Geldanlage

Liebe Gemeinde,

am Volkstrauertag gedenken wir der Toten der Weltkriege. Wir erinnern uns an den Schmerz und das Leid, dass diese Kriege über unsere Familien und über die Menschen in den Ländern gegen die Deutschland gekämpft hat, gebracht haben. Damit verpflichten wir uns, dafür zu sorgen, dass unser Land sich nicht wieder auf so schreckliche Abenteuer einlässt. Bei dieser Erinnerung machen wir uns Gedanken darüber, wie wir in Frieden leben können.

Ich hoffe, dass unser Predigttext heute uns Hinweise dafür gibt, wie das gehen kann: In Frieden miteinander leben. Ich lese Lukas 16,1-9:

[TEXT]

Das ist eine merkwürdig unmoralische Geschichte. Er wundert uns so etwas aus dem Mund von Jesus zu hören. Kann die uns wirklich etwas dazu sagen, wie wir in Frieden leben können?

Ich denke schon. In der Geschichte geht es um den Umgang mit Besitz und Geld. Und witzigerweise redet Jesus hier nicht nur über den Umgang mit dem eigenen Geld sondern auch über den Umgang mit dem Geld, das eigentlich jemand anders gehört. Um Besitz geht der Streit in unserer Geschichte. Um Besitz werden auch die Kriege geführt. Im zweiten Weltkrieg ging es um Land für das Volk, dass davon angeblich zu wenig hatte. Hitler hat versucht seinen Besitz, sein Herrschaftsgebiet auszudehnen. Heute werden Kriege um Öl und Wasser geführt.

Unsere Geschichte sagt uns etwas dazu wie wir Kriege vermeiden können. Und zwar sowohl mit Waffengewalt ausgetragene Weltkriege als auch Kriege mit der Nachbarschaft und Auseinandersetzungen in der Familie. Diese Geschichte Jesu verändert unseren Blick auf Geld und Besitz. Sie betrachtet Geld und Besitz völlig anders als wir es gewohnt sind, und ermöglicht uns also auch ein völlig anderes Verhalten gegenüber Geld. Wenn wir die Geschichte ernst nehmen, wird ab sofort Geld in unserem Leben eine völlig andere Bedeutung erhalten.

Stellen Sie sich vor vor ihnen liegt ein Aktenkoffer voller Geldscheine, sagen wir 100 000 Euro. Was denken Sie? Was fragen Sie?

Ich würde als erstes fragen, wem gehört das Geld? Und als zweites würde ich fragen, wie ist die Person dazu zugekommen? Hat sie es auch verdient dieses Geld zu haben? Hat sie dafür ordentlich gearbeitet? Vielleicht würden ich auch fragen, wie kann ich dieses Geld bekommen? Wie kann ich dafür sorgen, dass es mir gehören wird.

Jesus fragt völlig anders. Jesus fragt: Wie kann ich das Geld einsetzen, um meine Zukunft zu sichern? Das Geld, der Besitz ist da. Es interessiert überhaupt nicht wo er herkommt und wem er gehört, ob er irgendjemand zu recht oder unrecht gehört.

Jesus steht auf dem Standpunkt: Besitz und Geld können wir sowieso nicht behalten. Es ist vergänglich. Wir können es nicht mit ins Grab nehmen. Wenn sich unser Leben ums Geld verdienen, Geld behalten, Geld ausgeben dreht, dann sind wir verloren.

Ich kann das gut nachvollziehen. Ich habe es leidvoll erlebt, wie zwei alte Menschen, darunter gelitten haben, dass sie ihr Haus und ihren Garten nicht mehr so pflegen konnten, wie sie das ihr Leben lang gewohnt waren. Der Rücken tat ihm so weh, dass er das Laub von dem Nussbaum nicht mehr jeden Tag wegrechen konnte. Sie wollte gar nicht mehr aus dem Fenster in den Garten blicken und dann das Gras sehen, dass unter dem Baum kaputt gegangen ist. Haus und Garten, die schön gewesen waren als die Kinder klein waren und auch noch als die Enkel darin spielen konnten, waren jetzt zur Belastung geworden. Sie haben nur noch Sorgen gemacht. Die beiden haben versucht ihren Besitz festzuhalten als das nicht mehr ihrem Leben gedient hat. Der Versuch ihren Besitz festzuhalten, hat ihnen eine Menge von ihrem möglichen Lebensglück im Alter genommen.

Jesus sagt in seiner Geschichte: Versucht eueren Besitz und euer Geld nicht zu behalten. Es geht sowieso nicht. Geld ist nichts, was wir uns langfristig sichern können. Wenn wir Geld oder Besitz haben, sind wir immer in der Gefahr ihn auch wieder zu verlieren. Und wir sind in Gefahr unser Leben damit zu verschwenden, ihn behalten zu wollen. Jesus sagt mit seiner Geschichte: Besitz und Geld, ob gerecht oder ungerecht erworben, ist nichts schlechtes aber auch nichts gutes. Wichtig ist allein, wie er verwendet wird. Wichtig ist nicht, wo er herkommt, wichtig ist was ihr draus macht. Und in der Hinsicht zeigt Jesus uns den ungerechten Verwalter als Vorbild. Der verwendet nämlich die Verfügungsmacht über den Besitz des Herrn solange er sie noch hat, um seine eigene Zukunft zu sichern. Er sorgt vor für die Zeit, wo er nichts mehr besitzen wird. Und das lobt Jesus. Das nennt er klug und in der Hinsicht findet Jesus den Verwalter vorbildlich.

