Die Eifersucht

Liebe Gemeinde,

wie viel Neid und Eifersucht gibt es unter Geschwistern? Wenn wir kurz nachdenken, dann fallen uns sofort Geschichten aus der Kindheit und auch aus unserem Umfeld ein. Eifersucht ist eine Falle, in die viele Menschen tappen.

So auch der ältere Sohn, der beim Vater zurückgeblieben ist. Wenn wir die Geschichte aus seiner Sicht erzählen, dann hört sie sich ganz anders an:

„Eines Tage kam mein kleines Brüderchen zum Herrn Papa und sagte zu ihm: „Papa rück die Knete raus. Ich war baff erstaunt, das der alte nachgab.“ Mein Brüderchen nahm das Geld und machte sich auf und davon und wir hörten lange nichts von ihm.

Heute kam er zurück und ich dachte, dass Papa eine ordentliche Strafpredigt halten würde. Stattdessen schenkt er ihm ein Festgewand und veranstaltet eine Reisenfette. Das finde ich ungerecht!“

Diese Variante ist uns viel näher als die Version der Geschichte die Jesus uns erzählt. Aber genau das ist der entscheidende Unterschied: wir bleiben in unseren menschlichen Gefühlen und Verhaltensweisen stecken. Das können wir mit einem Buchtitel von Reinhold Ruthe zum Thema Eifersucht ausdrücken: „Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.“

Aber was ist Eifersucht eigentlich. Drei dinge möchte ich aufzeigen:

1) die Eifersucht trübt den Blick und macht unfrei

Der ältere Sohn ist ein zutiefst unbefriedigter Mensch. Er lebt in Unfrieden mit sich selbst und diese Unzufriedenheit macht ihn unfrei. Er ist mehr oder weniger ausschließlich mit sich und seinen Problemen und Konflikten beschäftigt. Paulus schreibt über solche Menschen im Korintherbrief (1 Kor 3, 3): „Denn wenn Eifersucht und Zank unter euch sind, seid ihr da nicht fleischlich und lebt nach Menschenweise?“ Es ist auch für uns Christen schwer. Wir sind in das System hineinverstrickt und es fällt auch uns schwer, gegen die Eifersucht anzukämpfen.

2) die Eifersucht nimmt die Freude und macht überempfindlich

Der ältere Sohn ist überempfindlich. Hier ist es ein Kleidungsstück und ein Fest, oft reicht ein Wort, eine Miene, ein Lachen oder ein Flüstern, das verletzt. Der ältere Sohn kommt sich vernachlässigt, klein, beschmutzt, unterlegen, abgeschoben, zurückgesetzt, übersehen und überflüssig vor.

Jesus redet vom Splitter im Auge des Bruders, der uns unseren eigenen Balken übersehen lässt. Sehen wir immer nur den Splitter, dann rauben wir uns selbst die Freude.

Auch hier liegt für Christen die Gefahr, dass wir überempfindlich sind und aus einer Mücke einen Elefanten machen.

3) Eifersucht zerstört Beziehungen und macht misstrauisch

Misstrauen ist das Gegenteil von Vertrauen. Der ältere Sohn hat kein Vertrauen zu dem Vater. Sein Argwohn gegenüber dem jüngeren Bruder ist grenzenlos und zerstört das Band der gemeinsamen Interessen, aus seinem Misstrauen heraus reagiert er gegen seinen Bruder feindselig. Jesus sagt einmal zu einem jungen Mann. der wegen einen Erbstreit zu Jesus kam: „Wer hat mich als Richter über euch gesetzt“ Das heißt: setzt euch zusammen und sucht gemeinsam eine Lösung.

Die Gefahr für uns liegt in den alltäglichen Dingen. Eifersucht tritt zum Beispiel dann auf, wenn es um das Liebe Geld geht. So sind schon viele Familien beim Erben der Eifersucht erlegen, so dass es das Sprichwort gibt: „habt ihr schon geerbt, oder vertragt ihr euch noch“

An den drei Punkten will ich die Lösung aus der Falle der Eifersucht aufzeigen:

1) die Eifersucht trübt den Blick und macht unfrei

Wenn der ältere Sohn seine Lage richtig beurteilen würde, dann würde er merken, wie sehr ihn der Vater liebt. Er ist täglich mit ihm zusammen, er schätzt seine Arbeit und gibt ihm alles, was er zum Leben braucht. Doch ist das für den älteren Sohn selbstverständlich geworden, er schätzt es deswegen nicht mehr. Helfen würde ihm, wenn er sich all diese guten Dinge klar machen würde.

