Was Gott mit mir reden will

Ich bin ja eigentlich ein frommer Mensch – nur in die Kirche gehe ich relativ selten’ – solch einen Satz höre ich meist mit Erläuterungen relativ häufig. Menschen begründen damit, dass sie selten in die Kirche gehen.

Ich tu mich dann immer etwas schwer damit, ihnen zu sagen, dass ich ihnen gerne glaube, dass sie gute Menschen sind, den Besuch des Gottesdienstes aber trotzdem für unerlässlich halte und dass es wenig mit meiner Eitelkeit zu tun hat, wenn ich darunter leide, wie wenigen Menschen heute der Besuch des Gottesdienstes noch wirklich wichtig ist.

Im Kern der Sache geht es aber im Gottesdienst immer wieder neu darum, zu hören, was Gott mit mir reden will, zu bedenken, was das für meinen Alltag bedeutet und zu genießen, dass Andere mit mir auf einem Wege unterwegs sind.

Jesus betont warum das Hören auf sein Wort und das Erleben seiner Gemeinschaft so wichtig für uns selber ist:

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Vorhin haben wir die Seligpreisungen als Psalm gebetet. Mit den Seligpreisungen beginnt nach dem Entwurf des Matthäusevangeliums Jesus seine öffentlich Predigt. Und er beginnt nicht damit, dass er Menschen zurechtweist, zur Umkehr ruft oder in ihre Schranken weist. Er beginnt damit, dass er Menschen, die nichts zu lachen haben, selig nennt. Das ist kein billiges Vertrösten auf irgendeine Zukunft, die im Ungewissen liegt, sondern das ist eine Aussage, die hier und heute gilt: Menschen am Rande sind die Menschen, denen die Zuwendung Jesu und seiner Gemeinde im ganz Besonderen gilt. Wenn ER Menschen selig preist, dann auch, weil er weiß, dass es Menschen gibt, die ihm nachfolgen, und sich verantwortlich dafür fühlen, dass die Elenden, die hungernden und Dürstenden, die Friedenstifter und die Verfolgten in seine Gemeinde Heimat finden.

Jesus hat dieses Vertrauen in seine Gemeinde. Er weiß, dass seine Rede nicht wirkungslos bleiben wird, sondern Menschen vor die Entscheidung stellt, wie ihr Standpunkt aussehen soll.

Die Möglichkeiten des einfachen Hausbaus in Palästina sind vorausgesetzt. Es geht nicht darum, ob der eine ein guter Baumeister ist und der Andere nicht. Es geht um den Grundsatz: töricht oder nicht. Wie im Gleichnis von den zehn jungen Frauen. Dass sie nicht töricht sind, erkennt man an ihrem planvollen Handeln, daran, dass sie den langen Atem haben und wissen wofür sie leben. An den Anderen erkennt man, dass sie töricht sind daran, dass sie relativ planlos ihr Ziel anstreben. Beide Hausbauer können so gut bauen wie sie wollen, wenn das Fundament nichts taugt, taugt alles nichts.

Es ist schon seltsam, wenn ein Wanderprediger, der ja bewusst auf seine eigenes Haus verzichtet anderen Erklärungen zum Thema Hausbau gibt – vielleicht als klares Signal: Es gibt wichtigere Häuser als die aus Lehm und Stein – das Haus des Lebens, und dessen Fundament muss stimmen.

Jesus gebraucht diesen Vergleich als klare Ansage.: Du selber musst für Dich entscheiden, wie das Fundament aussieht, auf dem Du baust. Aber vergiss nicht: Deine Entscheidung hat Folgen. Keiner baut ein Haus für sich alleine. Häuser sind für Familienmitglieder, Freunde, Gäste, auch Nachbarn. Sie alle leiden mit unter der Fehlentscheidung des Häuslebauers.

Du bist getauft. Damit hast du eine unzerstörbare Basis für dein Leben erhalten. Damit bist du aber auch mitverantwortlich für die Anderen, die Menschen um dich herum.

Zwei Menschen bauen ein Haus – das einzige, was sie unterscheidet ist das Fundament. Der Sandboden, der in Palästina tückisch ist – und der Fels, der schwer zu bearbeiten ist. Es ist nicht das leichteste, ein Fundament in einen Fels zu hauen, ohne Sprengstoff und schweres Gerät, allein mit Muskelkraft. Manchmal muss man sich auch erst einmal durch den Sand durchgraben bis zum Fels. Aber es lohnt. Das Haus ist solide. So ist es mit meinem Lebens-Fundament auch. Es ist nicht einfach zu finden, es fällt mir nicht so einfach zu. Ich muss hart daran arbeiten und auch manches erleiden. Wie dieser berühmte Mann, dem „Fels“ als Ehrennamen gegeben wurde: Simon, den Jesus Petrus nannte. Nicht weil er so standhaft war. Er war wacklig, wankelmütig. Ob wir so einen zum Pfarrer wählen würden, der stürmisch vorprescht: „alle mögen dich verlassen, ich bleibe bei dir“ und dann doch kläglich versagt. Ich bin skeptisch – und entdecke doch gleichzeitig so viel von diesem Petrus in mir. Mir fallen meine Zweifel, mein Versagen und meine Hilflosigkeiten ein. Ich bin auch manchmal ganz schön großmäulig und dann kleinmütig.

Mir ist es eine große Lebenserfahrung, wenn ich dann in der Geschichte dieses Petrus lerne, wie er im Glauben gewachsen ist, sein ganzes Leben lang. Wie er auch in allen Irrtümern nicht resigniert hat, sondern begriffen hat: Jesus will mit mir gehen, durch mein Leben, er will mit mir sein auch in meinen Fehlern. „Es gibt keinen Menschen auf dieser Erde, den Gott nicht liebt“, hat ein Mensch gesagt. Petrus hat das erfahren. An sich selber. Vielleicht ist er deswegen zum Urbild aller Päpste geworden. Ich lerne an diesem Petrus, was Martin Luther meinte als er sagte: „Täglich neu muss ich aus der Taufe kriechen“. Täglich neu will ich lernen das zu sein, was ich bin – durch die Taufe: Gottes geliebtes Kind, sein Fels. Das Fundament meines Lebens soll nicht auf Sand, sondern auf Fels gebaut sein.

Wenn ich zum Abendmahl gehe, dann ist das der Gedanke, der mich an den Tisch des Herrn begleitet: „Es gibt keinen Menschen auf dieser Erde, den Gott nicht liebt“. Das tröstet mich und im Abendmahl spüre ich, wie ich geborgen und gehalten werde, wie er doch mein Fels ist, mein Fundament, dass mich in der Bahn hält.

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