Da ist etwas falsch gelaufen mit dem Reich Gottes

Liebe Gemeinde,

ein Freund erzählte mir folgende Geschichte, die er selbst erlebt hat.

Es war mitten in der Nacht als er von den Sirenen der Feuerwehr geweckt wurde. Schnell lief er zum Fenster im dritten Stock der Stirnseite eines Reihenhauses schaute hinaus und beobachtete das bunte Treiben und die Hektik der Feuerwehrleute. Wie schlimm wenn es in einem Haus brennt, dachte er und wollte wieder zu Bett gehen, weil er nicht zu den Gaffer und Schaulustigen gehören wollte.

Doch plötzlich wurde die Feuerleiter zu ihm hochgedreht und er verstand gar nicht so schnell was los war. Dann erst merkte er, es brannte in dem Haus in dem er wohnte. Es brannte genau auf der anderen Stirnseite des Häuserblockes aber es war der Dachstuhl seines Hauses auf dem sich das Feuer unweigerlich zu ihm hindurchfraß.

Liebe Gemeinde,

eine Warnung vor falscher Selbstsicherheit ist das Bibelwort des heutigen Tages.

Es nimmt Bezug auf die Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 nach Christus.

Damals brannte es auch und wie man wie man immer wieder hören konnte, nicht zufällig

bei denen die Jesus abgelehnt hatten.

Als ob Gott das Volk Israel durch Krieg und Terror bestrafen würde. So jedenfalls stellt es uns auch noch Matthäus in seinem Gleichnis dar. Leider muss ich sagen, denn diese Art von Gott zu reden ist ein fatalere Fehler. Auch wenn sie zur Warnung vor falscher Selbstsicherheit verwendet wird

Es ist immer leicht, den Opfern, denen die den Schaden haben auch noch vorzuwerfen, dass sie ja selbst Schuld gewesen seien und halt nun das ausbaden müssen, was sie sich selbst eingebrockt haben.

Eine mehrfach kantige, ja anstößige Geschichte präsentiert uns da Matthäus in Kapitel 22. Kaum zu glauben, dass hier vom Reich Gottes die Rede sein soll, von dem Reich das durch Jesus sichtbar geworden ist.

Am Anfang der Geschichte hört man noch das Stichwort: Hochzeit und denkt sofort an eine fröhliche Feier mit gutem Essen und vielen Gästen. Doch dann folgt Schlag auf Schlag die Ernüchterung.

Die Eingeladenen wollen nicht zur Feier und werden bestraft und ganz am Schluss wird noch einer hinaus geworfen, den man unbedingt dabei haben wollte.

Nein, das hört sich alles nicht mehr nach einer fröhlichen Hochzeitsfeier an, sondern eher nach einem Leichenschmaus, wo die Gäste bedrückt und schockiert über das vorgefallene tuscheln.

Liebe Gemeinde,

Je öfter ich das Gleichnis lese um so merkwürdiger wird es mir, aber eines aber wurde mir dabei deutlich: Da ist etwas falsch gelaufen mit dem Reich Gottes.

Und ich glaube, dass uns das auch das Bibelwort heute sagen will:

„Schaut euch doch mal um“ in eueren Familien, in euerer Gemeinde, in euerem Land.

Wo ist denn das Reich Gottes? Wo findet denn die fröhliche Hochzeitsfeier, das große Abendmahl statt?

Da ist etwas falsch gelaufen mit dem Reich Gottes. Merken wir denn nicht, dass es im eigenen Dachstuhl brennt?

Wenn dein Kind dich morgen fragt, was ist falsch gelaufen mit dem Reich Gottes? Was antworten wir darauf?

Ich möchte auf diese Frage antworten: „Wir haben dem Evangelium zu wenig zugetraut und müssen dies in Zukunft ändern“.

Das ist nämlich auch die ganze Diskussion um den Freund im Gleichnis, der kein hochzeitliches Gewandt angehabt hat und deshalb rausfliegt. Entweder bin ich Christ oder ich bin keiner, entweder ich lasse mich darauf ein, oder nicht. Entweder möchte ich die Welt verändern, oder alles so lassen wie es ist?

Das ist keine Frage nach dem perfekten Menschen, aber eine Frage nach unserer Grundeinstellung. Das Reich Gottes scheitert an Menschen, die zwar dabei sein wollen, aber sich nicht wirklich darauf einlassen.

Liebe Gemeinde,

ich glaube, dass wir hier inzwischen an einer Weggabelung angekommen sind, wo wir uns entscheiden müssen wie wir zukünftig ein glaubwürdiges Christentum leben.

