Die etwas andere Reise

Reisen bildet, liebe Gemeinde, Reisen macht Spass, Reisen schafft Abwechslung. Reisen schenkt Erholung und neue Eindrücke.

Sommerzeit- Reisezeit. Ich war schon, andere sind noch und wieder andere fahren bald auf Reisen in den Urlaub. Ja natürlich auch das gehört dazu, dass Urlaub auch Stress sein kann, Strapazen, dass viele sich einen Urlaub kaum mehr leisten können, weil ein Eis, ein Kaffee oder ein Mittagessen irgendwo in den Urlaubsregionen für viele unbezahlbar geworden ist. Und man manchmal auch enttäuscht von einer Reise zurückkehrt.

Und doch gilt die Sommerzeit ist dies schönste Zeit im Jahr und, mit den Schulferien hat die große Reisewelle begonnen und wenn wir ehrlich sind, reden wir auch sonst im Jahr gern darüber wo wir waren, wo wir gern mal hin möchten und was wir als nächstes planen, wir sind mobil geworden. In alle Richtungen bewegen sich Menschen, verlassen ihren Alltag und ihre vertraute Umgebung, verlassen Trott und Routine, um in, 50, 300,1000 oder mehr Kilometern Entfernung aufzutanken oder abzuschalten. Es zieht uns in die Sonne, an das Meer, in die Berge, wir suchen Abenteuer, oder Langeweile uns reizt das Vertraute, oder das ganz Fremde. Noch nie konnten wir so viel und so weit Reisen.

Es gab Zeiten, die sind noch gar nicht so lange her, da gab es das nicht Urlaub und auch verreisen mit der ganzen Familie. Da blieb man in der Ferien zuhause, oder im Schrebergarten un das höchste aller Gefühle war ein Verwandtenbesuch. Jedenfalls für die Mehrzahl der Menschen, den weit größeren Teil der Gesellschaft.

Und dann gab es etwas, das für uns norddeutsche Protestanten zunächst einen fremden Unterton hat, Wallfahrten, Pilgerreisen. Reisen zu heiligen Stätten, von denen besondere Kräfte ausgehen sollen, an denen besondere Kirchen oder Wallfahrtstätten zu entdecken sind.

Reisen, als Weg zu Gott. Als Weg zu einem Ort, von dem man glaubt, dort Gott näher zu sein, als zuhause.

Vielleicht haben sie auch schon vom Jakobsweg gehört, oder sind ihn selbst abgewandert oder gefahren, dieser Pilgerweg führt als Zielpunkt nach Santiago de Compostela einem Ort an der spanischen Atlantikküste. Ich selbst war noch nie dort, aber ich habe Freunde, die sich sehr intensiv mit dieser Route befasst haben. Und soviel habe ich verstanden, es ist ein beschwerlicher Weg, wenn man ihn läuft oder radelt und man reist mit leichtem Gepäck. Alles lassen, sich reduzieren auf das wesentliche, keine fünf Taschen ins Auto oder in den Flieger, nur das nötigste, das aller nötigste geht mit auf den Weg. Und überall bieten Menschen den Pilgern ihre Gastfreundschaft an, aber auch das, keine kuschelige Pension, sondern einfachste Quartiere, mal so eben ein Dach über dem Kopf an manchen Stellen. Ein Weg zu Gott der besonderen Art.

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So lesen wir es bei Jesaja.

Vielleicht ist das so, dass wir uns bewegen, in den Urlaub fahren, Reisen, weil wir dann den Kopf frei haben, weil wir dann nicht sehen, was noch alles zu tun ist, wo eigentlich wieder gestrichen werden müsste, wo der Garten guckt oder der Keller, wo Arbeit liegen geblieben ist, oder Einladungen nun endlich ausgesprochen werden sollten. Vielleicht ist es so, dass sich bewegen, reisen auch frei macht, für eine Zeit, von dem was uns im Alltag gefangen nimmt.

Und vielleicht ist es auch so, dass wir uns am Sonntag auch bewegen uns aufmachen an einen besonderen Ort, in die Kirche, um auch ein wenig zu verreisen aus dem Alltag. Weil wir hier abschalten können und still sitzen und ruhig sein, was zuhause nicht geht, oder auch um etwas mit anderen zu tun, zu erleben, was zuhause fehlt. Wir machen uns auf, wir bewegen uns, nicht nur mit dem Kopf, nicht nur mit dem Herzen Gott zu, sondern auch mit unseren Füssen. Alles, der ganze Mensch ist in Bewegung zu Gott.

Wir bewegen uns sozusagen auf Gott zu, wenn wir losgehen, nicht mit großem Gepäck, aber doch bewusst mit Schlüssel, manchmal auch mit eigenem Gesangbuch und gehen los. Und auf dem Weg schon, lassen wir etwas hinter uns, den Frühstückstisch, das Gespräch am Morgen, vielleicht auch die erste Hektik des Tages, bis wir hier in der Kirche ankommen, um Gott zu begegnen.

