Gott meint es gut mit uns.

Liebe Gemeinde,

Gott meint es gut mit uns.

Es gibt verwickelte und durchwachsene Familiengeschichten und Lebensgeschichten. Mittendrin sieht manches oft ziemlich düster und trostlos aus, wenn sich Geschwister streiten oder übervorteilen wollen, wenn Eltern für ihre Kinder unerreichbar sind, wenn Misstrauen, Neid und Hass die Atmosphäre vergiften, wenn es nicht möglich ist, danke zu sagen, wenn… sicherlich könnte ich hier noch einiges hinzufügen. Es gibt Stationen, an denen wir innehalten können und Rückschauhalten, ja Bilanz ziehen. Es gibt Stationen, an denen wir alles, was das Leben uns gegeben hat dankbar bedenken können, trotz aller Probleme. Es gibt eben solche Stationen, an denen wir unser Glück über das, was gelungen ist, anderen weitersagen können. Dann treten die Schwierigkeiten in den Hintergrund und wir können sagen:

Gott meint es gut mit uns.

Die Worte, die wir als Predigttext gehört haben sind Teil einer langen Geschichte, der Josephsgeschichte. Ich kann in dieser kurzen Predigt die ganze Josephsgeschichte unmöglich nacherzählen, möchte aber trotzdem auf einige Stationen eingehen. Es sind die Stationen, die jetzt in diesem Rückblick, in dieser Bilanz indirekt auftauchen und zu einer letztlich optimistischen Einschätzung der Lage Anlass geben. Die ganze Geschichte wird hier jedenfalls von ihrem Ende her verstanden. Es gab Situationen genug, da hätte alles ganz schön schief gehen können. Doch vom Ende her gesehen ist Joseph der Letzte, der sich der Gegenwart Gottes verschließen würde. Sicherlich: Er hat eine Machtposition aufgebaut, die in der Bibel fast unvergleichlich ist. Und das kam so: Joseph wurde als der zweitjüngste Sohn des israelitischen Urvaters Jakob von diesem besonders geliebt. Er schenkte ihm einen bunten Rock, wie es heißt. Er wurde von den Brüdern beneidet und letztlich sogar gehasst. Dies auch aufgrund der Träume: Joseph träumte dass er auf einem Kornfeld eine Garbe band, die hoch aufrecht stand. Die Garben der Brüder dagegen standen nicht aufrecht, sondern neigten sich vor seiner. Als er ihnen diesen und einen anderen Traum erzählten, wähnten sie, er wolle sich zum König über sie machen und versuchten ihn unauffällig zu beseitigen. Sie warfen ihn zuerst in eine Zisterne um ihn gefangen zu halten und nahmen ihm den bunten Rock ab. Dieser wurde mit Tierblut getränkt und dem Vater gebracht mit der Nachricht, Joseph sei tot und wäre von einem wilden Tier getötet worden. Ihn selbst brachten sie außer Landes, indem sie ihn an eine Karawane verkauften, die nach Ägypten zog. Die Trauer des Vaters war natürlich sehr groß. Obwohl Joseph als Sklave nach Ägypten kam und durch eine missliche Affäre sogar im Gefängnis gelandet war, ist er dann durch sein Geschick zur Traumdeutung und zur wirtschaftspolitischen Beratung des Pharao zum Stellvertreter aufgestiegen. Er hatte die Kornvorräte des ägyptischen Königs zu verwalten. Auf die sieben reichen Jahre waren sieben magere Jahre gefolgt. Am Ende der Hungersnot waren immer noch alle Menschen lebendig, da sie Korn vom Pharao kaufen konnten. Zugleich hatten sie jedoch alle ihre Länderein an den Pharao gegeben: Land gegen Korn, das war eine einfache Rechnung. Josephs Wirtschaftspolitik hatte dem Pharao mehr Macht verschafft als er vorher gehabt hatte. Und in diesem allen war es ihm möglich gewesen, die Hebräer im Land am Nil anzusiedeln. Jakob, genannt Israel und seine anderen Söhne waren von Palästina hergekommen und lebten nun im Lande Ägypten. Gewiss, sie mussten für die Ägypter arbeiten und von ihren Einkünften einen großen Teil abgeben, aber auch sie waren der Hungersnot entkommen. Joseph, den sie damals an eine ägyptischen Karawane verkauft haben, war nun für sie dort in Ägypten zum Lebensretter geworden. Gottes Wirken hatte dieses Volk der Verheißung letztlich doch so wunderbar bewahrt. Zwar war der Vater Jakob nun gestorben und auf seinen Wunsch in der alten Heimat Kanaan beigesetzt worden. Aber der Familie, die jetzt schon zu einem Stämmebund geworden war, ging es gut. Vom Ende her verstanden hat die Josephgeschichte einen guten Ausgang und zeigt uns, dass jeder von uns mit Gottes Wirken in der eigenen Lebensgeschichte rechnen kann und soll. Denn:

Gott meint es gut mit uns.

