Eine dreifache Schnur reißt nicht (Pred 4,9-12)

Pred 4,9-12
[9] So ist’s ja besser zu zweien als allein; denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe. [10] Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf. Weh dem, der allein ist, wenn er fällt! Dann ist kein anderer da, der ihm aufhilft. [11] Auch, wenn zwei beieinander liegen, wärmen sie sich; wie kann ein Einzelner warm werden? [12] Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei.

[Im Verlauf der Predigt habe ich etwa 1 m lange Schnüre in den angesprochenen Farben miteinander verknüpft.]

Den Bibeltext, den Ihr Euch für diesen Augenblick ausgesucht habt, er steht im Alten Testament, im Buch Prediger Kapitel 4, die Verse 9 bis 12:

[TEXT]

Liebe N.N., lieber N.N., liebe Hochzeitsgemeinde,

ich bin bei den vielen Gedanken, die den Wert des Miteinander von zwei Menschen beschreiben, an dem Bild von der Schnur hängengeblieben. Ich hab mir überlegt, welche Farbe wohl die Schnur haben müsste, die Deinen Lebensfaden, liebe M… beschreiben könnte?

Ich bin auf die Farbe blau gekommen. Und hier habe ich dann auch eine blaue Schnur. Blau die Farbe des offenen Himmels, der freundlich über uns lacht. Als solch einen freundlichen und in seiner Grundmelodie fröhlichen Menschen habe ich Dich kennengelernt.

Bei Deinen Eltern bist Du als ihr einziges Kind behütet aufgewachsen, hast eine Ausbildung als Kinderpflegerin, später dann als Erzieherin gemacht, hast in diesem Beruf in H. und B. gearbeitet. Du bist ein kreativer Mensch, der gerne bastelt, der aber auch Musik liebt, im Chor gesungen hat, Gitarre spielen kann.

Ich finde, die Farbe blau passt zu Dir, gelingt es Dir doch oft auch dann, wenn der Himmel verhangen scheint und trüb, die Wolken beiseite zu schieben für Dich, für N.N. und für andere und zu Deiner Grundmelodie des Lebens zurückzufinden.

N.N., welche Farbe ist mir bei Dir eingefallen? Wegen Deiner Firma und Deines Umgangs mit gedruckten Buchstaben hab ich ganz kurz über die Farbe schwarz nachgedacht, den Gedanken aber schnell wieder weggewischt, weil das eine etwas triste und dunkle Farbe ist, die Dich nicht beschreiben kann.

Ich bin auf eine Schnur in dieser Farbe gekommen. Gelb – die Farbe der Post. Sie beschreibt etwas, was Du von Kindheit an zuerst als Hobby, dann als Beruf betrieben hast: das Briefmarkensammeln. Das hast Du Deinem Vater abgesehen, der nun schon seit 5 Jahren tot ist, aber uns noch immer so gut im Gedächtnis; der uns heute fehlt. Nach der Schule sind Briefmarken Dein Beruf geworden, in einer Briefmarkenhandlung hast Du den Handel damit gelernt und bis jetzt begleiten sie – privat und beruflich – dein Leben. Die Genauigkeit, die gerade zu solch einer Tätigkeit dazugehört, hast Du ganz sicher von deiner Mutter mitbekommen. Vor allem aber die Musikalität, die Dich in die Big-Band gebracht hat, zusammen mit deiner Schwester, eine Band, in der Du noch heute mitspielst.

Irgendwann sind dieser blaue und dieser gelbe Lebensfaden dann zusammengekommen. Das hat mit einer weiteren Farbe zu tun, die euch beide verbindet. Eine Farbe, die sich aus der Mischung Eurer beiden Farben, von blau und gelb ergibt.

Kennengelernt habt Ihr Euch im Grünen, bei einer Paddeltour in Schweden. Zunächst ein flüchtiges Begegnen. Erst Jahre später intensivere, andere Blicke, die in dem Anderen mehr als einen Kameraden sahen. Auf einem Seminar in einem verwunschenen Waldheim, da kamt ihr zusammen. Von da ab wart Ihr zusammen. Von da ab haben sich die blaue und die gelbe Schnur umeinander geschlungen, sich zwei Lebensfäden miteinander verknüpft.

Wie diese beiden Schnüre, so haben sich ab 1997 Eure beiden Lebensfäden miteinander verbunden.

Und nun beschreibt die Bibel in Eurem Trautext, wie gut das ist, wenn zwei sich verbinden: "Zwei liegen beieinander und wärmen sich, wie kann ein Einzelner warm werden?" so fragt der Prediger – wer sagt denn da noch, unser Glaube hätte keinen Platz für Sinnlichkeit und Körperlichkeit. Auch das gehört dazu, wenn zwei Menschen zusammenkommen und sich lieben.

Das ist ein ganz dicker Knoten für eine Beziehung. Aber auch dies: "Es ist besser zu Zweien als allein … Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf."

