Das einzige große Ja

Liebe Gemeinde,

Weihnachten steht vor der Tür, spätestens nächsten Sonntag ist es so weit. Bis dahin können noch Geschenke gekauft und verpackt, und wenn nötig als Päckchen verschickt werden.

Weihnachten steht vor der Tür und damit steigt die Anspannung. Warum und was bei uns dabei so vorgeht, möchte ich in dieser Predigt ein wenig beleuchten.

Wenn ein bedeutendes Ereignis bevorsteht, dann hat das sicherlich etwas mit Erwartungen zu tun. Und diese Erwartungen sind zunächst absolut unrealistisch und egoistisch. Was soll denn das Christkind alles bringen? Es soll die Kinder glücklich machen, soll erreichen, dass sich Streitende vertragen, ja, letztlich sogar den Frieden auf der ganzen Welt. Diese Flut von Erwartungen werden nicht eingelöst, oder jedenfalls nur zum Teil. Dabei gilt die Regel, wer wenig erwartet, wird auch wahrscheinlich nur wenig enttäuscht. Wer viel erwartet, kann eine große Enttäuschung erleben.

Dabei stürzen wir uns stattdessen in die Vorbereitungen. Wir wollen gar nicht an unsere Erwartungen denken. Wir wollen ja nicht wie Kinder auf unsere geheimen Wunschzettel schauen. Bei uns geht es ja längst nicht mehr um eine Lego – Eisenbahn. Bei uns geht es um viel mehr, um Liebe, Vertrauen, Sicherheit, Begegnung, Freude, .. Die Geschenke, die man mit Geld bezahlen kann, sind noch die billigsten, da wenigsten irgendwie erfüllbar, und wenn mit einem Privatkredit. Aber was ist mit den Geschenken, die man nicht kaufen kann? Es sind die wertvollsten, denn diese Geschenke verändern unser Leben nachhaltig und für lange Zeit. Und trotzdem meine ich, dass die Weihnachtsgeschichte ja gerade die Erwartung auf diese Geschenke schürt. Es kommt doch gar nicht so an auf Gold, Weihrauch und Myrrhe, sondern doch eher auf Glaube, Liebe und die Hoffnung an. Doch wie hoch legen wir die Sprunglatte, um nicht enttäuscht zu werden? Erwarten wir noch etwas im Leben oder haben wir uns längst mit allem abgefunden? Ja, gehen wir noch auf andere zu und sagen ihnen unsere geheimen Wünsche nach Liebe und Geborgenheit?

Als Beispiel für dieses Verhalten steht uns heute die Gemeinde in der griechischen Hafenstadt Korinth vor Augen. Wir haben ja nur gehört, was Paulus ihnen geschrieben hat. Aber wir können daraus doch eine Menge folgern. Paulus schrieb: Gott ist mein Zeuge, dass unser Wort an euch nicht Ja und Nein zugleich ist.

Dieser Satz ist ja überhaupt nicht denkbar ohne eine Frage, denn die Worte Ja und Nein sind in unsrer Sprache nur als Antwort denkbar. Worauf antwortet Paulus hier mit Ja oder mit Nein. Oder sagt er gar Ja, und mein eigentlich Nein? Genau das ist gemeint. Entweder hat er etwas versprochen, was er nicht gehalten hat. Man rechnet hier mit einem angekündigten Besuch, oder er hat unausgesprochen bestimmte Erwartungen geweckt.

Und da sind wir wieder bei unseren Erwartungen und Enttäuschungen. Sind wir Paulus oder sind wir die Gemeinde in Korinth, das ist jetzt eigentlich egal. Auch wir haben Erwartungen gehabt, die vielleicht enttäuscht worden sind. Oder wir haben Erwartungen geweckt und konnten den Wechsel nicht einlösen. Die Diskrepanz zwischen Erwartungen und Enttäuschungen ist oft ein Merkmal menschlicher Kommunikation. Die Erwartungen entstehen aus Worten, aus Versprechen und aus den Vorstellungen und Phantasien, die man sich damit macht. Wir müssen uns also gar nicht für Paulus oder für die Korinther entscheiden. Wir sehen, dass wir Beide sein können. Menschen, die enttäuschte Erwartungen haben, oder Menschen, die Erwartungen geweckt haben und sie nicht eingelöst haben.

