Das Beste bewahrt für das Fest der Liebe

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde!

Es gibt wohl kein Fest, das so gründlich und so lange vorbereitet wird wie eine Hochzeit. Braut und Bräutigam, Brauteltern und Schwiegereltern, Familien und Freundinnen planen die Hochzeit bis in die Einzelheiten festlich und oftmals sehr persönlich. Das gilt übrigens für viele Kulturen und Religionen, nicht nur für Christen, Juden und Moslems. Bücher oder Spielfilme gibt es viele, in denen eine Hochzeit im Mittelpunkt steht. Auf Hochzeitsmessen wird alles präsentiert, was das Herz für das „Fest der Liebe“ begehrt. Und deshalb, weil es um das „Fest der Liebe“ geht, den Anfang eines gemeinsamen Lebensweges, die Gründung einer neuen Familie, einer neuen Generation, deshalb haben die Hochzeitsfeierlichkeiten eine so hohe Bedeutung. Das „Fest der Liebe“ hat ja immer etwas von einem Tag Himmel auf Erden.

Wenn Menschen verliebt sind, geben sie sich gern gegenseitig Zeichen: einen Kuss, eine Rose, ein Herzchen als Unterschrift unter einen Liebesbrief. Jugendliche, die dieses Gefühl zum ersten Mal empfinden, sind oft voll davon, dem oder der anderen zu zeigen, was sie füreinander empfinden. Sie haben „Schmetterlinge im Bauch“ , d. h. sie sind verwandelt, die Gefühle flattern. Natürlich gilt das nicht nur für junge Menschen, sondern auch für Paare, die schon länger zusammenleben und manchmal eine halbe Ewigkeit lang ihr Leben teilen. Ich habe Menschen kennen gelernt, die mir anvertraut haben, welche persönlichen, zärtlichen, liebevollen Zeichen gegenseitiger Liebe sie auch nach 40 oder 50 oder nach noch mehr Ehejahren verbinden, Zeichen, die mich anrühren. Solchen Ehepaaren wird es geschenkt, das Fest der Goldenen oder Diamantenen Hochzeit zu feiern. Diese Bezeichnungen erzählen vom großen Wert, von der goldenen oder diamantenen Beständigkeit dieser Liebe zwischen zwei Menschen. Und dann brennt das Feuer der Liebe noch über den Tod hinaus, nicht einmal der Tod scheint solch eine Liebe scheiden zu können.

Bei jeder kirchlichen Trauung erinnere ich in meiner Ansprache an solche seltenen Erfahrungen einer beständigen Liebe, Erfahrungen, die mich staunen lassen, Erfahrungen, die einem jungen Brautpaar ein leuchtendes Vorbild sein können in einer Gesellschaft, in der so viele Beziehungen scheitern und die Liebe zwischen zwei Menschen stirbt. Doch am Tag der Hochzeit möchte ich nicht bittere Tränen weinen über viele Scheidungen. Ich will das Hochzeitspaar mit der frohen Botschaft einer langen und heute von Gott gesegneten Liebe auf den gemeinsamen Lebensweg schicken.

„Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm,“ so bringt es Johannes in seinem 1. Brief sozusagen theoretisch auf den Punkt. Dieser Gott begegnet uns in Fleisch und Blut in Jesus. Und nirgendwo besser als bei einer Hochzeit kann dieser Gott der Liebe den Anfang setzen, den Beginn seines gemeinsamen Lebensweges mit den Menschen, dem Fest der Liebe. Da werden zwei Menschen „ein Fleisch“, wie es im 1. Mose heißt. Es ist derselbe Begriff, den das Johannes-Evangelium für das große Geheimnis Jesu verwendet: Und das Wort ward Fleisch …“ Und da geht es um Verwandlungen: aus der Tochter wird eine Braut und eine Schwiegertochter, aus dem Sohn ein Bräutigam und ein Schwiegersohn, und aus der Liebe zweier Menschen, aus dem „einen Fleisch“ kann neues Leben, können neue Persönlichkeiten entstehen. Hochzeit ist Verwandlung. Zwei vermählen sich zu etwas Neuem, einer neuen Einheit.

