Gott schreibt auf krummen Linien gerade

Liebe Gemeinde, Liebe zukünftigen Konfirmandinnen und Konfirmanden, Liebe Eltern,

ich will die heutige Predigt mit einem kleinen Rätsel beginnen. Eigentlich haben die elf Brüder gedacht: „Jetzt haben Ruhe, jetzt sind wir ihn los.“ Und tatsächlich, sie hatten auch viele Jahre Ruhe vor ihrem kleinen Bruder. Bis es ihnen schlecht ging und sie im Ausland betteln gehen mussten. Später haben sie dann Asyl dort beantragt. Glücklicherweise hatten sie gute Beziehungen, so dass ihr Asylantrag auf Anhieb positiv beschieden wurde.

Doch die elf blicken nun bleich, kauen auf den Lippen. Ganz deutlich fürchten sie sich. Verlassen fühlen sie sich, beklemmend verlassen. Der Vater ist tot.

Ihr habt es sicher schon gemerkt, es sind Josefs Brüder, von denen hier die Rede ist. Sie haben Josef in den Brunnen geworfen und nach Ägypten verkauft. Und als sie bei einer Hungersnot dorthin gehen mussten, trafen sie ihn unversehens wieder. Glücklicherweise, denn die Familie siedelte nach Ägypten. Und es ging gut, bis Jakob ihr Vater starb. Der Vater Jakob, der wie ein Schutzwall zwischen den Brüdern gewirkt hatte, lebt nicht mehr. Josefs Brüder können sich nicht mehr hinter seinem breiten Rücken verstecken.

Und nun rutscht den Brüdern das Herz in die Hose. Es war ja damals auch schon eine große Schurkerei gewesen, ihren Bruder als Sklave zu entsorgen. Und nun Familie hin oder her, jetzt wo der Vater gestorben war, war da nicht ein guter Zeitpunkt für Josef, sich für all das zu rächen. Nun musste er keine Rücksicht mehr auf seinen alten Vater nehmen. Solche Gedanken kreisten in den Köpfen der elf Brüder und sie überlegen sich was zu tun sei. Und was sie taten, davon berichtet uns der heutige Predigttext:

[TEXT]

Letzte Woche ging es in der Predigt um Eifersucht. Hier in unserer Geschichte geht es auch um eine spezielle Form der Eifersucht, die Geschwisterrivalität. Und so wollen wir uns heute mit dem beschäftigen, wie Eifersucht in guter Art und Weise überwunden werden kann.

Eifersucht macht blind, ich will das an zwei Dingen verdeutlichen. Zuerst ein Witz: Ein Mann ruft zu Hause an. Sein Sohn ist am Apparat. "Gib mir doch bitte mal die Mama!" "Geht nicht, die Mama liegt mit einem fremden Mann im Bett." "Was? Dann gehst du jetzt zu meinem Schreibtisch, holst die Pistole heraus und erschießt die beiden." Der Junge geht vom Telefon weg, man hört zwei Schüsse und der Junge meldet sich wieder: "Und jetzt?" "Jetzt wirfst du die beiden in den Swimmingpool." "Aber wir haben doch gar keinen Swimmingpool!" "Oh Mist – dann habe ich mich wohl verwählt …"

Eifersucht trifft nicht immer den richtigen, denn Eifersucht macht blind.

Das zweite Problem: Taten der Eifersucht können zur Rache führen. Aus Opfern werden Täter. Das wäre genau dann passiert, wenn Joseph sich an seinen Brüdern gerächt hätte.

Rache ist süß, aber ist die den bittern Nachgeschmack wert. Viele Leute haben für ihre Rache schon bitter bezahlen müssen.

Wie hat Joseph das erste Problem, das Eifersucht blind macht, überwunden. Er hat sich die Sehhilfe des Glaubens schenken lassen. Warum hilft der Glaube, die Dinge in richtiger Weise zu sehen:

1) Joseph hat sein Problem zuerst mit Gott abgemacht und so den richtigen Blick und den richtigen Abstand dazu bekommen. Ich kann jedem nur raten, mit seinen Fragen und seinen Problemen sich im Gebet an Gott zu wenden. Das liegt nicht daran, dass Gott unsere Fragen und Probleme nicht kennt. Das liegt viel mehr daran, dass Gott sie von uns hören möchte, dass wir von ihm Hilfe erwarten. Wenn ich mit Eifersucht oder Geschwisterrivalität zu tun habe, dann ist Gott die erste Adresse, an die ich mich wende. Wenn ich das tue, ist das der Schritt auf dem Weg, auf Rache zu verzichten. Gott sagt in der Bibel: mein ist die Rache. Das heißt jeder, der die Rache in die Hand nimmt, stellt sich außerhalb des von Gott gesteckten guten Rahmens. Das wird auch gleich klarer, wenn wir uns folgende verdeutlichen: Auf dieser Welt wird es keine wirkliche Gerechtigkeit geben. (aktuelles Beispiel verwenden) Erst im Gericht Gottes, bei dem auch alle Motive, alle Gedanken und alle Fakten offen liegen werden, wird es wirkliche Gerechtigkeit geben.

