Auf die Prägung kommt es an

Liebe Gemeinde,

diese Woche habe ich einige Besuche in der Gemeinde gemacht und mehr als einmal wurde über die schwierigen Zustände in der heutigen Zeit geklagt.

Nächsten Sonntag ist Wahl. Geht zur Wahl; prüft die Kandidaten im Licht der Bibel, achtet darauf, ob den Parteien der christliche Glaube wichtig und wertvoll ist.

Wenn wir uns die Situation des heutigen Textes anschauen, dann zeichnet sich ein noch viel schrecklicheres Bild. Jerusalem, die Stadt Gottes, ist zerstört, der König, der Gesalbte Gottes, ist abgesetzt. Das Schlimmste ist, dass die Feinde den Jerusalemer Tempel verbrannt haben. Der Prophet Hesekiel hat in einer Vision gesehen, wie die „Schechina“, die unsichtbare Anwesenheit Gottes, den Tempel vor seiner Zerstörung verlassen hat. Und so verwundert die Klage nicht, die in den Klageliedern kurz zuvor angestimmt wird:

„Der Herr will von seinem Tempel nichts mehr wissen, seinen Altar hat er entweiht.“

Die Leute damals hatten keine Wahl, zumindest keine Bundestagswahl. Aber hatten sie wirklich keine Wahl?

Doch sie hatten eine Wahl. Egal wie schrecklich die Verhältnisse sind, egal was wir erlebt haben, egal wie es uns gerade geht: wir haben immer eine Wahl. Die Bewohner der zerstörten Stadt Jerusalem hätten sagen können, es geht uns schlecht. Gott und verlassen, alles setzen wir uns hin und klagen bis an unser Lebensende. Dann hätte sich nichts getan und Jerusalem wäre für immer eine Trümmerwüste geblieben.

Nein, so diesen Weg haben nicht alle gewählt, sondern einteige haben gesagt (V.22+23): „Die Güte des HERRN ist’s, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß.“

Wir leben noch und also hoffen wir noch, vor allem hoffen wir noch auf Gott. Er schenkt uns für jeden Tag, die Kraft, die wir brauchen. Wir haben also die Wahl, von was wir unser Leben prägen lassen. Lassen wir es von Leid und Not prägen. Oder hoffen wir auf die Güte und das Erbarmen Gottes.

Ich will das an einem kleinen Beispiel verdeutlichen, ich habe einen Siegelring mitgebracht. In so einen Siegelring sind verschiedene Symbole gestochen, die dann in das weiche Wachs gedrückt werden. Unser Leben gleicht diesem Wachs, es wird immer wieder geprägt mit oder ohne unseren Einfluss. Dort wo wir Einfluss haben, sollten wir uns überlegen, wir haben die Wahl:

Lassen wir uns von der Not und den Problemen prägen, dann trägt unser Leben auch die Zeichen der Not und Probleme tragen. Oder lassen wir uns von Gottes Hoffnung, Güte und Erbarmen prägen, dann wird unser Leben auch von Gottes Hoffnung, Güte und Erbarmen bestimmt.

Es gab Menschen, die haben damals im zerstören Jerusalem das zweite gewählt. Sie haben mitgeholfen, dass sich die Lage ändern konnte. Die Zustände in Jerusalem haben sich nicht sofort geändert. Jerusalem und der Tempel bleiben zerstört. Aber das Verhältnis der Menschen zu den Zuständen hat sich geändert. Sie lebten mit Gottes Hoffnung, Güte und Erbarmen. Und so haben sich langfristig die Zustände geändert: nach siebzig Jahren wurde Jerusalem und der Tempel wieder aufgebaut.

Wie lasse ich mein Leben von Gottes Hoffnung, Güte und Erbarmen prägen?

24 Der HERR ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen.

Zuerst einmal brauchen wir Hoffnung. Damit wir die Hoffnung kennen, die Gott uns schenkt, hilft es uns, wenn wir uns seine Versprechen anschauen. Seine Versprechen finden wir in der Bibel. Bibellesen schenkt Hoffnung. Damit wir die Bibel richtig verstehen, hilft es, wenn wir sie mit anderen lesen. Hierzu bietet ein Hauskreis eine gute Möglichkeit.

25 Denn der HERR ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt.

Gottes Güte erfahren wir, wenn wir im Gebet mit Gott reden. Gott hat sein Versprechen gegeben, das jedes Gebet ankommt. Ein noch größeres Versprechen hat er auf das Gebet von mehreren gelegt, so dass ein Gebetskreis, in dem sich Menschen zum beten treffen, ein ort ist, an dem wir Gottes Güte erfahren können.

26 Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des HERRN hoffen.

Zum Dritten brauchen wir Geduld. Die Rettung und der Wiederaufbau von Jerusalem haben siebzig Jahre gedauert. Gott hilft in seinem Erbarmen, allerdings liegt der Zeitpunkt in seiner Hand. Dieses geduldige Warten ist eine Frucht aus dem Glauben. Zu Stärkung des Glaubens bieten wir immer Glaubenskurse an, bei den abkündigungen werde ich heute etwas dazu sagen.

Noch auf etwas Zweites will ich hinweisen: Hier lernen wird eine wichtige Lektion darüber, wie Gott in der Welt handelt. Die Menschen in Jerusalem sind am Ende, sie gehen über Ruinen ihrer Hoffnung. Sie haben nichts, aber Gott gibt ihnen alles.

Es ist nicht so, dass der Mensch 90% selbst bringt und Gott gibt ihm die restlichen 10% dazu. Gott gibt alles, doch dazu muss ich erst mit leeren Händen vor Gott stehen. Die Menschen in Jerusalem haben das buchstäblich erfahren, die zerstörte Stadt, keinen König und den verbrannten Tempel. Gott hat ihnen alles genommen, damit sie merken, Gott gibt alles.

Alles von Gott erwarten, das heißt es, sich von der Barmherzigkeit Gottes prägen zu lassen.

Wenn es um unser Heil, unsere Rettung zum ewigen Leben geht macht die Barmherzigkeit Gottes keine Kompromisse. Entweder Gott schenkt uns alles, oder nichts. Gott gibt uns nicht 10% dazu, die uns noch fehlen, sondern Gott gibt uns 100%.

Taufspruch L.

Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich. Psalm 16, 11 Wenn er sein Leben von Gott prägen lässt, dann erfährt er Freude die Fülle und Wonne ewiglich.

Taufspruch S.

Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. Jesaja 40, 31

Hier ist das angesprochen, das wir alles, das wir 100% von Gott erwarten sollen.

Es ist tröstlich, dass nach Tiefschlägen, die wir durch Gottes Hilfe überwinden, wieder neue Erfolge kommen.

„31f Denn der HERR verstößt nicht ewig; sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte.“

drucken