Die Liebe ströme zum Nächsten

Morgen, liebe Gemeinde, ist für viele Menschen der höchste Feiertag des Jahres. In den Hochburgen des Karnevals, Düsseldorf, Köln und Mainz beginnt dieser Tag, der Rosenmontag, mit stundenlangen Umzügen. Wobei Rosen sich ursprünglich nicht auf die Blume, sondern auf das mhd. Wort rasen oder toben bezog,

Die Straßen der Städte und ebenso die Gastwirtschaften sind geprägt von überschäumender Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und Lebensfreude.

Begonnen hat der Karneval in dem Land zwischen Euphrat und Tigris vor 5000 Jahren. Eine altbabylonische Schrift, 3000 Jahre alt, gibt Auskunft darüber, dass sieben Tage ausgiebig gefeiert wurde und die Sklaven den Herrschern gleichgestellt wurden. Dieses Gleichheitsprinzip, welches bei den ausgelassenen Festen praktiziert wurde, ist bis heute ein charakteristisches Merkmal des Karnevals.

In allen Kulturen des Mittelmeerraumes lassen sich solche ausgelassenen Feste, bereits schon zur damaligen Zeit, nachweisen.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie die stark alkoholisierten und grölenden Menschen, von Singen kann kaum die Rede sein, zu Hause am Bildschirm sehen, sofern Sie sich einen Karnevalsumzug anschauen? Das kann es doch wohl nicht sein, werden Sie denken.

Etwa vor 2750 Jahren, da wanderte ein Mann namens Amos aus Tekoa in Juda in den Norden Israels, nach Samaria und Bet-El. Die Menschen hier lebten in Frieden und Wohlstand. Der Handel und die Wirtschaft blühten. An den religiösen Heiligtümern wurden aufwendige Opfer gebracht. Und die Reichen des Landes übersahen Korruption und soziale Ungerechtigkeiten.

Auf den Straßen allerdings begegnen Amos Menschen in tiefster Armut, während die Reichen sich auf ihren Polsterbetten aalen, das zarte Fleisch von Lämmern und Mastkälbern essen und den Wein kübelweise trinken.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie die stark alkoholisierten und grölenden Menschen, von Singen kann kaum die Rede sein, zu Hause am Bildschirm sehen?

Wie es dem Propheten Amos aus Tekoa erging und wie er auf diese Entartung der damaligen Gesellschaft reagierte, das hören wir in unserem heutigen Predigttext.

[TEXT]

Ganz schön harte Worte des Propheten Amos, die wir da gerade gehört haben. Es kommt mir so vor, als ob der Prophet uns, die wir hier heute Morgen im Gottesdienst sitzen, ganz konkret gemeint hat und uns Zeugen seiner Wut und Trauer werden lässt.

Wut und Trauer über die Menschen in tiefster Armut, während die Reichen sich auf ihren Polsterbetten aalen, das zarte Fleisch von Lämmern und Mastkälbern essen und den Wein kübelweise trinken.

Erschrocken bin ich über diese harten Worte und ich muss gestehen, sie beeindrucken mich auch in ihrer treffenden und bildhaften Ausdrucksweise. >>Ich hasse euch, es ist mir zuwider, ich kann euch nicht mehr sehenHört auf mit dem Geplärr eurer Lieder. Ich kann eure Feiern nicht ausstehen

Ganz ehrlich gesagt, liebe Gemeinde, so habe ich mich, noch nie ausgedrückt bzw. mich über unsere Gottesdienste geäußert, wenn ich danach gefragt wurde, wie wir diese denn feiern. Und Sie, dort in den Bänken, nein, Sie würden solche harten Worte auch nicht über ihre Lippen bringen. Denn wir sind ja hier zusammengekommen, weil uns der Gottesdienst lieb ist und weil uns die Gemeinschaft mit dem dreieinigem Gott und unseren Nächsten wichtig ist.

