Eine Entdeckungsreise zum Glauben

Reporter: Guten Tag, meine Damen und Herren. In unserem Jerusalemer Nachrichtenstudio begrüße ich heute den General Naaman aus Syrien. Er hat in den letzten Tagen für große Aufregung gesorgt. Sie wissen es gewiss aus der Presse: Syrischer General auf Besuch in Jerusalem. Was wie eine gewöhnliche Bekanntmachung klang, sorgte in wenigen Stunden für helle Aufregung, um nicht zu sagen für eine landesweite Hysterie. Die Schlagzeilen lauteten. Eklat am Königshof – Provokation gegenüber einem Staatsgast – Kriegsgefahr für Israel. So oder ähnlich konnten wir es überall lesen und hören. Umso mehr freue ich mich, dass wir heute General Naaman in unserem Studio begrüßen dürfen.

Naaman: Guten Tag. Zunächst bedanke ich mich ganz herzlich für Ihre Einladung. Ich muss zunächst sagen, dass ich den ganzen Rummel um meine Person nicht verstehe. Ich bin auch nicht als Politiker in Ihr Land gekommen, sondern als Privatmann sozusagen. Und ich habe bei meinem Besuch auch keine Spionage betrieben wie etliche gemutmaßt haben. Ich war als Patient in Ihrem Land …

Reporter: Da möchte ich gleich nachfragen. Waren Sie krank? Gibt es denn keine Ärzte in Syrien, die Ihnen helfen konnten?

Naaman: Ja. Seit vielen Jahren habe ich unter Hautausschlägen gelitten. Mehr als ein Dutzend Ärzte habe ich aufgesucht. Immer wieder haben sie mir Hoffnung gemacht. Sie haben mir Salben und Essenzen verschrieben. Sie haben mir Kuren verordnet. Doch nichts half mir. Ich war einfach nur noch fertig – seelisch fertig, wenn Sie verstehen. Es war zum Verzweifeln. Ich konnte mich nicht mehr sehen. Ich weiß, anderen fiel es ebenso schwer. Bei Dienstgesprächen mit den anderen Militärs, beim Truppenbesuch. Überall hielt man mehr Abstand als üblich. Ich könnte sie anstecken.

Reporter: Also war es Aussatz. Da hätte Sie doch in Quarantäne leben müssen. So ist das bei uns in Israel. Unreine haben sich in leer stehende Gruben oder Höhlen zurückzuziehen. Nur wen der Priester für rein geklärt hat, der darf dann in sein Haus zurückkehren.

Naaman: Nein, es war eine Hautkrankheit. Nicht schmerzhaft. Aber oft sehr juckend und eben abstoßend. Wie gesagt, ich war sehr verzweifelt. Da erzählte meine Frau von ihrem israelischen Dienstmädchen. Sie hätte eine Bemerkung gemacht: „Wenn mein Herr doch zu dem Propheten gehen könnte, der in Samaria lebt! Der würde ihn von seiner Krankheit heilen.“

Reporter: Und da sind Sie einfach so losgefahren? Einfach auf eine Bemerkung einer ungebildeten Dienstmagd?

Naaman: Ja, in meiner Lage klammert man sich an jeden Strohhalm. In Syrien konnte mir keiner mehr helfen. Also habe ich mich mit einem Empfehlungs-Schreiben meines Königs, 7 Zentner Silber, eineinhalb Zentner Gold und zehn Festgewänder auf den Weg gemacht. Ich wurde äußerst zuvorkommend bei Ihrem König empfangen, denn schließlich ist Israel von uns abhängig.

Reporter: Doch im Verlaufe dieser Audienz kam es zu dem Eklat. Unser König ist ausgerastet. Stimmt das tatsächlich? Hat er alle Etikette vergessen?

Naaman: Aus heutiger Sicht kann ich sagen. Er hatte mit seinem Wutausbruch Recht. Er zerriss seine Kleider und schrie: „Ich bin doch nicht Gott! Er allein hat Macht über Tod und Leben! Der König von Syrien verlangt von mir, dass ich einen Menschen von seinem Aussatz heile. Da sieht doch jeder: Er sucht nur einen Vorwand, um Krieg anzufangen!“

Reporter: Sie geben unserem König Recht? Aber in der Situation fühlten Sie sich wohl mehr als vor den Kopf gestoßen.

Naaman: Gewiss. Doch dieser Vorfall war binnen weniger Stunden überall im Land bekannt und der Prophet ließ den König ausrichten, er solle mich zu ihm schicken. Und so fuhr ich mit meiner Staatskarosse nach Samaria.

Reporter: Und dort wurden Sie nochmals vor den Kopf gestoßen, da der Prophet Sie nicht empfing, sondern durch seinen Boten ausrichten ließ: „Fahre an den Jordan und tauche siebenmal darin unter! Dann bist du von deinem Aussatz geheilt.“ Und wie reagierten Sie darauf?

