Stolz sollt ihr sein, dass ihr euch nach Gott richtet

Liebe Gemeinde,

"Sachsen bald ohne Sachsen" – so stand es am Freitag in der Zeitung. Dahinter steht die Studie der Berthelsmann-Stiftung, nach der Sachsen in den nächsten 15 Jahren massiv schrumpfen wird. Unsere östliche Ecke liegt dabei an der Spitze, Löbau-Zittau mit einem Verlust von 17,3%. Und das kann einen schon erschrecken, immerhin wird der Altersdurchschnitt rapide steigen. In einem Seminar sagte eine Frau gestern: wer soll dann mal die alten Eltern pflegen, wenn die Kinder nicht mehr hier wohnen. Weiter gedacht, wie werden unsere Schulen aussehen und vor allem, wo werden sie sein? Wieviele Ärzte werden sich niederlassen, wo das nächste Krankenhaus stehen? Und vor allem: was werden die Menschen arbeiten? Der Traum vom großen Tourismus ist trotz der traumhaften Landschaft wohl nur ein Traum. Es ist schon alles sehr traurig und während die Regierung immer noch mit Arbeitsplätze-schaffen-Parolen das Volk belügt, macht fast täglich ein Betrieb dicht. Haben wir da eine Zukunft? Kinder wachsen ohne Großeltern auf, weil die zu weit weg wohnen, Besuche werden zu lebensgefährlichen Autofahrten, Freundschaften werden zerrissen und Tausende riskieren als Kraftfahrer ihre Gesundheit, um Milch und Bier quer durchs Land zu fahren. Was stimmt eigentlich in diesem Land noch? Schüler werden getrimmt auf die nächste Pisa-Studie, Schulleiter behaupten einheitlich, die Schule fange nicht zu früh an, sind also auf Linie gebracht und die kaputten Kinder haben dann die Eltern auszubaden. Und im Kampf der Kulturen müssen wir unsere westlichen Werte verteidigen. Und wer dann im Ausland unsere Nachrichten liest und sieht, reibt sich verwundert die Augen. Wie soll es weiter gehen?

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Das hat ein Mann gesagt, der vor 2500 Jahren den Auftrag hatte, Ideen, wie es weitergeht, von Gott zu sagen. Jeremia hieß er.

Damals war das große Reich des Königs David in zwei Teile zerfallen, wenig später wurde die Hauptstadt Jerusalem zerstört und die Nachbarstaaten hatten das einst mächtige Land zum Spielball ihrer Politik gemacht.

Dennoch träumten die Könige den Traum von der Stärke, wollten alte Zeiten wieder errichten.

Und da sagt Jeremia diese schlichten, fast überfromm wirkenden Worte. Und die sind so aktuell, das man nur staunen kann. Die Zukunft hängt davon ab, worauf ihr stolz sein werdet. Deutschland soll wieder an die Spitze kommen in Wissenschaft und Technik, PISA Studie ist das große Stichwort. Egal wie, aber wir müssen vorn sein. Wie es in den Schulmauern zugeht, ist unwichtig, Hauptsache wir sind vorn. Wozu Psychologen und Pädagogen, jetzt muss erst mal Leistung kommen. Deutschland muß wieder … ein Standartsatz von Frau Merkel. Und stark muss es wieder sein, eine amerikanische Zeitung hat schon vorausgesagt, wie viele Medaillen Deutschland bringen wird. Das ist wichtig, dass wir auf dem Treppchen stehen hoch über denen, die unter der Brücke schlafen. Und natürlich müssen wir wirtschaftlich nach vorn kommen, Macht haben (in Klammer: auf wessen Kosten sind wir stark?). Und Wohlstand gehört dazu, wie reich will denn dieses reiche Land noch werden, das schon jetzt den Reichtum nicht einmal richtig verteilen kann? Worauf wollt Ihr einmal stolz sein?

Nein, Leute, das ist der falsche Weg, läßt Gott sagen. Jeremia wird ausgelacht und verfolgt, aber die Geschichte hat es bewiesen, er hatte recht. Das Erschreckende ist, er hatte recht. Und ich ahne, er behält Recht. Wirtschaftsfachleute sagen übrigens Ähnliches.

Und jetzt kommt dieser fromme einfache Satz: Stolz sollt ihr sein, dass ihr euch nach Gott richtet. Das klingt wirklich sehr einfach. Aber Gott war noch nie kompliziert. Nur eindeutig. Das ist euer Weg in die Zukunft oder ihr habt keine. Alles andere wird sich finden. Glauben wir so etwas? In einer Zeit, wo Kirchen langsam von der Bildfläche verschwinden, wo sich Wirtschaft und Politik immer mehr einen Dreck darum scheren, was Kirchen sagen? Wer mich erkennt und begreift, was ich will, der hat Grund stolz zu sein – sagt Gott. Denn ich schaffe, Liebe, Recht und Treue. Da sind sie ja die Werte, von denen der Westen behauptet, er müsse sie gegen den Rest der Welt verteidigen, ohne sie zu haben. Und während diese Werte immer mehr verloren gehen, sagt Gott, ich schaffe euch das. Ich schaffe euch die Lebensgrundlage. Denn nur, wenn Liebe, Recht und Treue funktionieren, wird alles andere funktionieren. Wenn wir das ernst nehmen, heißt das, es muss eine Kehrtwende geben. Vielleicht nicht, dass ganz Deutschland christlich wird, das ist sicher eine Illusion. Aber vielleicht fängts bei den Christen an, dass sie es vormachen, was Lebens-Werte sind. Und dass wir alle miteinander von diesen falschen Stolz-Zielen wegkommen. Auch wenn dieser ganze Karikaturen-Streit eskaliert ist und missbraucht wird, es beeindruckt mich trotzdem, dass es Menschen gibt, denen ihre Religion so viel wert ist, dass sie Verletzungen wahr nehmen. Es tut einfach weh, dass ihr Gott, ihr Prophet, verspottet wird. Wir berufen uns auf die Freiheit und sagen: na und? Wenn uns das passierte. Das Faschingsmotto in Neugersdorf heißt: Im Himmel ist die Hölle los. Ist das keine Beleidigung? Vielleicht ist es nur ein Zeichen der allgemeinen Dummheit, vielleicht wollte keiner da provozieren, aber wenn es riesengroß auf Plakaten als Botschaft kommt, dann ist das schon böse. Und keiner sagt etwas, obwohl Neugersdorf gerade auch eine Hochburg besonders frommer Leute ist, die sich in diesen Tagen von der Kirche abgespalten haben.

Vielleicht müssen wir anfangen zu schauen, was Glaube eigentlich wert ist und entdecken, dass er was wert ist. Ja, dass er, um mit Jeremia zu sprechen, lebensnotwendig ist. Dass wir irgend etwas brauchen, das Grenzen setzt und zugleich Wege zeigt. Denn das Problem unserer Zeit ist auch: wir leben völlig durcheinander. Ziellos, hilflos, grenzenlos und hoffen, dass es sich schon wieder richtet. Aber es richtet sich nicht. Da bleibt nur Gott. Wer denn sonst?

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