In unseren heutigen Gottesdiensten geht es nicht um gemeinschaftliche Belustigung oder gar politische Machtdemonstration, so wie Amos dies zu seiner Zeit erlebt hat. In unseren christlichen Gottesdiensten geht es ganz schlicht und einfach um den Glauben. Es geht um den Glauben an Jesus Christus und sein ewiges Reich, ein Reich, das nicht von dieser Welt ist.

Und doch gibt es Menschen, die unsere Gottesdienste kritisieren. Nein, nicht der Propheten Amos, sondern unsere Zeitgenossen, denen unsere Gottesdienste zu langweilig sind, weil da nichts passiert, und die Menschen, die sie besuchen, werden doch zu nichts motiviert.

Viel besser ist es sonntags morgens durch den Wald zu laufen und zu joggen, vielleicht auch Fußball oder Beachvolleyball gegen eine andere Mannschaft zu spielen, oder ein fetziges Rock-Konzert zu besuchen und auf einer Karnevalsparty die ganze Nacht durchzufeiern. Das ist auf jeden Fall viel aufregender und spannender, als die langweiligen Gottesdienste.

Gegen Waldlauf, Fußball, Beachvolleyball, Rock-Konzerte oder Karnevalpartys ist eigentlich nichts einzuwenden, wenn für diejenigen Menschen, die sich sonntags durch Gottes Wort stärken lassen und der Gottesdienst der Versuch ist, intensiver nach Gottes Willen zu leben.

Aber es gibt leider genügend Menschen, die der Ansicht sind, dass ihr Heil und Wohl bzw. das Wohl der ganzen Welt allein durch entartete Feste oder Versammlungen zu gewinnen ist.

Allen so denkenden Menschen gilt, so denke ich, das Wort des Propheten Amos. Versuchen wir dieses Prophetenwort in die heutige Zeit zu übertragen.

Der Herr sagt: Ich bin eure Rock-Konzerte und Karnevalpartys leid und verachte sie. Ich mag den Biergeruch und Zigarettenqualm in euren Kneipen nicht riechen.

Und wenn ihr auch beim Joggen oder in Sitzungen und Tagungen eure Ängste vor kriegerischen Auseinandersetzungen in den Griff bekommen habt, so habe ich kein Gefallen daran.

Nimm von mir das Geplärr deines MP3-Players, des Radios und des Fernsehers weg, ich mag es nicht hören.

Die Liebe aber ströme zum Nächsten wie ein Strom, der nie austrocknet.

Liebe Gemeinde, in unserem heutigen Predigttext geht es um den Glauben. Weil es dem Propheten Amos um den Glauben und der daraus entstehende Nächstenliebe geht, deshalb dürfen wir froh und dankbar sein, dass wir uns heute hier zum Gottesdienst versammeln dürfen um diesen zu feiern.

Ja, wir dürfen froh und dankbar sein und Gott ehren durch unseren Glauben, durch unser Fragen und Nachdenken, durch unser Singen und Beten.

Wir dürfen aber auch aus einem ganz anderen Grunde dankbar sein. Wir dürfen dankbar sein, weil Gott uns durch Jesus Christus versprochen hat, dass wir durch unseren Gottesdienstbesuch in unserem Glauben immer wieder gestärkt werden.

Jesus Christus hat uns versprochen, uns zu trösten, uns den Frieden zu schenken, der höher ist als alle Vernunft. Ja, Jesus Christus hat uns Halt und Hoffnung geben im Leben, im Sterben, heute, morgen und in Ewigkeit.

In diesem Bewusstsein, liebe Gemeinde, können wir dann, je nach Lust und Laune, auch an dem fröhlichen Treiben dieser Zeit uns erfreuen, dann können auch wir mit der richtigen Einstellung in die vor uns liegenden Tage gehen und uns dankbar auf die Liebe Gottes einstellen, die allein Bestand hat.

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