Es geht ja augenscheinlich um einen Besuch des Apostels Paulus in Korinth. Ich finde dieses Beispiel für die Adventszeit recht passend. Zu den Geschenken, die sehr viel Freude machen, aber oft wenig kosten, zähle ich auch die Besuche. Nicht selten machen wir zu Weihnachten Menschen dadurch eine Freude, dass wir sie besuchen. Doch es ist klar, es sind nur zwei Feiertage. Welche Erwartungen erfüllen, welche enttäuschen wir? Und was bleibt danach übrig? Kann die Freude der einen die Enttäuschungen der anderen aufheben? Was können wir tun, damit am Ende unser Ja das letzte Wort hat?

Paulus ergänzt: Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt worden ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm. Paulus verweist zum Einen auf Silvanus und Timotheus. Es gibt also auch andere Wege, den Erwartungen zu entsprechen. Anstelle selbst zu kommen kann man Boten schicken und ihnen Briefe mitgeben. Kommunikation über Vermittlung, also Briefe, Telefonate, Emails, Päckchen und vieles mehr. Doch die Gemeinde in Korinth kritisierte Paulus deswegen. Sie hatten mit ihm persönlich gerechnet, nicht nur mit seinen Mitarbeitern. Sie wollten seine eigenen Worte hören. Darauf folgt das eigentliche Argument des Paulus: Sein Wirken ist auch nur ein Stellvertretendes. In Wahrheit sind es immer nur die Worte Jesu, die er in den Gemeinden weitergibt. Auch der Apostel ist nur eine Art Postbote. Und das, was er oder seine Mitarbeiter sagen und predigen steht im Auftrag eines anderen, des auferstandenen Jesus Christus.

Er verweist auf Jesus Christus und greift die Alternative von Ja und Nein erneut auf. In Jesus hat Gott sein Ja gesprochen. Dieses Ja Gottes ist entschieden wichtiger als die Frage, ob die Erwartungen enttäuscht worden sind.

Rein sprachlich gesehen ist das ein Ablenkungsmanöver. Paulus lenkt vom Vorwurf auf der Erwartungsebene ab und wechselt das Thema, redet theologisch vom Glauben. Man könnte meinen: typisch Pfarrer. Für die Seelsorge kommt ein solcher Themenwechsel nicht in Frage. Für Paulus jedoch ist er deshalb erlaubt, weil er ja nicht ablenkt, sondern damit auf das Thema dessen hinführt, was er im Brief der Gemeinde mitteilen will.

Daher lese ich die folgenden Verse zusammen:

20 Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe.

21 Gott ist’s aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt

22 und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.

Christus ist das Ja, die Bestätigung aller Verheißungen Gottes und stellt damit unsere Beziehung zu Gott her. Wir sagen dazu Amen, unser Leben dient dieser Bestätigung. Dazu sind wir in Christus eingefügt, gesalbt und versiegelt. Und mit dem entsprechenden heiligen Geist beschenkt.

Was heißt das alles für die Spannung zwischen Erwartungen und Enttäuschungen in Bezug auf das Weihnachtsfest? Können wir hierzu auch sagen: Das ist alles nur vorläufig und menschlich bedingt?

Paulus erinnert uns einfach daran, die Gewichte richtig zu verteilen, damit nicht der Weihnachtsmann das letzte Wort hat. Das worauf es eigentlich und entgültig ankommt, ist bereits geschehen. Nicht unsere Geschenke, unsere Besuche und Bemühungen lassen es Weihnachten werden, sondern das Ereignis, das 2000 Jahr her ist: Christus ist geboren. Es ist sein Fest und nicht unser Fest und nur auf sein Fest bereiten wir uns vor.

Am Donnerstag wurde eine Musiksendung im Fernsehen gezeigt, in der viele moderne und auch alte Weihnachtslieder gesungen wurden. Einige Künstler äußerten sich zu den Liedern. Dabei sagte Nena, und das fand ich echt gut: Weihnachten ist meines Wissens nach das Fest der Geburt Jesu Christi. Und das ist das einzige große Ja.

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