Manchmal können wir einfach nicht daran glauben, dass es uns gut geht. Wir werden misstrauisch und denken, dass die Saat des Bösen aufgehen könnte. Warum auch nicht? Es ist manchmal schon verwunderlich, dass Gott auf krummen Linien gerade schreibt. Es ist schon verwunderlich, dass wir uns alle Dinge zum Besten dienen lassen sollten, weil Gott auch aus dem Bösesten etwas Gutes machen kann. Es geht also tatsächlich nicht um das, was man Friede- Freude- Eierkuchen nennt. Es geht vielmehr um harte Fakten, die uns Sorgen machen, um die Schuldgeschichte unseres Lebens. Der Tod des Vaters ruft in den Brüdern Josephs ihre Schuldgeschichte wach. Eigentlich ging es ihnen ja gut. Aber sie hatten Angst, dass es nun Joseph doch auf einmal noch einmal aufrollen könnte. Die brutale und hinterhältige Entführung des Bruders hat Folgen in der Geschichte der Familie. Die Brüder könnten sich daran erinnern, dass er sich mit ihnen versöhnt hat. Als sie nach Ägypten kamen, um Korn zu kaufen, ließ er ihnen seine Macht spüren. Joseph versteckte einen Becher in einem Sack und warf den Brüdern dann vor, sie hätten ihn gestohlen. Joseph war nun immer der Überlegene. Sie, die anderen mussten sich mit Knechtschaft zufrieden geben. Der Minister des Pharao war natürlich auch ihr Pate, der ihnen Gastrecht im fremden Land gewährte, in dem sie fremd geblieben sind. Jetzt, nach dem Tod des Vaters, so dachten sie misstrauisch, wird sich Joseph, der mächtige Bruder erst einmal gründlich an den Brüdern rächen. So kamen sie zu ihm um ihn ausdrücklich um Vergebung zu bitten. Es ist fast so, als glaubten sie ihm die Versöhnung nicht, bei der das erste Mal geweint hatte. Sie bezeichneten sich selbst als die Diener des Gottes seines Vaters. Die gemeinsame verwandtschaftliche Bindung und die gemeinsame Bindung an den Gott der Väter sollte ihn zur Vergebung bewegen. Doch das Misstrauen war ganz unbegründet. Joseph dachte gar nicht mehr daran, sich zu rächen, warum auch. Aber immerhin sitzt die Gewaltgeschichte in dieser Familie Israel so tief, dass nun auch die Brüder dem anderen Bruder ganz misstrauisch begegnen. Als sie sich dann aber ihm gegenüber als Knechte bezeichneten und sich tief verbeugten sagte er nur: Ich stehe doch nicht an Gottes Stelle. Zuvor hatte er geweint, weil ihn gerade diese Bitte um Vergebung sehr bewegte. Er selbst wusste: Das Volk seines Vaters ist gerettet worden. Dazu hatte Joseph maßgeblich beigetragen, der sich durch seinen Glauben tragen und führen ließ. Er sagte seinen Brüdern nun:

Gott meint es gut mit uns.

Ohne es ausdrücklich zu erwähnen kommt die Josephsgeschichte hier aber auf den Anfang und damit auch auf den Anlass der ganzen Misere zurück. Die Brüder fielen vor ihm nieder und sprachen: „Wir sind deine Knechte.“ Aus der Geschichte Josephs haben wir erfahren, dass mit diesem Sachverhalt genau die Träume wahr werden, die Joseph zum Außenseiter untern den Brüdern gemacht hatten. Er war nun die hochstehende Ähre, während die anderen Ähren sich vor ihm verneigten. Er war zwar nicht ihr König, aber doch von seiner Machtstellung her etwas Entsprechdens. Er, Joseph war groß und erhaben. Die Brüder hatten sich ihm unterzuordnen und sich vor ihm zu verneigen, was sie auch taten. Damit ist hier allerdings nicht die Bitte um Vergebung gemeint. Die Bitte um Vergebung ist keine Unterwürfigkeit, sondern ein ehrliches Versöhnungsangebot nach einer Schuld und Misstrauensgeschichte. Nennen sie sich aber hier Knechte und verneigen sie sich vor ihm, dann zeigte uns der Erzähler, dass nun am Schluss der Geschichte der Traum des Josephs wahr geworden ist. Dadurch erfahren wir, die wir die Geschichte Josephs verfolgen die Wahrheit seines Traums und wir erleben mit ihm, dass Gott am Werk ist. Auch wenn Gewalt und Streit lange Misstrauen nähren und nicht wegzudiskutieren sind, siegt doch letztlich die gute Geschichte Gottes, die immer an der Zukunft des Lebens orientiert ist. Träume werden wahr, in diesem Leben. Erwartungen werden übertroffen. Streit ist begraben. Aus der Versöhnung wächst eine neue Zukunft. Das gilt auch, wenn wir in unserer eigenen Lebensgeschichte mit Gott rechnen und nicht nur, wenn wir die Botschaft der Bibel hören. Gott hat uns seinen Sohn gegeben um uns seine Liebe zu zeigen. Er, Jesus Christus ist für uns das Zeichen der Versöhnung und zeigt uns den Weg der Versöhnung. Es ist nicht im Tod geblieben, sondern wirkt unter uns weiter. Er verheißt uns den Anteil am ewigen Leben, obwohl wir als Menschen zu Gott keinen Zugang haben. Die Versöhnung Gottes in Christus eröffnet uns Leben und Zukunft. Es ist auch gut, diese Geschichte vom Ende her zu sehen: denn sie sagt uns wie Jesus:

Gott meint es gut mit uns.

drucken