Sich rühmen heißt …

Halleluja haben wir gesungen nach diesem wunderschönen Gleichnis vom ungerechten Chef. Ein ganz eigentümliches Bild, das Jesus da malt. Ein Chef, der nicht nach der Leistung fragt, der weder die Leistung noch die Arbeitszeit bezahlt, sondern jedem soviel wie er braucht, um sich und seine Familie satt zu bekommen. Ungerecht nennen wir das – und dieser Chef ist ungerecht, wen er auch die satt werden lässt, die nur eine Stunde arbeiten und ungerecht ist wohl auch Gottes Liebe, der die Sünder annimmt und die Frommen nicht nach ihrer Leistung entlohnt.

Halleluja haben wir gesungen – und das heißt auf deutsch: Ich lobe Gott: Ob uns das immer so bewusst sind, dass wir mit jedem Halleluja Gott loben. Manchmal liegt es mir viel näher mich selbst zu loben, an meinem eigenen Image zu arbeiten.

Manchmal möchte ich meine eigenen Leistungen anerkannt wissen, etwas gelten vor Gott und den Menschen. Aber in den Gottesdienst gehe ich um Gott zu loben und ich spüre, dass es mir gut tut und merke gleichzeitig, dass es mir schwer wird, anderen Menschen zu vermitteln, wie wohltuend das sein kann.

[TEXT]

Eine kurzer Text aus dem Alten Testament. Er beginnt mit der sogenannten ‚prophetischen Botenformel: ‚So spricht der HERR’. Der Prophet sagt sehr deutlich, dass das, was er zu sagen hat, nicht seiner Weisheit oder Einsicht entspringt, sondern Gottes Nachricht ist. Das gehört zum Wesen der echten Propheten, dass sie nicht sagen, was sie erforscht haben und nicht ihre Philosophie zum besten geben, sondern sich von Gott gedrängt wissen, Sachen zu sagen, die sehr unbequem sind, die sie auch unbeliebt machen.

Im letzten Jahrhundert war Dietrich Bonhoeffer, der am Samstag, 4.2. 100 Jahre alt geworden wäre solch ein Prophet, der seiner Kirche sehr deutlich sagte: Nur wer für die Juden schreit, darf gregorianisch singen’ – und meinte damit: Nur die Kirche, die sich im Jetzt für die Verfolgten und Bedrohten einsetzt, hat auch das Recht schöne Gottesdienste zu feiern. Das hat ihm die Solidarität von Vielen in seiner Kirche gekostet. Damit musste er leben. Für ihn war das der Wille Gottes, dass so etwas gesagt wird und wir wissen heute: er hatte Recht damit. Vielen Propheten – auch Jeremia ging es so, dass erst die Nachkommen erkannten: Er hatte Recht!

Mit diesem prophetischen: ‚So spricht der Herr’ legitimierte sich im Alten Testament der Prophet. Es war geradezu ein Dienstausweis, dessen Richtigkeit die Hörenden erst später erkennen konnten. So ging es den Prophetinnen und Propheten, von denen die Bibel erzählt. So geht es heute noch denen, die über Gottes Willen reden. Sie müssen sich in Bescheidenheit üben. Das, was sie zu sagen haben, entspricht oft nicht dem Willen der ZuhörerInnen, passt manchmal überhaupt nicht in den Plan und – was vielleicht das schwerste ist – passt auch nicht in den Plan dessen, der den Willen Gottes erkennt und ausspricht.

Und oft genug verstehe ich auch gar nicht, warum etwas, das mir nicht passt, trotzdem etwas mit Gottes Willen zu tun haben soll. Ich muss das immer wieder neu lernen zu akzeptieren, dass Gottes Willen und meine Ideen nicht zusammenpassen.

Der Prophet leidet unter dem Auftrag Gottes, aber er muss ihn ausführen. Gottes Wille steht in Konkurrenz zu all den Tempelpropheten, die sich selbst einen guten Namen machen wollen. Sie sind wie Nachrichtensprecher, denen es nur um den eigenen Ruhm geht und nie um die Nachricht, die sie verlesen. Es geht ihm wie einen Nachrichtensprecher. Er stellt sich der Verkündigung von Gottes Willen zur Verfügung, aber er verfügt nicht über das, was er sagt.

Unser Prophetentext stammt aus etwas, das wir Gottes Wunschliste nennen können: Dass im Mittelpunkt unseres Selbstbewusstseins nicht wir selber stehen, sondern das Bewusstsein, dass wir wissen, dass wir einen Herrn haben. Gottes Wunsch, dass jeder und jede von uns erkennen können, wo das Ziel unseres Lebens ist. Es geht weniger darum, dass wir mutig und furchtlos wie Dietrich Bonhoeffer unseren Weg gehen, als dass wir vielmehr unseren Weg finden, unseren Glauben auch wirklich zu leben.

Das Ganze ist ein Wort der Leidenschaftlichkeit Gottes, der um sein Volk kämpft, der darunter leidet, dass zwar Ochs und Esel wissen, wo sie hingehören, sein Volk, die Menschen, die zu ihm gehören aber orientierungslos umherlaufen.

In einer modernen Übersetzung der beiden Verse habe ich diesen Text gefunden:

22 „So spricht der HERR: Der Intellektuelle rühme sich nicht seiner Klugheit. Der Mächtige rühme sich nicht seiner Stärke. Der Reiche rühme sich seines Reichtums.

23 Vielmehr: Wenn einer sich rühmt, dann rühme er sich dessen, dass er Einsicht hat und die Zeichen erkennt: Ich, der HERR, bin es, der Gnade, Recht und Gerechtigkeit im Lande schafft, denn daran habe ich Gefallen!‘, spricht der HERR!"

Eigenlob stinkt – heißt es zu Recht. Sich seiner selbst rühmen ist nichts Anderes als angeben – und ich muss wohl zugeben, wie gerne ich angebe. Vielleicht nicht so großspurig, aber unterschwellig: ‚Habe ich das nicht gut gemacht?’ Aber solche Angeben ist genauso menschlich wie erbärmlich. Es ist der Versuch sein eigenes Ansehen anzuheben, aus Mücken Elefanten zu machen, um gut dazustehen. Und es ist auch oft genug der Versuch, aus sich selbst einen Superman zu machen und die Anderen, die ja auch ihre Verdienste haben, schlecht aussehen zu lassen.

In unserem Alltag sieht es oft so aus. Das Dümmste ist, bei Bewerbungen bescheiden zu bleiben. Dick auftragen heißt die Devise, etwas hermachen. Und das gilt eigentlich in allen Lebenslagen. Der Wunsch Gottes ist etwas Anderes:

Sich des Herrn rühmen, heißt Gott danken für seine Liebe und seiner Gemeinde danken für das gemeinsame Gebet und die gemeinsam gelebte Liebe. Es heißt Gott und seiner Gemeinde danken für die Einladung an seinen Tisch in seine Gemeinschaft zu seiner Vergebung:

‚wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne’

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