Verwildern soll er, Dornen und Disteln sollen wachsen. Menschlich gesagt: wenn du dich nicht bemühst, wirste schon sehen, was du davon hast. — Was soll so was eigentlich. Keiner gibt doch sein Land so einfach auf, Chemie drauf, moderne Technik, das klappt schon

Und da läßt der Mann die Katze aus dem Sack. Wer ihn kannte, diesen Jesaja, der ahnte schon, da kommt noch was. Der erzählt uns doch nichts vom Weinbau. Und tatsächlich, das Lied ist gar nicht lustig. Ihr, liebe Leute, seid der Weinberg. Und so wie ihr lebt, da kann nichts werden. Statt Miteinander Gegeneinander. Statt Gerechtigkeit Korruption und Betrug. Es geht mit euch den Bach runter. Und wer ist der Weinbergbesitzer? Gott. Gott, der es fertig bringt, auch mal zu sagen: dann macht euer Ding. Aber hängt euer Unglück mir nicht an. Ich hab mich um euch gekümmert, ihr habt Regeln, Gebote, ihr habt meine ganze Liebe. Bloß ihr laßt den lieben Gott einen guten Mann sein. Und dann kriegt ihr Hilfspakete aus Afrika. So schlimm ist es bei euch. Da bin ich doch glatt in unsere Zeit gerutscht. Hat das alles was mit Gott zu tun? Also unser Unglück macht doch die Regierung mit ihrem Hartz IV Gesetz, und an der Vogelgrippe Panik verdienen sich einige Leute reich. Wir doch nicht. Die Dresdner Menschen haben doch nicht ihre Stadt verkauft, das sind doch ein paar wenige, die sicher was davon haben. Was können wir dann für die vielen Obdachlosen, die Dresden in ein paar Jahren haben wird? Und die Schulschließungen und … das sind doch die da oben und das ist doch unser Elend.

Aber ich finde bei Jesaja nichts von dem König, der das Land kaputt regiert, ich finde nichts von den oberen Zehntausend, die sich da einen Fetten machen. Ich finde nur Volk und Gott. Ihr seid das Volk, um euch möchte sich Gott kümmern, aber er kümmert euch nicht.

Und ich ahne, Jesaja hat Recht. Zu viel stimmt nämlich auch bei uns, den kleinen Leute nicht. Es gäb keine Geflügelpest, wenn es keine Massentierhaltung gäbe. Und für wen ist die Massentierhaltung? Es gäbe kaum überfette Kinder, wenn es Eltern gäbe, die mal denken würden und ihre Kinder richtig ernährten. Und es gäbe weniger Gewalt, wenn Kinder zu Hause keine Gewalt erfahren würden. Und wenn Schüler kapieren würden, was sie für ihre Zukunft brauchen, nämlich Bildung, lesen, Politik, dann gäbe es nicht so viele hilflose Menschen, die auf dem Arbeitsamt wie Dreck behandelt werden. Wer bei jeder Frage in der Schule nur die Schultern zuckt und vor sich hin grinst, mit dem kann man machen, was man will.

Was das mit Gott zu tun hat? Sehr viel. Denn wer sich mit Gott beschäftigt, beschäftigt sich automatisch mit dem Leben. Mit seinem Leben. Und wer das tut, kriegt einen anderen Lebensinhalt. Wer sich mal auf der Zunge zergehen läßt – besser auf der Seele – dass Gott ihn liebt, der kann doch keine Gewalt ausüben. Wer mal von der xBox aufsteht und die Natur genießt, der kann doch keine gequälten Tiere in sich reinfressen und wer es glauben kann, dass Gott für ihn sorgt, der kann bescheidener werden und einmal überprüfen, was er im Leben braucht. Und wer dann noch spürt, dass Gott ihm einen Verstand gegeben hat, der beginnt nachzudenken und entdeckt, wie wir Menschen manipuliert werden, was uns die Werbung, die wir ja alle blöd finden, einredet, der entdeckt einfach, was wichtig ist und wird vieles weglassen. Ein Volk mit Gott hätte eine gute Zukunft. Aus der Geschichte lernen für heute? Damals hat Israel schlimme Zeiten durchmachen müssen. Aber Gott hat ihm immer wieder einen Neuanfang gegeben. Wir haben ihn auch, diesen Neuanfang.

Natürlich, mancher wird sagen, ja, wie viele sind wir denn? Wer hat denn diesen Text heute gehört. Aber das ist kein Argument. Die Frage ist zuerst, was wir eigentlich selber mit Gott machen. Die Frage ist zum Beispiel, ob Ihr nach Eurer Konfirmation sagt: Danke, das wars, ich hab den Zettel, die Eltern sind zufrieden, und ansonsten Kirche mich siehst du nicht wieder. Könnt Ihr machen. Haben ja viele gemacht und machen es. Aber dann klagt bitte nicht. Es erschreckt mich schon, dass ich mehr als noch vor ein paar Jahren höre: Kirche, Junge Gemeinde, keine Lust. Bibel kaufen, is doch teuer. Keine Lust? Keine Lust auf Leben? Und Leben kommt nicht von selbst, Leben ist Arbeit und Anstrengung. Ich wünschte uns, dass der Jesaja sein Lied bei uns nicht singen brauchte. Aber er muss es singen, damit wir aufwachen. Damit es uns wieder besser geht.

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