Gott macht uns zu seinen Kindern

Liebe Gemeinde!

Der große Weihnachtstrubel ist vorbei, die Gans gegessen, die Geschenke ausgepackt. Zeit um jetzt darüber nachzudenken, was wir damit machen, unsere Geschenke auszuprobieren, die geschenkten Bücher zu lesen und über das größte Geschenk an Weihnachten nachzudenken, dass uns Gott gemacht hat. Zeit auch, sich über die Konsequenzen Gedanken zu machen, die die Geburt Jesu für uns hat. Ich möchte Ihr Augenmerk auf eine bemerkenswerte Konsequenz von Weihnachten legen. Sie lautet: Das Kind in der Krippe macht uns alle zu Kindern.

So ein bisschen wird das ja auch am Heiligen Abend deutlich: Da leuchten auf einmal auch wieder Erwachsene Augen im Schein der Kerzen. Da spielen Väter mit der gerade aufgebauten Eisenbahn, die eigentlich die Kinder geschenkt bekamen und da erinnern sich Omas und Opas, wie es damals war, als sie selbst noch Kinder waren und erzählen die Geschichten von früher: Von den Apfelsinen und den selbst gestrickten Socken oder dem gehäkelten Kleid für die Puppe. Natürlich ist das nur ein Vergleich an dem wir aber sehen können, dass es auch für uns Erwachsene immer wieder schön sein kann, Kind zu sein oder sich zumindest daran zu erinnern, wie es ist, Kind zu sein.

Kind sein zu dürfen heißt nämlich: Einfach da sein zu dürfen. Ohne große Verantwortung, ohne alles können zu müssen, ohne dass irgendjemand etwas von mir erwartet. Kind sein bedeutet eine spielerische Existenz zu haben, weltoffen und initiativ zu sein, nicht ein für alle mal festgelegt und eingeschränkt zu sein. Und auf die Spitze getrieben, wenn wir bis auf die Geburt eines Kindes zurückgehen, dann heißt Kind sein, mich darauf zu verlassen, dass für mich gesorgt ist, dass ich nichts zu dem beitragen kann, was mir zum Leben geschenkt wird und auch, dass ich noch niemandem wehtun kann, wie es mir als Erwachsener immer wieder passiert. Das Kind in der Krippe macht uns alle zu Kindern, zu Kindern Gottes. Von dieser, unserer Adoption durch Gott handelt der Predigttext, der für das Weihnachtsfest vorgesehen ist. 1.Joh 3,1-6:

[TEXT]

Liebe Gemeinde, Kind sein heißt, sich den Möglichkeiten öffnen, mit denen Gott uns ausstattet und die Kraft des Vertrauens entdecken, das Gott in uns Menschen setzt. Gottes Kind sein heißt, dass wir mit Gott immer auf einem Weg sind, nie am Ziel, aber auch nie ohne Gott, der mitgeht und unsere Entwicklung und Entfaltung will und begleitet. Gottes Kind sein, heißt nicht selbstherrlich zu sagen: Ich brauche mich nicht mehr entwickeln, ich bin schon fertig, wie es manchmal viel zu viele Erwachsene tun. Erwachsene, die Gottes Kinder sind sagen vielmehr: Ich habe in meinem Leben schon viel erfahren und erlebt und bin doch immer noch auf dem Weg, entdecke neues und staune über Dinge, die ich gerade erst zu sehen lerne.

Gottes Kinder wissen um die unverbrüchliche Hoffnung, die über ihrem Leben steht und schöpfen daraus Kraft hier und da über sich selbst hinauszuwachsen, über den eigenen Schatten zu springen, hier und da den ersten Schritt nach einem Streit zu machen, ihr Leben auszurichten an den guten Geboten Gottes und dem, was Jesus gesagt hat.

Christen sind nämlich keine fertigen, perfekten Menschen. Denn Kind Gottes sein bedeutet wachsen und sich ändern zu können. Gott scheut sich selbst nicht, Kind zu werden, sich damit auch ganz an den Anfang der Entwicklung zum Menschsein zu stellen. In Kindern sind alle Möglichkeiten angelegt, aber sie sind auch noch nicht das, was sie als Erwachsene mal sein werden. Es ist der Anfang eines Weges. Weihnachten ist ein Anfang, eine Quelle, aus dem wir im Alltag verändert leben können. Wie das Kind in der Krippe und mit dem Kind in der Krippe kann auch unser Glauben wachsen, sich entwickeln, mit der Perspektive auf die Vollendung, die uns Gott schenken wird, garantiert.

Kinder sind noch fähig, größer zu werden und strecken sich aus nach diesem mehr an Leben. In den Kindern ist das Ebenbild Gottes noch nicht verpfuscht, sie sind neu, rein, ohne Furcht und Tadel. Die Erwachsenen meinen viel zu oft, sie seien schon fertig und angekommen und sagen: Ich brauche Gott nicht. Das meint der Verfasser des ersten Johannesbriefes wenn er in diesem Zusammenhang auch von der Sünde spricht. Sünde ist die Auflehnung gegen Gott und seine lebensverändernde Kraft.

Insofern hat unsere neue Existenz als Gottes Kinder Konsequenzen, denn so sagt es der Predigttext, Gottes Kinder sündigen nicht. Wenn wir Sünde als „fern sein von Gott“ bezeichnen dann stimmt das. Wenn wir allerdings meinen, nur weil wir Gottes Liebe zu uns kennen, schaffen wir es im Leben niemandem mehr Unrecht zu tun, keine Fehler mehr zu machen, immer auch die andere Backe hinzuhalten, wenn jemand uns Unrecht tut, dann stimmt es wohl eher nicht. Denn das können wir mit der letzten Konsequenz noch nicht. Wir sind eben noch nicht das, was wir sein werden, noch nicht vollendet, eben auf dem Weg.

Aber, und das ist für den Verfasser des ersten Johannesbriefes ganz sicher: wir werden Jesus gleich sein. Wir werden genauso eine innige Verbindung mit Gott haben, wie er, wenn er uns zum neuen Leben auferweckt hat und dieses neue Leben bricht jetzt schon an, in dem Moment, wo Gott in unsere Welt kommt und sie ein für alle mal mit sich selbst verbindet und versöhnt, wo er reinen Tisch macht, wo er sich selbst dafür einsetzt, dass die Trennung von ihm überwunden ist.

Wir sind schon Gottes Kinder, aber noch verborgen unter den Zeichen des Menschseins. Wahres Menschsein, so wie Gott es sich gedacht hat, zeigt uns Jesus. An ihm können wir sehen, wie Gottes Kinder sind und einmal sein werden. So wie er mit den Menschen umgeht, so sollen wir auch mit den Menschen umgehen. Das ist ein hoher Anspruch, aber zum Glück hängt von der Erfüllung dieses Anspruchs nicht unser Geliebtsein von Gott ab. Seine Liebe und seine Anerkennung brauchen wir uns nicht zu verdienen, sie geht allem, was wir tun voraus. Gott hat uns zuerst geliebt und sogar adoptiert. Und das heißt: Trotz des Sündigens befähigt die Gotteskindschaft die Menschen das Notwendige zu tun und so in der Liebe zu bleiben.

Diesen Neuanfang, den Gott uns schenkt und die Freude darüber, dass er und seine heilvolle Vision für unser Leben die Oberhand behalten werden, feiern wir an Weihnachten. Seine Liebe zu uns feiern wir nachher im Abendmahl, zu dem Gott seine Kinder herzlich einlädt an seinen Tisch, der uns zu Brüdern und Schwestern macht und zu seinen Kindern.

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