Haushalter der mancherlei Gnade Gottes

An viele Verstorben eines Kirchenjahres denken wir zurück. Für mich ist diese öffentliche Verlesung ein wichtiger Punkt im Leben der Gemeinde, gerade zu unserer Zeit, wo manche Menschen meine, der Tod sei etwas Privates. Nein, er ist öffentlich. Da gibt es viele Menschen für die sind mit dem Tod eines geliebten Menschen Erlebnissee, Erinnerungen, Gefühle gestorben. Die mussten wir auch zu Grabe tragen und so ist dieser Tag auch ein Tag der Erinnerungen, aber auch ein Tag der Hoffnung. Der Hoffnung für die Verstorbenen, aber auch der Hoffnung für mich in meinem Leben, dass ich Menschen, die mir etwas bedeutet haben, nicht vergesse, dass ich auch meine Wurzeln nicht vergesse.

Unser heutiger Predigttext ist ein Gleichnis, dass mich daran erinnert, dass das Thema heute nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft ist:

[TEXT]

Paulus selber hat sich als Haushalter der Gnade Gottes bezeichnet. Dieser Begriff begegnet mir auch hier (Verwalter) aber mit einem etwas anderen Zungenschlag. Er provoziert meine Frage, wie die Frage der Jünger: Bin ich’s? Auf diese Frage will ich eine Antwort finden und ich muss sie täglich neu finden. Nicht für Andere, für mich: Bin ich ein guter Verwalter dessen, was mir anvertraut ist. Darum geht es letztendlich: Um Treue: wer ist er denn, der treue Verwalter. Es geht um meine Treue, die Antwort sein kann auf das, was mir anvertraut ist.

Es geht für mich nur um den einen Punkt: Ich darf nicht müde werden, etwas zu erwarten. Und ich will nicht müde werden in dieser Erwartung auch wirklich zu leben – gerade im Umgang mit Menschen, die mir wichtig sind, mir etwas bedeuten. Manchmal ertappe ich mich dabei, angesichts eines runden Geburtstages zu denken: Das meiste vom Leben ist nun vorbei – als hätte ich nicht mehr zu erwarten als den Tod. Das Leben, das Gott mir anvertraut ist aber viel mehr als die Jahre zwischen Geburt und Tod. Dieses Leben in seiner ganzen Fülle will ich erwarten.

Ich lebe in der Gegenwart, aber er schenkt mir eine Zukunft. Und im Vertrauen auf diese Zukunft darf ich das Meine tun. Ich darf Fehler machen, aber ich darf meine Verantwortung in meinem Leben nicht verpassen. Davon ist deutlich die Rede, dass auch dem verantwortungsvollen Knecht Fehler unterlaufen können.

Der zweite Knecht ist der, der sich in falscher Sicherheit wiegt. Darum macht er sich selber zum Chef – ich bin der King. Ich darf regieren, wie ich will und Menschen behandeln als wären sie Nichts. Eine ganz alltägliche Versuchung, die jedem Mitarbeiter bekannt ist, der ein wenig Macht hat. Eine ganz normale Geschichte wie ich sie von mir kenne, als Freund, als Nachbar, als Vorgesetzter, als Vater und als Sohn. Überall da wo ich einen Zipfel Macht ergattere, stehe ich in der Versuchung, diese Macht zu missbrauchen. Sie anzuwenden um mich groß und Andere klein zu machen. Schon eine kleine Information über einen Menschen verleiht mir Macht, die ich missbrauchen kann.

Der rechte Haushalter bleibt Knecht. Der Adressat des Textes ist klar: Die Wissenden und Mächtigen haben eine besondere Verantwortung und sind besonders gefährdet im Glauben angesichts der ihnen verliehenen Möglichkeiten. Wem besonders viel anvertraut ist, der auch ein besonders große Verantwortung. Das kennen wir aus dem Arbeitsleben, aber es gilt genauso in unserem Alltag.

Jede meiner Entscheidungen für oder gegen Gottes Willen hat direkte Folgen für meine Mitmenschen, für die Menschen, die mir anvertraut sind.

Ich muss nicht Mönch werden, um ein frommer Mensch zu sein, aber ich will mein tägliches Leben gestalten in dem Bewusstsein: Der Herr kommt nicht, er ist schon mitten unter uns. Aber nicht zur Abrechnung sondern als Bruder. In Christus sind der Richtende und der Vergebende eine Person, aber gegenüber dem Bruder Jesus trage ich Verantwortung für das, was ich aus meinem Leben gemacht habe. Darum steht in der Mitte unserer Geschichte eine Seligpreisung: Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, das tun sieht.

Ziel ist das dauernde Leben mit Gott, das wach bleiben, nicht die Bestrafung oder ähnliches. Ziel ist es von Gott etwas zu erwarten und darum sich bereithalten für ihn. Das will ich täglich neu versuchen: Mein Leben verantwortlich leben vor Gott und den Menschen.

De Eingangsfrage provoziert zur Gegenfrage: Herr bin ich’s. Diese Frage kann uns an den Abendmahlstisch begleiten. Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über seine Leute setzt, damit er ihnen zur rechten Zeit gibt, was ihnen zusteht?

Bin ich wie Paulus der gute Haushalter der mancherlei Gnade Gottes?

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