Bei der Hochzeit in Kana, der Name erinnert an das Gelobte Land, stehen jüdische Traditionen im Hintergrund, jüdische Reinigungsriten, die Hochzeit am dritten Tage, das ist der Dienstag bis zum Sabbat, eine Hochzeitswoche wie damals bei Jakob und Rahel. Es steht die Tradition der zarten, erotischen Liebe zwischen Mann und Frau im Hintergrund, wie sie im Hohelied Salomos poetisch zum Ausdruck kommt. Dieses Buch, das Juden an ihrem höchsten Fest, dem Passafest lesen, beginnt mit den Worten: „Er küsse mich mit dem Kusse seines Mundes, denn deine Liebe ist lieblicher als Wein.“ Und es heißt zuletzt: „Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des HERRN.“ Es kann kein Zufall sein, dass Jesus gerade an einem Hochzeitsfest seine Liebe, die am Ende stark ist wie der Tod, und seine große Leidenschaft für die Menschen offenbart. Es kann kein Zufall sein, dass Jesus dieses Fest der Liebe zum Fest der Fülle verwandelt. Es kann kein Zufall sein, dass der Rabbi Jesus – vermutlich war er wie jeder andere Rabbi selbst verheiratet – seinen Jüngern gleich zu Beginn ein klares Zeichen gibt, ein Zeichen, dass für sich selbst spricht: Meine Liebe ist stark wie der Tod und meine Leidenschaft wandelt Wasser in Wein. Ich bin gekommen, damit sie das Leben in Fülle haben (Joh. 10,10). Ich gebe nicht das Beste zuerst, sondern das Beste zuletzt wie ich mein Leben am Ende hingeben werde für die Freunde (Joh. 15,13). Deshalb habe ich den besten Wein für das Fest der Liebe bis zuletzt bewahrt.

Am Ende heißt es: „Und seine Jünger glaubten an ihn.“ Darum geht es. Die schöpferische Kraft Jesu, die Wasser in Wein verwandelt hat, verändert auch die Jünger. Sie entwickeln Vertrauen. Sie spüren: Hier wirkt eine unsichtbare Macht auf die sichtbaren Elemente. Sie sehen: Jesus bringt Freude und Glanz in die Gesichter der Menschen. Sie schmecken: Im Wein ist Wahrheit, Süße, Lebensfülle. Sie glauben und vertrauen ihm.

Auch wir können Vertrauen lernen. Wie bei einer Hochzeit können wir uns ihm anvertrauen und unser Leben mit Jesus teilen. Wir können wie die Mutter Jesu bei der Hochzeit zu Kana auf seine verwandelnde Kraft vertrauen und auf die Möglichkeiten und die Fähigkeiten Jesu zu setzen. Wir können unseren Blick von der Leere, vom Mangel abwenden, können auf seine Gegenwart sehen und die Fülle erwarten. Glaube versetzt Berge. Vertrauen gibt unserem Leben die entscheidende Richtung, in die es sich entwickeln und verändern kann wie das Wasser in den Reben des Weinstocks vom Licht der Sonne in die Süße der Trauben verwandelt wird.

Glaube verwandelt die Dinge und unser Leben. Martin Buber erzählt: Ein Rabbi lebte lange Zeit mit seiner Frau in großer Armut. Am Sabbatabend steckte die Frau die Kerzen in einen Leuchter aus Lehm, den sie selber geknetet hatte.

Später wurden sie reich.

An einem Sabbatabend sah der Rabbi, als er, vom Bethaus heimkehrend, die Stube betrat, wie seine Frau mit einer stolzen Freude den breitarmigen Silberleuchter betrachtete: „Dir ist jetzt hell“, sagte er, „ mir ist damals hell gewesen.“

Wir sind arm dran, liebe Gemeinde, wenn wir schon alles haben. Glaube verwandelt, indem wir Jesus vertrauen, dass die Erfüllung noch kommt. Jesus verwandelt die Dinge und unser Leben. Er hat das Beste bis zuletzt bewahrt für uns und das Fest der Liebe.

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