Das Angst sitzt tief, das wir etwas verpassen, wenn wir uns nicht rächen. Doch es tatsächlich so, das wir etwas verpassen, wenn wir über den Verzicht der Rache nicht nachdenken. Und damit sind wir beim zweiten:

2) Warum hat Joseph sich nicht an seinen Brüdern gerächt? Auch hier müssen wir einen Blick auf den Glauben, vor allem den Glauben an Gott, den Vater Jesus Christi werfen. Was mich am christlichen Glauben überzeugt, ist die Lösung der Schuldfrage. Schuld wird weder unter den Teppich gekehrt, noch wird sie hin und her geschoben, sie wird vergeben.

Das ist die einzige Lösung, die mich überzeugt, denn was vergeben ist, ist weg. Joseph hat gemerkt, dass Vergebung Zukunft ermöglicht. Die Vergangenheit schwebt noch wie ein böser Geist über dem ganzen, es war die ganzen Jahre nicht geklärt:

„Die Brüder Josefs aber fürchteten sich, als ihr Vater gestorben war, und sprachen: Josef könnte uns gram sein und uns alle Bosheit vergelten, die wir an ihm getan haben. Darum ließen sie ihm sagen: Dein Vater befahl vor seinem Tode und sprach: So sollt ihr zu Josef sagen: Vergib doch deinen Brüdern die Missetat und ihre Sünde, dass sie so übel an dir getan haben. Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters!“

Ob der Vater es wirklich gesagt hat, oder ob es eine Schutzbehauptung der Brüder ist, können wir nicht heraus bekommen. Aber auf das kommt es auch nicht, worauf es ankommt ist:

„Vergib doch deinen Brüdern die Missetat und ihre Sünde, dass sie so übel an dir getan haben.!“

Der erste Schritt ist Vergebung, egal ob der Schuldige oder das Opfer anfängt, einer muss anfangen. Wenn der Schuldige beginnt, dann heißt so wie hier bei den Brüdern, das sie zu Joseph sagen: „Wir haben Mist gebaut, bitte vergib uns“ Wenn das Opfer anfängt, dann wäre das, wie wenn Joseph zu den Brüdern sagen würde: „Glaubt ihr das war ok, wie ihr gehandelt habt, als …“

Der erste Schritt, den kann jeder tun und hier kommt es nicht auf die andere Partei an. Das ist unsere Aufgabe.

Das zweite ist ob die andere Partei es annimmt. Im Idealfall ist das das Beste, so wie Josef hier reagiert hat.

Der andere Fall ist, dass die andere Partei nicht darauf eingeht. Dass ist dann nicht unsere Aufgabe, sie davon zu überzeugen, wir dürfen sie Gott anbefehlen.

Eines dürfen wir nicht vergessen: Eifersucht und Rache stellen sich automatisch bei uns ein. Wenn wir nichts tun, ist das der Normalfall. Wenn wir das überwinden wollen, dann müssen wir diese Gefühle angehen. Und nun kommt das zweite: damit wir das schaffen, bittet uns Gott seine Hilfe an. Nachher im Schlusslied werden wir es singen: O Herr, deine Sanftheit löst all meine Bitterkeit, Deine Liebe empfang ich Herr. O Herr, deine Lieblichkeit verwandelt die Lieblosigkeit, Deine Liebe empfang ich Herr. (3x)

Gott vergibt uns und will unsere Bitterkeit und Lieblosigkeit durch seine Liebe heilen.

Gott schreibt auf krummen Linien gerade. Das ist ein Satz der nur im nach hinein gesprochen werden kann. Er greift, wenn das Kind, äh Joseph in den Brunnen gefallen ist. Das ist auch zugleich deine Chance. Egal wo dein leben steht, Gott etwas aus deinem Leben machen. Joseph hat die Chancen seines Lebens in die Hand genommen, indem er es mit Gott gelebt hat. Und er hat etwas ganz wesentliches beherzigt. Leben kann nur vorwärts gelebt und rückwärts verstanden werden.

So wie Josef, wenn er sagt: „Ihr wolltet mir Böses tun, aber Gott hat Gutes daraus entstehen lassen.“

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