Für uns und unseren Glauben sieht es ähnlich aus. Es kommt darauf an, dass wir unseren Blick auf Gott und all das Gute richten, was er uns geschenkt. Dass dies auch ganz praktisch wir, wollen wir uns ein paar Augenblicke Zeit nehmen, zu überlegen, was Gott uns Gutes geschenkt hat:

<i>[Stille]</i>

„Gott macht uns frei“, das ist etwas Gutes, für das wir auf jeden Fall danken können. „Ich bin von Gott geliebt“, das ist das zweite, wofür wir Gott dankbar sein können. Wenn wir das nicht sind:

2) die Eifersucht nimmt die Freude und macht überempfindlich

Wenn wir uns von der Eifersucht leiten lassen, neigen wir zu Rache. Gott dagegen schenkt Vergebung und möchte, das wir die Vergebung an andere weitergeben. Das ermöglicht einen Neuanfang.

Soweit es an uns liegt, sollen wir im Frieden mit anderen Menschen leben. (Röm 12, 18) Zu dem Streit gehören immer zwei, der der anfängt und derjenige, der mitmacht. Gotte Plan ist ein anderer als unser menschlicher. Mit seiner Hilfe können das Böse durch Gutes überwinden. Die Liebe rechnet nicht ab. Sie überwindet und beendet den Kreislauf der Vergeltung. Die Liebe produziert Gutes, Hilfreiches und Lebenswertes und beendet damit den Kreislauf der Vergeltung.

3) Eifersucht zerstört Beziehungen und macht misstrauisch

Der Glaube zeigt uns, das Gott Vertrauen liebt, Wie mein Denken mein Verhalten beeinflusst, zeigt folgende Geschichte:

Vor langer Zeit lebten in dem Ort Swabeedo kleine Leute. Sie wurden die Swabeedoler genannt. Sie waren sehr glücklich und liefen den ganzen Tag mit einem freudig-fröhlichen Lächeln umher. Wenn sie sich begrüßten, überreichten sie sich gegenseitig kleine, warme, weiche Pelzchen, von denen jeder immer genug hatte, weil er sie verschenkte und sofort wieder welche geschenkt bekam. Ein warmes Pelzchen zu verschenken, bedeutete für sie: Ich mag dich. So sagten sie sich, dass jeder jeden mochte. Und das machte sie den ganzen Tag froh.

Außerhalb des Dorfes lebte ein Kobold – ganz einsam in einer Höhle. Wenn ein Swabeedoler ihm ein Pelzchen schenken wollte, lehnte er es ab. Denn er fand es albern, sich Pelzchen zu schenken. Eines Abends traf der Kobold einen Swabeedoler im Dorf, der ihn sofort ansprach: "War heute nicht ein schöner, sonniger Tag?" Und er reichte ihm ein besonders weiches Pelzchen. Der Kobold schaute ihm in den Rucksack mit den Pelzchen. Dann legte er ihm den Arm vertraulich um die Schulter und flüsterte ihm zu: "Nimm dich in acht. Du hast nur noch 207 Pelzchen. Wenn du weiterhin so großzügig die Pelzchen verschenkst, hast du bald keine mehr." – Das war natürlich vollkommen falsch gerechnet; denn jeder Swabeedoler hatte, da jeder jedem welche schenkte, immer genug Pelzchen. – Doch kaum hatte der Kobold den verdutzten kleinen Mann stehen lassen, kam schon sein Freund vorbei und schenkte ihm ein Pelzchen. Doch der Beschenkte reagierte nicht wie bisher. Er packte das Pelzchen ein und sagte zu seinem Kollegen: "Lieber Freund, ich will dir einen Rat geben. Verschenke deine Pelzchen nicht so großzügig, sie könnten dir ausgehen." – Bald gaben sich immer öfter Swabeedoler diesen Rat. So kam es, dass sie aufeinander eifersüchtig wurden und das dass Pelzchen nur noch an allerbeste Freunde verschenkt wurden. Jeder hütete seinen Pelzchenrucksack wie einen Schatz. Sie wurden zu Hause eingeschlossen, und wer so leichtsinnig war, damit über die Straße zu gehen, musste damit rechnen, überfallen und beraubt zu werden. Die kleinen Leute von Swabeedo veränderten sich immer mehr. Sie lächelten nicht mehr und begrüßten sich kaum noch. Keine Freude kam mehr in ihr trauriges und misstrauisches Herz.

Erst nach langer Zeit begannen einige kleine Leute wieder wie früher kleine warme, weiche Pelzchen zu schenken. Sie merkten bald, dass ihnen die Pelzchen nicht ausgingen und dass sich Beschenkte und Schenkende darüber freuten. In ihren Herzen wurde es wieder warm, und sie konnten wieder lächeln, und Eifersucht und Misstrauen verschwanden aus ihren Herzen.

Lassen wir uns nicht von der Eifersucht besiegen, damit sie uns nicht besiegt. Dann nehmen wir uns zu herzen, was der Vater zu dem älteren Sohn, was Gott zu uns sagt: ‚Mein Sohn, du bist immer bei mir gewesen. Was ich habe, gehört auch dir. Darum komm, wir haben allen Grund zu feiern. Denn dein Bruder war für uns tot, jetzt hat für ihn ein neues Leben begonnen. Er war verloren, jetzt hat er zurückgefunden!‘

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