Wirklich ein lebenserfahrener Mensch, der Prediger: er sagt nicht: Wenn erst einmal zwei sich gefunden haben, ist alles gut. So nach dem Motto der Hollywoodschnulzen, über die Kurt Tucholsky einmal gesagt hat : "Gewöhnlich wird beim Happy-End im Kino einfach abgeblend – da hat se nun den Gentleman – na und denn?" Im Alltag muss es sich zeigen, wie stark das Band ist, das beide verbindet, wie fest die Schnur geknüpft ist. Auch das habt Ihr erfahren. Auch mit Krisen müssen zwei Menschen umzugehen lernen. Es dann wieder neu miteinander versuchen. Mit dem anderen so lange reden, bis es ausgetragen ist – da knüpft sich das Band neu, wird immer fester. Erst nach einer solchen Erfahrung wart Ihr Euch sicher, dass Eure Beziehung nun haltbar genug ist. Der Heiratsantrag daraufhin so ganz romantisch im Strandkorb beim Sonnenuntergang auf Juist.

Inzwischen wohntet Ihr beide in W., nach einem kurzen Ausflug in das Geschäftswesen hast Du, liebe N.N., eine Stelle im Kindergarten bekommen, Dein Gewerbe, lieber N.N., entwickelte sich positiv. So habt Ihr vor 4 Jahren das alte Fachwerkhaus kaufen können, das Euch Heim, aber auch Aufgabe geworden ist. Genau heute vor einem Jahr habt Ihr standesamtlich geheiratet, da hofftet Ihr, bald zu viert zu sein und musstet es schmerzhaft erleben, dass Eure beiden Jungens tot zur Welt kamen.

Gerade in der Zeit danach habt Ihr erlebt, wie gut es ist, nicht allein zu sein auch mit dem Schweren, das einem auf den Lebensweg gelegt werden kann. Fällt einer, ist da etwas, was ihn bedrückt, dann ist der andere da und richtet ihn auf. Dann wird es wieder warm und hell für beide. Da hat die Schnur, die Euch verbindet, eine neue Festigkeit bekommen. Und manchmal ist es schon so, dass Ihr festgestellt habt: wir denken viele Dinge gleich, haben manchmal ganz ähnliche Wünsche, sind im Fühlen und Denken oft eins. Da ist viel an Bindung gewachsen.

Und heute soll nun noch ein Knoten dazukommen, wir alle, die Familie, die Freunde, wir sollen Zeuge sein. Euer Trautext hat es schon anklingen lassen. Er betont zunächst, wie gut die Zweisamkeit ist – nun auf einmal, beim Bild mit der belastbaren Schnur, da kommt noch etwas dazu: nicht nur zwei Lebensstränge verbinden sich, von Anfang an knüpft sich noch einer in das Leben hinein: "Eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei". Der Prediger weiß etwas davon, dass dort, wo Menschen sich in Liebe verbinden, immer auch Gott im Spiel ist. Gott, von dem wir glauben, dass er der Ausgangspunkt und Garant aller Liebe ist.

Ich habe als seine Farbe die des Goldes genommen, der Reinheit, der Beständigkeit, des höchsten Wertes. Gott will sich in Euren Bund hineinknüpfen. Er gibt heute seinen Segen zu Eurem Bund. Seine Zusage, Euren Weg zu begleiten, sein Wort, um Euer Ja-Wort fest zu machen. Viele versuchen es allein. Und sie überfordern sich so oft dabei, scheitern einer am anderen. Wo Gott mit hineingeknüpft wird in das Leben, da kann Gelassenheit aufziehen, die aus dem Wissen kommt, dass wir die wichtigsten Dinge im Leben eben nicht selber machen und tun können, das wir sie uns schenken lassen müssen. Ist Eure Liebe nicht eben dies: ein wundervolles Geschenk?

Der, der sie Euch geschenkt hat, von dem ihr wisst und den Ihr ganz bewusst mit in Eure Ehe hineinnehmen wollt, er wird dann auch weiterhin schenken, was zur Festigkeit Eures Bandes wichtig ist. Etwa in dem, was er uns an guten Bildern der Liebe in Jesus Christus geschenkt hat. Jesus, der sie gelebt hat als Zuwendung zu den Menschen, in der Vergebung, im Mittragen der Last des Anderen. Der für uns aber auch der Garant ist, dass kein Leben für Gott verloren ist, dass er es aufhebt bei sich. Gott, der -wenn er sich hineinknüpft in Euer Leben – seinen Geist der Liebe und der Menschfreundlichkeit und der Freude unentwirrbar zum Teil Eures Lebens macht.

Diese dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei.

Und dann kann sich in diese Schnur noch hineinweben ein weiterer Lebensfaden – unbeschrieben und weiß – wie dieser – so wie er es ja schon jetzt tut- und wir hoffen, dass er bald sichtbar und hörbar und spürbar zu Eurem Leben dazugehört. Und, wer weiß, was noch dazukommt.

Und es entsteht eine bunte, farbige, feste Schnur gemeinsamen Lebens
– belastbar an schwierigen Tagen,
– eine Freude an vielen anderen
– so wie heute, wo wir mit Euch diesen Tag feiern.

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