Und sicher ist so eine Wallfahrt, ob nach Taize, nach Rom, nach Jerusalem oder auf dem Jakobsweg eine noch intensivere und eindrücklicher Form sich Gott zu nähern, die einmal oder auch mehrfach im Leben erlebt, die Kraftreserven oder die Glaubensfreude noch auf eine ganz andere besondere Art und Weise auftanken lässt, als ein Sonntagsgottesdienst es vermag.

Jesaja denkt, träumt, sieht und hofft noch weiter, Alle Völker, wirklich alle Völker, aller Glaubensrichtungen und Nationalitäten werden zum Zion ziehen. Wie die Ameisen vom Zucker, wie die Bienen zu duftenden Blüten, die Schmetterlinge zu Leuchtfarben, die Motten ins Licht, die Schnecken zum Salat, die Durstigen zur Wasserader, die Hungrigen zu den Töpfen. Was sie allle zieht, ist der elementare Wunsch aller Geschöpfe, es ist der Wunsch zu Leben, der Lebensdurst, der Lebenshunger, die Sehnsucht nach einem gelungenen Leben.

Und niemand braucht, so Jesaja, wenn alle Völker und Menschen so vereint sind, noch die speziellen Regeln und Gesetze des eigenen Landes, der eigenen Religion, denn alles ist auf einmal klar und offensichtlich. Ein schönes Bild, alle Menschen friedlich vereint, Schwerter umgeschmiedet zu Pflugscharen, doch kaum zu glauben für uns. Sind wir schon so skeptisch geworden, so ernüchtert so realistisch, das das Träumen nicht mehr in Frage kommt. Und wenn es denn so käme, wie Jesaja es beschreibt.

Dann wären wir nichts besonderes mehr, wir wären keine der führenden Nationen dieser Welt, sondern nur eine unter vielen. Und auch das ,die Weisung vom Zion ist kein Missionsbefehl, ist nicht der Ruf Christ oder Jude zu sein. Die Weisung von Zion, sie ist ein Geschenk an alle Völker, sie soll den globalen Hunger nach Gerechtigkeit stillen, Grenzen überschreitend erweist sie sich als Recht für alle. Was für ein Traum, was für ein Gott, was für eine Hoffnung. Aber was auch für ein Rätsel, wird damit der christliche Glaube möglicherweise in Frage gestellt.

Und doch irgendwie bringt dieser Aufbruch etwas mit sich. Bewegung.

Ja und so wie man im Alltagsfrust kurz vor dem Urlaub für sich denkt, ach was soll es denn, alles wird schlechter, nichts ist mehr wie früher, die Aufgaben werden immer mehr, das Geld immer weniger und alles ist irgendwie kraftlos und mutlos. Dann die Wahlen, die Weltwirtschaft, alles ist zu spät. Kommt man dann aus so einem Urlaub zurück und denkt, es geht auch anders.

Und es geht tatsächlich auch anders. So haben Menschen vor bald 150 Jahren gedacht, dass ganz unmöglich sei, dass es einmal Frieden zwischen Bayern und Preußen geben könnte. Vor 60 Jahren war ein Dauerhafter Friede zwischen Frankreich und Deutschland noch ganz undenkbar. Vor 20 Jahren hätte man jeden für verrückt erklärt, der behauptet hat, das Polen und ein vereintes Deutschland gemeinsam Teil einer europäischen Gemeinschaft ist. Niemand hat an Frieden in Südafrika oder auch an Demokratie in manchen Ländern Südamerikas geglaubt.

Und warum sollen wir dann nicht auch auf Frieden in Israel und Palästina, im Irak, im Sudan oder auf dem Balkan träumen dürfen?

Ja und auch das gehört dazu, irgendwann nach jedem Urlaub hat der Alltag uns wieder und es wird mühsamer den täglichen Botschaften der Fernsehbilder stand zu halten und nicht zu resignieren. Und es wird mühsamer, trotz kleiner werdender Gemeinden noch von grossen Wallfahrten zu träumen, weil doch der Abschied von vielem, was vertraut und gut war, schwer fällt.

Und doch, so bleibe ich im Bild, geht es wie nach jedem Urlaub darum sich neue Ziele zu suchen, wann auch immer sie erreichbar sein werden, aber sie in den Blick zu nehmen, darauf zu sparen, sich zu freuen, sich für ein Gelingen einzusetzen und das heißt schon sich auf den Weg machen. Und warum, soll es nicht auch mit leichterem Gepäck und kleineren Unterkünften möglich sein Gott zu begegnen, oder vielleicht ja gerade da, wenn man den Pilgern glaubt.

Ein Ziel, eine Sehnsucht, die uns dazu führt, dass wir aufstehen nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herz und mit den Füssen, auf Gott zu, ihm entgegen. Eintreten für eine Umgestaltung den Welt in Gottes Sinne.

So eine Sehnsucht, wünsche ich uns, denn sie ist spannender und lockender als der schönste Urlaubsort.

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