Der Schlüssel zum Leben

Liebe Gemeinde!

Am vergangenen Wochenende gab es Zeugnisse. Eine Mutter erzählte mir, wie sehr das Zeugnis ihrer Tochter ihr das Wochenende verdorben hatte. Nahezu jedes Fach war schlecht bewertet worden. Das Zeugnis war absolut schlecht. Und das in der 8. Klasse! Es war der Tochter von der Lehrerin überreicht worden mit den Worten: Wenn du so weiter machst, wirst du die Schule nach der 9. Klasse verlassen müssen.

Die Mutter war darüber ziemlich schockiert. Die Tochter ließ sich ihren eigenen Schrecken vorerst nicht anmerken. Als sie sich allerdings scheinbar harmlos bei der Mutter erkundigte, wann sie denn einen MP 3-Player bekommen würde, bekam diese einen Wutanfall. Wie konnte das angehen, dass ihre Tochter scheinbar so unberührt von diesem Dilemma war?

Die Mutter konnte es nicht ertragen, dass ihre Tochter von ihrem Zeugnis überhaupt nicht bewegt war und sich so typisch pubertär auch noch gelangweilt gab.

Aus Elternsicht gäbe es wohl noch das eine oder andere dazu zu sagen. Aus Konfirmandensicht wahrscheinlich auch.

Ich möchte allerdings die Aufmerksamkeit auf eine Sache lenken.

Das Verhalten, das die Tochter an den Tag legt, ist zwar typisch pubertär, aber das soll es auch bei Erwachsenen geben, dass sie sich völlig verschließen, wenn sie von etwas nichts wissen wollen. Auch Erwachsene bringen es fertig, sich richtig zu sperren. Dann können sie manchmal so stur sein wie es Jugendlichen nachgesagt wird.

Und bei den Erwachsenen hat es wie bei den Jugendlichen Gründe, wenn jemand sich von einer Sache abwendet und sich desinteressiert zeigt.

Mir bringt es nichts, dabei zu sein, sagen Erwachsene manchmal. Manchmal wehren sie auch etwas ganz stark ab: Nein, das will ich nicht.

Nicht selten stecken Ängste dahinter, wenn sich jemand bei einem Thema verschließt. Wenn einer bei einem Gespräch abweisend ist, kann es den Grund haben, dass er das Thema bloß nicht an sich heran lassen will.

Manchmal haben Jugendliche und Erwachsene Angst vor Erkenntnissen. Wenn ich mich öffne, könnte es ja sein, dass ich verletzt werde. Wenn ich etwas erkenne, könnte es ja sein, dass ich etwas bei mir ändern müsste.

Ich möchte das heute symbolisch an einem Bild festmachen, an dem Bild der Schlüssel. Für das, was mir wichtig ist, bin ich aufgeschlossen. Wenn ich mich für etwas öffne, erschließt sich mir eine neue Welt.

Da, wo ich mich abwende, bin ich verschlossen. Vielleicht bleiben mir aber auch Möglichkeiten verschlossen, wenn ich mich verschließe.

So ist das in vielen Bereichen, aber so ist es besonders im Glauben. Habe ich den Eindruck, dass mir der Zugang zu Gott und zum Glauben verschlossen ist, oder lebe ich in dem Vertrauen, dass mir der Himmel offen steht?

Im heutigen Predigttext wird uns ein Bild vorgestellt von demjenigen, der die Schlüssel des Himmels und der Hölle in seiner Hand hat, Jesus Christus. In ihm werden wir den Zugang zu Gott finden.

Ich lese aus der Offenbarung des Johannes im ersten Kapitel:

[TEXT]

Derjenige, der uns von Jesus Christus erzählt, hat sich Gott geöffnet.

Äußerlich war er eigentlich weggesperrt. In der Zeit der Christenverfolgung unter Kaiser Domitian hatte er sich wohl zu weit herausgewagt. Er hatte öffentlich von Jesus gesprochen. Er hatte deutlich gesagt, ich gehöre zu denen, die Jesus nachfolgen. 180 Jahre nach Christus wollten die römischen Herrscher nichts von Jesus hören. Sie schickten Johannes ins Exil, auf die Insel Patmos. Übrigens war es ein anderer Johannes als der, nach dem unsere Kirche benannt ist.

Und so einsam wie er war, hatte er vielleicht gerade in dieser Situation offene Ohren und ein offenes Herz und empfing diese Botschaft von Gott.

Jesus Christus spricht: ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige.

Ich war tot und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.

Er selber, der äußerlich ausgeschlossen ist von der Gesellschaft hört von dem, der keine Grenzen kennt. Er hört von Jesus, der selbst aus Tod und Hölle herausführen kann. Er hat die Schlüssel zum Leben.

Das kann eigentlich nur jemand richtig hören, der selber nach dem Schlüssel zum Leben sucht.

Es ist ja oft auch so, dass Menschen gerade dann nach dem Glauben fragen, wenn es ihnen schlecht geht.

Denen, die fragen, wird es sehr tröstlich gesagt, dass Christus alle Macht hat. Er selber ist vom Tod auferstanden. Er lebt und ist für uns da.

Da klingt schon etwas von Ostern an. Deswegen sind heute die Behänge an Kanzel und Altar weiß als Zeichen für das Christusfest.

Fürchte dich nicht, sagt Jesus Christus. Ich bin der Erste und der Letzte.

Wenn andere vorgeben, sie hätten das letzte Wort über uns. Wenn es so aussieht, als würde es keinen Ausweg geben. Wenn Krankheit uns einschränkt. Und selbst wenn der Tod uns nahe kommt bei Menschen in unserer Nähe oder sogar für uns selber – Jesus Christus ist da, der uns aufschließen wird und uns neues Leben eröffnen wird.

Die Vision, die Johannes erlebt hat, war schon eine ganz außergewöhnliche beeindruckende Erfahrung. Er war überwältigt von der Herrlichkeit Gottes, die Jesus Christus wiedergespiegelt hat.

Ich glaube, es hat Auswirkungen für unseren ganz normalen Alltag, wenn wir uns etwas von dem Staunen über Gottes Herrlichkeit und Macht bewahren.

Dann werden wir Gott nämlich in scheinbar verfahrenen Situationen etwas zutrauen. Er hat die Schlüssel. Er kann aufschließen, wo Beziehungen zu scheitern drohen.

Besonders Großes würde geschehen, wenn wir uns wirklich darauf verlassen würden, dass wir nicht selber die Schlüssel für alles haben müssen. Wir müssen nicht alles wissen und können. Wir dürfen uns eingestehen, wo wir nicht so gelebt haben wie Gott es will.

Auch Gottes Vergebung ist ein Schlüssel, der uns aus Festgefahrenem herausholt.

Am Anfang habe ich davon gesprochen, wie wir uns manchmal verschließen, weil wir irgendetwas nicht an uns heran lassen wollen.

Vielleicht lockt uns der Predigttext heute ein bisschen heraus zum Gottvertrauen.

Deshalb spricht Jesus Christus: Fürchte dich nicht!

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