Jesus empfiehlt uns wie der Verwalter zu handeln. Wir sollen also unser Geld und unseren Besitz einsetzen, um unsere Zukunft, in der uns Geld und Besitz nichts mehr nützen werden, zu sichern. Der Verwalter in unserer Geschichte verschenkt das Geld, das ihm gar nicht gehört, um sich damit Beziehungen zu schaffen und einen zukünftigen Ort zum Wohnen zu sichern.

Was ist das für eine Zukunft, in der Geld und Besitz uns nichts mehr nützen werden? Für den Verwalter ist das klar, es ist die Zukunft in der der Herr ihm die Verfügungsmacht über seinen Besitz entzogen haben wird.

Aber wie ist das für uns? Was für eine Zukunft kann Jesus da gemeint haben? Ich glaube Jesus meint damit unsere Zukunft überhaupt, und zwar sowohl unsere Zukunft auf dieser Erde als auch jenseits unseres Sterbens. Für beide gilt, das Geld und den Besitz so einzusetzen, dass es lebensdienlich ist. Der Verwalter macht das, indem er das Geld verschenkt. Und Jesus nennt es klug, das Geld, das man sowieso nicht behalten kann, zu verschenken.

Ich glaube auch für uns ist es klug, unsere Seele und unsere Zeit und unsere Glückserwartung nicht an das Geld zu hängen, sondern es öfter mal zu verschenken. Denn was sichert unsere Zukunft wirklich? Ist das wirklich die Höhe der Rente, oder sind es nicht vielmehr die Beziehungen, in denen wir auch im Alter noch leben wollen.

Lohnt es sich für uns zum Beispiel uns mit unseren Geschwistern um das Erbe zu streiten? Wäre es nicht klüger uns vor allem darum zu kümmern, dass wir uns gegenseitig gut verstehen und wir eine Lösung finden, die alle als gerecht betrachten und wo wir uns danach noch in die Augen sehen können?

Und das gilt auch für unsere Gesellschaft als Ganzes. Wir sehen gerade was in Frankreich passiert, wo die Einwanderer in den Vorstädten, einfach nicht die gleichen Lebenschancen wie die alteingesessenen Franzosen haben. Die Autos gehen in Flammen auf. Es gibt sicher keine Rechtfertigung für die Gewalt in diesen Jugendbanden. Aber ich frage mich schon, was mit einer Gesellschaft passiert, in der der Besitz immer ungleicher verteilt wird. Wenn hier die Reichen weiter ihren Reichtum als ihr gutes Recht betrachten und nicht bald ihre Verantwortung für die Armen und Benachteiligten entdecken, dann wird es bald sein wie in Venezuela, wo die Reichen eine Menge Geld dafür ausgeben müssen, um ihre Kinder vor Entführungen zu schützen. Und das ist für die Kinder der Reichen auch kein gutes Leben immer mit Bodyguards unterwegs sein zu müssen.

Auf Dauer gibt es Frieden nur, wenn wir alle lernen, unser Herz nicht ans Geld zu hängen. Geld ist nicht dafür da, um es zu besitzen und es anzusammeln oder großzügig auszugeben. Jesus sagt: Geld ist dazu da, um es zu verschenken, um damit Beziehungen herzustellen, und dafür zu sorgen, dass alle eine gute Zukunft haben. Wenn Geld dazu dient, dann ist nichts dagegen zu sagen.

Leider fehlt uns die Macht, unsere Finanzwirtschaft so zu organisieren, dass Geld genau diesen Zweck erfüllt. Aber das wäre doch einmal eine Aufgabe, darüber nachzudenken, wie unsere Wirtschaft aussehen müsste, damit Geld für das gute Leben für alle verwendet wird.

Soweit sind wir allerdings noch nicht. Trotzdem können wir selbst aber auch schon jetzt etwas tun: Wir können uns nämlich das Geld und den Besitz, über den wir verfügen ansehen und uns fragen. Wie können wir unser Geld und unseren Besitz so einsetzen, dass er dem Leben dient, dass er unsere Beziehungen fördert, dass er für uns und für andere auch die Generationen nach uns auch für Menschen in anderen Ländern die Zukunft sichert?

Eine spannende Frage oder? Ein neuer Blick auf unser Geld auf unseren Besitz? Ein neuer Blick auf unsere Handlungsmöglichkeiten?

Ich wünsche Ihnen viele gute Ideen bei der Beantwortung dieser Frage für ihr eigenes Leben. Gottes Geist möge uns leiten und uns helfen mit unserem Besitz so umzugehen, dass wir seinem Willen für unsere Welt näher kommen. So können wir hoffen, dass Gottes Friede sich in uns und in unserem Land und in unserer Welt ausdehnt.

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