Naaman: „Ich hatte gedacht, er würde zu mir herauskommen und sich vor mich hinstellen, und dann würde er den HERRN, seinen Gott, beim Namen rufen und dabei seine Hand über der kranken Stelle hin- und herbewegen und mich so von meinem Aussatz heilen. Ist das Wasser des Abana und des Parpar, der Flüsse von Damaskus, nicht besser als alle Gewässer Israels? Dann hätte ich ja auch in ihnen baden können, um geheilt zu werden!“ Voll Zorn wollte ich nach Hause zurückfahren. Ich bin es nicht gewohnt, mich wie ein gewöhnlicher Mensch so abfertigen zu lassen. Doch meine Diener haben mich umgestimmt. Geschickt haben sie mich überzeugt: „Herr, bedenke doch: Wenn der Prophet etwas Schwieriges von dir verlangt hätte, hättest du es bestimmt getan. Aber nun hat er nur gesagt: ‚Bade dich und du wirst gesund!‘ Solltest du es da nicht erst recht tun?“ Und so tat ich es und wurde gesund. Tief beeindruckt hat mich, das Ihr Prophet keine Dankesgabe – und ich hatte wirklich viele Geschenke im Gepäck – angenommen hat. Er sagte: „So gewiss der HERR lebt, dem ich diene: Ich nehme nichts an.“ Unbestechlich blieb er.

Reporter: Herr General Naaman, gestatten Sie mir, Ihnen eine persönliche Frage zu stellen. Hat Sie diese Reise verändert?

Naaman: Gewiss. Ich freue mich über meine wieder hergestellte Gesundheit. Doch ich bin auch ein anderer Mensch geworden. Im Rückblick muss ich staunend feststellen: Was ich auf dieser Reise erlebt habe, das waren keine Zufälle. Dahinter steht ein Gott, der mich liebt und meine Krankheit heilen wollte. Zum anderen: obwohl ich nicht zum Volk Israel gehöre, hat er mich so wunderbar geführt. Unverdient, einfach aus Gnade. Zum dritten habe ich erkannt, dass ich blind gewesen bin für die ganz einfache Art und Weise, wie Gott mir begegnet ist. Früher dachte ich, dass ginge nur so, wie es in den Heilungszeremonien meiner alten Religion festgelegt ist. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Gott allein durch sein Wort wirkt. Folglich habe ich mein Leben ihm geweiht. Als äußeres Zeichen habe ich Erde aus Israel in meine Heimat mitgenommen. Darauf bringe ich nun mein Dank- und Brandopfer vor Gott, der mich gerettet hat.

Reporter: Aber ist es so einfach in Ihrer Heimat diesen Glauben zu leben? Sie haben doch Ihren König stets in den Tempel des Rimmon, d.h. den Brüller, zu begleiten. Sie müssen seinen Arm stützen und sich zugleich mit ihm niederwerfen. Das verstößt gegen unser Gebot: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“

Naaman: Ja, das ist mir bewusst. Und in dem Gespräch mit Ihrem Propheten habe ich es direkt angesprochen und die Bitte geäußert: „der HERR möge es mir verzeihen!“

Reporter: Und was hat er Ihnen geraten: Ihren Beruf aufzugeben? In unser Land überzusiedeln? Sich auf Ihren Privatbesitz im Libanon zurückzuziehen?

Naaman: Da muss ich Sie und mich enttäuschen. Nichts davon hat er mir geraten. Er hat einfach unser Gespräch beendet mit den Worten: „Kehre heim in Frieden.“

Reporter: Und das hat Ihnen genügt? Damit können Sie leben?

Naaman: Ja. Das ist ja der Frieden, den ich gefunden habe, dieser Gott, der mich geheilt hat, knechtet mich nun nicht mit neuen, unerfüllbaren Vorschriften. Er hat mir die Augen geöffnet für die wahren Götzen unserer Zeit. Das sind meiner Meinung nach nicht die Statuen in den Tempeln von Damaskus. Die sind, wie die Schrift sagt, nur Götterbilder aus Holz oder Metall, angefertigt von Menschenhand. „Sie sind nichts als Lug und Trug.“(Habakuk 2,18)

Reporter: Welche Götzen meinen Sie dann?

Naaman: Zum Beispiel der Mammon. Wir opfern dem Profitinteresse vom Großaktionären, die riesige Gewinne machen und zugleich Massenentlassungen verfügen. Darüber regen wir uns nicht auf. Das nehmen wir in Kauf, als unabänderlich, ja gottgewollt hin. Eher regen wir uns auf über einen Sozialempfänger, der im Ausland auf unsere Kosten lebt. Mir hat der Gott Israel dafür die Augen geöffnet, dass jeder ein Lebensrecht hat: ob arm oder reich, Kind oder Greis. Ein Mann der Bibel schreibt:. „Stellt euer ganzes Leben Gott zur Verfügung! Bringt euch Gott als lebendiges Opfer dar, ein Opfer völliger Hingabe, an dem er Freude hat. Das ist für euch der »vernunftgemäße« Gottesdienst. Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an. Lasst euch vielmehr von Gott umwandeln, damit euer ganzes Denken erneuert wird. Dann könnt ihr euch ein sicheres Urteil bilden, welches Verhalten dem Willen Gottes entspricht, und wisst in jedem einzelnen Fall, was gut und gottgefällig und vollkommen ist.“ (Römer 12,1-2) Daran will ich mich halten um Gottes und der Menschen willen.

Reporter: Sie haben ein ganzes Programm skizziert, was Opfer bringen im biblischen Sinne heißen könnte. Doch das ist wohl ein weiter führendes Thema und unsere Sendezeit ist zu Ende. So sage ich – auch im Namen unserer Zuschauer – vielen Dank für das ausführliche und recht persönliche Gespräch, Herr General Naaman.

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