Da wirkt Gott …

Vor ein paar Jahren, liebe Gemeinde, da habe ich Anna getauft. Sie ist behindert und mittlerweile drei Jahre alt. Oft sind die Eltern der Kleinen, sehr mutlos und verzweifelt, da ihnen die Ärzte keine Besserung in Aussicht stellen, eher ist eine Verschlimmerung der Behinderung zu erwarten. Ja, liebe Gemeinde, mutlose Stunden sind in dieser Familie keine Seltenheit.

Aber es gibt auch etwas sehr Positives zu berichten. Trotz aller Schwächen der kleinen Anna hat Gott sie mit unverwechselbaren Gaben ausgestattet. Niemand in dieser Familie, weder Vater, Mutter noch Sohn hat so viel Fröhlichkeit mitbekommen, wie die kleine Anna. Wenn wir mal einen schlechten Tag hinter uns haben und wir beschäftigen uns nur eine Viertelstunde mit Anna, dann können wir wieder lachen, erzählte mir ihre Mutter.

In vielen Bereichen wird Anna in ihrem Leben auf Hilfe angewiesen sein. Aber Gott hat sie dazu ausgewählt bei anderen Menschen Freude zu wecken. Freude, die trotz aller Schwierigkeiten nur sehr schwer nachvollziehbar ist.

Bei schwachen, kleinen, geringen Leuten, wie die kleine Anna und welche wie wir, da wirkt Gott. Er tröstet, er hilft, er läst seine Liebe erfahren, er zeigt, dass er treu ist und niemanden fallen lässt. Gott hat nicht auf Macht, Ansehen und Stärke gesetzt. Nein, er wirkt durch die Kleinen, die vielleicht nichts gelten oder sogar verachtet sind.

[TEXT]

Versuchen wir uns mal zu verdeutlichen, liebe Gemeinde, wer überhaupt zu uns gehört. ─ Es gibt da nicht viele unter uns, die nach menschlichen Maßstäben klug oder einflussreich sind oder aus einer angesehenen Familie stammen.

Und wir? Die wir schwach sind, versuchen den geraden Weg zu gehen, nicht so gut reden können und nie groß herauskommen werden, wo bleiben wir?

Die Großen und die Reichen, die mit der Macht im Bunde stehen, scheinen in dieser Welt machen und lassen zu können, was sie wollen. Die mit den großen Sprüchen, was sie alles getan haben und noch tun werden, die können keinen Fehler zugeben und keinen Rat annehmen, wenn sie nicht ganz am Ende sind. Das sind Tatsachen, die wir erkannt haben und hinnehmen müssen. Gott lässt es zu! Und wir fragen uns: Warum – und wie lange noch!

Wen hat Gott ausgesucht, wen hat er von uns berufen?

In unserem Leben gibt es auch die Erfahrung einer anderen Wahrheit: Mit schwachen, kleinen, geringen Leuten, wie wir welche sind, da wirkt Gott. Er tröstet uns, er hilft uns, er lässt uns seine Liebe erleben, er zeigt uns, dass er treu ist und niemanden von uns fallen lässt.

Hier, liebe Gemeinde, so denke ich, geschehen wirkliche, weltbewegende Dinge, hier wird entschieden, ob diese Welt noch zu retten ist und ob sich in ihr doch noch einmal, Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Frieden durchsetzen werden.

Wir alle begegnen uns in der Hoffnung auf Frieden, Frieden für diese Erde, Frieden unter allen Völkern, Frieden für unsere Gemeinde, Frieden unter uns, Frieden in den Familien, ja, das sind Wünsche, die eine jede und jeder von uns hat.

Wen hat Gott ausgesucht, wen hat er von uns berufen?

Uns alle hat er ausgesucht und berufen, uns, die wir uns nicht so wichtig nehmen, um solche Menschen kümmert sich Gott. Ja, er kümmert sich um Menschen, die ohne Macht und Einfluss sind. Denn er will uns zeigen, dass mit unserer Macht keine Gemeinschaft mit ihm zu erzwingen ist.

Nach Aussage unseres heutigen Predigttextes sind nicht die vielen weisen und auch nicht die vielen mächtigen Menschen und ebenso auch nicht die vielen Angesehene ausgesucht und berufen, sondern die Menschen, die einfältig sind, die schwach sind, gering und verachtet sind, die hat Gott ausgesucht. Und es fällt uns nicht leicht, in den kleinen Dingen des Alltags, in den Schwächen und Unzulänglichkeiten unserer Nächsten Gottes Wirken zu erkennen.

Das anmaßende Treiben der Großen und Mächtigen dieser Erde wird gewiss bleiben. Sie werden weiter ─ so lange Gott es ihnen erlaubt  ihren Vorteil suchen, ihre schlechten Taten tun und ihre negativen Spuren hinterlassen. Geduldet sind sie, aber warum, dass wir wissen nicht.

Unser Bewusstsein der gemeinsamen Berufung durch Gott, die uns in der Taufe geschenkt worden ist, scheint vielen von uns verloren gegangen zu sein. Gegensätze und feindselig ausgetragene Meinungsverschiedenheiten nehmen in unserem Leben sehr viel Raum ein und beanspruchen so ein Übermaß an Kraft.

Durch die Taufe, liebe Gemeinde, gehören wir zu den Ausgesuchten. Dort, wo uns Gott hingestellt hat, mitzuhelfen sein Werk zu vollenden, seine Worte und seinen Trost weiterzugeben, seine Kraft weiterzuschenken, da dürfen wir spüren, dass Gott bei uns ist. In unserer Schwäche ist seine Kraft verborgen. Durch eine kleine Geste von uns bewirkt er große, weltbewegende Dinge.

Wir wissen, dass wir auf Gottes Barmherzigkeit angewiesen sind. Alle, die im Reich Gottes mitarbeiten, Eltern, Erzieher, Pfleger, Schwestern, Pfarrer und Nachbarn, um nur einige zu nennen, sind glaubwürdig, wenn sie die Barmherzigkeit Gottes selbst erfahren haben und diese Erfahrung weitergeben.

Uns hat Gott ausgesucht und berufen. Er hat mit uns etwas vor! Denn wo wir am Ende sind, da geht es für Gott weiter. Uns wo wir uns klein vorkommen, da kann er etwas machen. Jesus Christus war nicht am Ende, als alles zu Ende war. Mit Gottes Hilfe, liebe Gemeinde, werden wir mehr zustande bringen, als wir manchmal denken.

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