Seelsorge

Heute haben wir eine Geschichte aus dem Altes Testament als Predigttext. Im Mittelpunkt steht ein mächtiger Mann aus Aram, der Oberbefehlshaber einer erfolgreichen Armee, der gewohnt ist zu befehlen. Auch er muss erfahren, dass sich damit nicht alles in den Griff bekommen lässt:

[TEXT]

Elisa ist hier weder vorrangig Prediger oder Wunderheiler, er ist Seelsorger.

Er begegnet einem Mächtigen seiner Zeit – Naemann: Im Auftrag Gottes wendet er sich dem Heiden zu, auf dem scheinbar selbstverständlich die Gnade Gottes ruht.

Dieser Mann ist an Lepra erkrankt.

Gott wirkt in dieser Geschichte durch mehrere Personen, vor Allem die Sklavin und den Propheten. Menschen an ihrer Stelle im Leben, die sich in den Dienst der guten Sache nehmen lassen, auch wenn sie Fremden nutzt. Diese Sklavin ist quasi der verlängerte Arm des Propheten. Sie sieht die Not ihres Herrn und lässt ihn nicht im Stich. Sie gibt den entscheidenden Tip. Ob er ihr glaubt, ist aber seine Entscheidung.

Der König von Aram ist dagegen ein typischer Machtmensch, der meint, diese Heilung, die Gnade Gottes ließe sich anordnen. So schreibt er seinem Kollegen in Jerusalem: ich habe meinen Knecht Naemann zu dir gesandt, damit du ihn von seinem Aussatz befreist.

Hier prallen zwei Welten aufeinander: Der König von Aram, der selbstverständlich meint, anordnen zu können. Von einem König unabhängige Propheten kann er sich nicht vorstellen. Er gehört zu der Denkwelt, die immer gerne Religion der weltlichen Macht unterordnen will. Wenn es Heilung gibt, soll der König von Israel sie befehlen. Dann wird das schon. Und der König in Jerusalem erkennt seine Ohnmacht und sieht die Gefahr, wenn er sich dem Ansinnen seines mächtigen Kollegen aus Aram, verweigert.

Der König von Israel ist erschrocken. Das gehört nicht zu seinem Verständnis, dass er gottgleich ist, dass er Tun Gottes oder auch nur seines Propheten einfach anordnen kann. Er erkennt die Grenzen seiner Macht an und will sie auch nicht überscheiten. Der Prophet Gottes hilft ihm, er bietet sich an. Die Hilfe ist erst einmal demütigend: da kommt Naemann mit aller Pracht und allem Gefolge ‚mit Rossen und mit Wagen’ – und der Prophet lässt sich nicht einmal sehen. Er lässt ihn draußen stehen und sendet einen Diener mit einem lächerlichen Auftrag. Schon wieder droht die Heilung zu scheitern. Diesmal sind es die namenlosen Diener, die Naemann überreden sich auf die Therapie einzulassen: Was hast du schon zu verlieren? Mit Feingefühl gehen sie vor: Schwerste Aufgaben hättest Du auf dich genommen, da solltest du diese lächerliche Übung nicht scheuen. Nimm das Bad im Jordan und dann sehen wir weiter.

Das Bad wird für ihn nicht nur zum Bad der Genesung, sondern zu einem echten Bad der Widergeburt. Er wird gesund und er glaubt dem Gott, der ihn durch manche Mittelsleute geheilt hat. Er lernt etwas über den Glauben an den Gott, der durch Menschen wirkt. Darum will er sich bei dem Menschen Elisa bedanken mit vielen wertvollen Gaben.

Elisa aber lehnt alle angebotenen Geschenke ab als Zeichen, dass er es nicht ist, dem Dank gebührt, sondern Gott selber.

Aus Dankbarkeit für seine Heilung und als Zeichen seines neugewonnene Glaubens nimmt Naemann Erde mit – Erde von dem Land, das dieser Gott, den er nun als wahren Gott bekennt, seinem Volk geschenkt hat. Es ist keine heilige Erde, es ist Gabe Gottes an das Volk, an das er sich freiwillig gebunden hat, von der er mitnimmt um seinen Altar zu bauen.

Man kann Gott eben nicht einfach unabhängig von seinen Gaben anbeten.

Man kann auch nicht einfach alle Götter anbieten (Multireligiös ist nicht!). Darum bittet er um Verzeihung, wenn er in seinem Land, in seiner Stellung wohl auch Teil der dortigen Religion sein muss und an ihr teilnehmen muss – zumindest äußerlich. Sie wird ihm gewährt.

Der Gott der Bibel ist ein menschenfreundlicher Gott. Er erträgt Kompromisse – auch im Glauben, wo sie sachlich gut begründet sind.

Es geht auch um das Verständnis der Macht Gottes, der allein die wirkliche Gesundheit schaffen kann. Darum darf ich bitten, das kann ich nicht anordnen. Zwei Welten prallten in unserer Geschichte aufeinander, die auch heute noch im Widerspruch stehen:

Die Welt klarer Verhältnisse. Da wird befohlen und gehorcht. Da zählen Macht und Geld. Alles ist käuflich. Der Herrscher befiehlt seinen Geistlichen, dass sie beten sollen. Damit ist alles gesagt. So wurde auch der Buß- und Bettag in Preußen eingeführt.

Da ist die Welt des Glaubens an Gott. Hier bleibt es Gottes freie Gnade, wem er hilft und wem nicht. Diese freie Gnade verstehen wir oft nicht, und wir können da wenig bewegen. Der Prophet untersteht halt nicht irgendwelchen Mächten. Er ist Diener Gottes und kann nur mit dessen willen handeln und keine Wunderdinge selber vollbringen.

Für mich bleibt: Es sind oft nur die kleinen unbedeutenden, die mir helfen zu Gottes Willen zu finden, wie das Mädchen und die Diener, die Naeman auf die Spur Gottes bringen. Es reicht nicht einfach nur das große Wort, die große Predigt. Alles beginnt in unserer Geschichte mit dem Erbarmen der Sklavin, die ja auch andere Probleme hat. Auf dem Mitleid der nicht direkt Betroffene liegt wohl ein Segen.

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