Hier hat für mich der Kirchentag erfreulich deutliche Signale gesetzt im Sinne von: „Mehr Selbstbewusstsein mehr Bekenntnis, mehr Einmischung in die Politik“.

Nicht zufällig hat der niederländische Theologe Huub Oosterhuis, der die Abschlusspredigt beim 30. Evangelischen Kirchentag vor einer Woche in Hannover gehalten hat, gesagt: „Es ist die Berufung einer Kirche, die sich „evangelisch“ nennt, an der biblischen Vision einer neuen Welt festzuhalten:

Befreiung aus der Sklaverei der Armut, einer Gesellschaft in Gerechtigkeit. Damit ist eine Solidarität gemeint über alle Grenzen und Trennwände hinweg. Es ist ihr heikler Auftrag, diese Vision des „Königreichs Gottes“ zu verkünden als Norm für jegliche Politik.“

Als Christen und Christinnen wollen wir eine andere Welt, als die, die uns täglich schmerzhaft vor Augen geführt wird.

Auch wenn viele nicht glauben, dass es möglich ist, können wir doch Inseln des Reiches Gottes in unserer Welt schaffen, in der Hoffnung, dass von unten her unsere Welt verwandelt wird.

Ich möchte nur eine Insel des Reiches Gottes benennen, die heuer ihr 30. Jubiläum feiert.

„fair forever“ heißt es auf diesem Lebkuchenherz. „Für immer fair“ 30 Jahre gepa.

GEPA das ist die Organisation, die vor 30 Jahren begonnen hat, Menschen für die Produktion ihre Waren (Kaffee oder Tee) einen gerechten Preis zu bezahlen.

Mit 100 qm hat es 1975 begonnen und inzwischen ist das Fairhandelshaus gepa in Europa die größte Fairhandelsorganisation. Nach 30 Jahren ist der faire Handel aber noch lange nicht an seine Grenzen gestoßen, im Gegenteil, weiterhin sind starke Zuwächse zu verzeichnen.

Mit jedem Kauf eines Eine-Welt-Produktes weitet sich das Reich Gottes aus. Ich könnte noch viele positive Beispiele bringen, doch möchte ich nicht den mahnenden Charakter unser Bibelwortes außer Acht lassen und an einem Beispiel deutlich machen, wo wir als Christen und Christinnen noch viel stärker als bisher uns einmischen müssen.

Vor wenigen Tagen klingelte mein Telefon und ein Psychologe meldete sich an der anderen Seite und berichtete mir folgendes:

Ich betreue ein älteres Ehepaar 65 und 72 Jahre alt. Sie leben seit ein paar Jahren hier in Deutschland und sollen jetzt abgeschoben werden. Ein ärztliches Attest der psychiatrischen Klinik, in der sie untergebracht werden lautet ich zitiere: „Zusammenfassend besteht bei beiden Patienten das konkrete Risiko von Suizidalität im Falle einer Abschiebung“. Dennoch sollen diese beiden Menschen abgeschoben werden. Kann hier die Kirche helfen?

Liebe Gemeinde,

unser königliches Gastmahl zeichnet sich vielfach durch verschlossene Türen aus. Nur noch wenige sind geladen und gerade die, die unsere Hilfe brauchen werden abgewiesen.

Das so genannte christliche Abendland feiert im kleinen Kreis und hat Angst, dass die köstlichen Speisen auf den Tischen nicht für alle reichen.

Da ist etwas falsch gelaufen mit dem Reich Gottes.

Es ist unser Auftrag als Kirche, die Vision des „Königreichs Gottes“ für alle Menschen zu verkünden und nicht vor menschenverachtender Politik zu kapitulieren.

Wenn wir heute in diesem Gottesdienst Brot und Wein miteinander teilen, dann machen wir im Prinzip nichts anderes als im kleinen das zu feiern, was im Großen für die ganze Welt gelten soll.

Wir laden ein zum hochzeitlichen Mahl, zu einem großen Fest. Wir teilen Brot und Wein, und erinnern uns, dass die Gaben dieser Erde alle Menschen satt machen sollen. Wir erinnern uns an die Liebe Jesu zu den Menschen und dass an seinem Tisch alle zu Brüder und Schwestern geworden sind.

Im Teilen von Brot und Wein feiern wir das Himmelreich, das sichtbare Reich Gottes unter uns.

Jeder der will kann dazu gehören.

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