Treu ist Gott

Der 4. Advent ist geprägt von der Einleitung de Wochenspruchs: Philipper 4,4.5b: Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Ich habe früher diesen Anfang oft als Befehl gehört. Er wurde von Pfarrern oder Presbytern so herausgerufen, dass ich als Jugendlicher nur erzittern konnte. Ich hatte mich gefälligst zu freuen hieß die Botschaft des 4. Advents – zu freuen nicht auf Weihnachten, sondern über diesen Herrn, der nahe ist und der dann oft auch zum ‚Fürchtegott’ wurde. Erst später lernte ich, dass dieser Vers eben so nicht gemeint ist, sondern als Ermutigung in schweren Zeiten, als Einladung: Du darfst dich heute freuen, auch wenn Du Angst hast oder leidest, auch wenn du vor Einsamkeit, Arbeitslosigkeit, Beziehungsstreit oder Kränkungen nicht weiter weißt. Du darfst dich freuen, weil Befreiung nahe ist.

Dieser Vers und sein Sonntag, der 4. Advent ist aber auch geprägt von dem Bewusstsein, dass schon seit 2 Jahrtausenden Menschen einander mit diesem Vers ermutigen oder vertrösten – je nach Gemütsverfassung. Er ist darum auch geprägt von der Angst: Was wenn dieser Vers nur warme Luft ist? Er widerspricht der Erfahrung meines Alltags. Er ruft in mir Widerspruch und Hoffnung zugleich vor.

Dazu gesellt sich in diesem Jahr ein Text aus dem 2. Brief des Apostels Paulus an die Korinther. Er hatte Streit mit der Gemeinde in Korinth, mit ‚seiner’ Gemeinde. Das tat ihm weh. Um so mehr, dass er nicht unschuldig war. Er hatte versprochen, sie zu besuchen – und er konnte sein Versprechen nicht einhalten. So schreibt er seinen Brief mit dem Versuch sich zu rechtfertigen, aber auch mit dem Hinweis, dass es Wichtigeres gibt, als die Frage, ob er sein Wort hält oder nicht:

[TEXT]

Unser Text ist formal die Begründung des Paulus warum er die Gemeinde nicht besucht hat. Er sieht sich dem Vorwurf des Wortbruches ausgesetzt. Paulus beruft sich auf Gott und Jesus Christus, deren Wort eindeutig ist. So eindeutig ist auch sein Wort. Die Taufe ist das Unterpfand der Treue Gottes und der Treue von Menschen, die an Gott glauben.

Grundlage ist das Wort an einen Gemeindeleiter, dem Vorwürfe gemacht werden nicht ehrlich geblieben zu sein. Worte, wie sie heute immer wieder vorkommen, gegen PfarrerInnen, PresbyterInnen, Eltern, Vorgesetzte etc. Es geht im Kern um mangelnde Glaubwürdigkeit, ein Problem mit dem sich jeder Christ / jede Christin immer neu auseinandersetzen muss, ein Kampf, der auch in jedem / jeder selbst tobt.

Paulus muss zugeben, dass er es nicht schafft, sein gegebenes Wort einzuhalten – und er weiß, dass das zu seiner menschlichen Beschränktheit gehört – und kann nur beteuern, dass das nicht seinem Willen entspricht. Ihm geht es da wie manchen Eltern, die an Weihnachten nicht das Gewünschte haben. Sie wollten, aber konnten nicht. Paulus benutzt dieses Geschichte aber um über sich hinauszuweisen. Ja, er betont, dass es manchmal auch zu Gottes verborgenem Willen gehören kann, dass Menschen untreu sind, sich selbst und ihren Zielen nicht treu bleiben können.

Das Große JA Gottes zu den Menschen ist in Jesus Christus geschehen. Das worauf wir warten: Weihnachten ist ein Beleg für die Treue Gottes. Er ist zu den Menschen gekommen. Er hat das gemacht, was Paulus verwehrt blieb. Er hat die Seinen besucht und sich ihnen zugewandt. Jesus hat diese Freundlichkeit Gottes gelebt. Diese Freundlichkeit, diese Liebe ist Gott. Und Gott redet eindeutig und wir kennen seine Botschaft. Wir wissen, was dran ist, und tun doch Anderes. In Jesus Christus ist uns der Wille Gottes erschienen, der in der Trias von Glaube, Hoffnung, Liebe mündet – und wo kommt es an bei den Getauften?

Treu ist Gott

Im Mittelpunkt steht nicht die Person, die manchmal nicht in der Lage ist, Zusagen einzuhalten, sondern die Treue Gottes. Gott kommt! So wie er in seinem Sohn Mensch geworden ist und in ihm seine Zusagen eingehalten hat, so wird er auch fernerhin seine Zusagen einhalten und Mensch bleiben. Denn die Zusage des Advents geht über Weihnachten hinaus. Gott will wiederkommen, um die Seinen zu besuchen. Er will mit uns seine Menschwerdung feiern und uns dann befreien aus aller Angst und Einsamkeit. Diese Zusage steh im Kern dessen, was der Apostel Paulus schreibt – und darum könne die Korinther vielleicht ja akzeptieren, dass Paulus sein Wort nicht einhalten kn, weil sie wissen, dass sie es Gott wert sind, dass er sie besucht, dass er zu ihnen kommt . Darum dürfen sie sich freuen, nicht über Paulus, sondern ‚im Herrn allewege’; denn er ist nahe!

Durch die Taufe sind Menschen hineingenommen worden in die unverbrüchliche Zusage Gottes – in das Ja Gottes zu seinen Geschöpfen.

In unserer Taufe begegnet uns das JA Gottes täglich neu. Wir dürfen Kraft und Selbstbewusstseins schöpfen aus der Botschaft: Gott hat sein JA über uns gesprochen bevor wir selbst dafür irgend etwas leiste konnten. Wenn wir uns an unsere Taufe erinnern spüren wir vielleicht auch, dass diese Zusage von der Treue Gottes mehr ist als heiße Luft – und wenn wir Ende der Woche in die Krippe schauen, dann dürfen wir bekennen: dieser Gott ist treu. Er hat besucht diejenigen, die Hilfe brauchen und er wird auch mich besuchen.

Es bleibt ein Anklang an das Magnifikat, das wir als Lesung gehört haben: er stößt die Mächtigen vom Thron, er ist gekommen, die Menschen zur Demut zu führen. Zu jenem Mut, der lehrt, die Brüchigkeit eigener Pläne zu erkennen und auf Gott zu vertrauen, der treu ist.

Ich kann resignieren angesichts der Tatsache, dass auch der Apostel es nicht schafft treu zu bleiben. Ich kann aber auch seine Botschaft annehmen und akzeptieren, dass ich es nicht schaffe Dinge durchzuhalten, dass ich es vielleicht auch nicht immer schaffe meine Glauben durchzuhalten, aber dass es trotzdem Christus in meinem Leben gibt, der treu ist und treu bleibt. Ich bin nicht verlassen, auch dort nicht, wo ich den Pfad verlasse, der gut ist.

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