Wie sieht unsere Bibel aus?

Liebe Gemeinde,

wie sieht eigentlich unsere Bibel aus? Diese Frage fiel mir spontan ein, als ich den Predigttext für den heutigen Sonntag las. Dabei meine ich nicht die Größe und auch nicht die Ausgaben mit oder ohne Spätschriften. Und ich denke dabei auch nicht an die unterschiedlichen Drucksätze der Schriften einzelner Exemplare.

Vielleicht erinnert sich noch die eine oder der andere an frühere Jahre, an die Zeiten des kirchlichen Unterrichtes oder an den Religionsunterricht in der Schule. – Fragen, wichtige Aussagen und auch Hinweise auf unsere Lebensführung wurden nicht in irgendein Heft oder auf einem Zettel festgehalten.

Nein, mit dem Bleistift gingen wir zu Werke und durch unsere Unterstreichungen, schriftliche Ergänzungen, durch unsere Fragezeichen und Ausrufezeichen wurde nicht nur für uns deutlich, dass wir mit der Bibel leben und uns in ihr auch wieder finden können.

Sie ist es, die Bibel, die ihn bezeugt. Ja, sie ist es, in der von Jesus Christus die Rede ist. Und sobald wir ihn entdecken, werden wir feststellen, dass wir selbst in der Bibel vorkommen. Er, Jesus Christus kam für uns.

Wie sieht unsere Bibel aus?

Eigentlich ist unsere Bibel nach dem Gebrauch von zwei bis drei Jahren unser persönlichstes, ja, unser intimstes Buch. So, wie die jungen Mädchen auch heute noch Tagebuch schreiben, so sollte auch die Bibel unser Tagebuch sein.

Ist unsere Bibel ein Zeichen dafür, dass wir das verstanden haben? Welche Zeilen haben wir oder werden wir unterstreichen? Welche Termine, Daten unseres Lebens tragen wir ein, an denen sich unser Weg mit dem seinen kreuzt?

Wie sieht unsere Bibel aus und was suchen wir darin?

Genau das, liebe Gemeinde, ist auch die Thematik unseres heutigen Predigttextes, in welchem sich Jesus in einem Streitgespräch mit den Juden dieser Frage stellt.

[TEXT]

Vor einigen Jahren lernte ich einen Mann kennen, der in seinem Leben schon sehr viel gelesen hatte. Ich war überrascht, was er alles gelesen hatte und wie gut er sich in der alten und ebenso in der neuen Literatur auskannte. Auf seinem Schreibtisch lagen Stapel von Büchern und die Regale quollen von diesen über.

Während unseres Gespräches viel mir auf, dass er nur wenig Verlangen an Neuerscheinungen aktueller Literatur zeigte. Als ich ihn nach dem Grund seines mangelnden Interesses fragte, sagte er mir, dass er angefangen hätte, die Bibel zu lesen.

Und als ich ihn fragte, was ihn denn bewogen hätte gerade die Bibel zu lesen und was ihn besonders daran interessiere, da schwieg er für eine Weile; dann sagte er mit leiser Stimme: „Ich suche Jesus“.

Dieser Mann ist, so denke ich, nicht der erste, der beim Lesen der Bibel von der Gestalt Jesus Christus ergriffen wird. Es ist schon erstaunlich, was für eine Wirkung von dem schwarz auf weiß gedrucktem Text ausgeht. Jesu Worte sind eben nicht wie die Worte anderer Menschen.

In Jesu Worte liegen Ziel und Sinn unseres Lebens. Von ihnen geht eine Kraft aus, der sich niemand mehr von uns auf Dauer entziehen kann.

Wenn wir einmal angefangen haben uns seine Worte zu verinnerlichen, dann werden wir darin versinken, und das Leben, welches in diesen Worten steckt, wird sich unser annehmen. Und deshalb bleibt niemand von uns, der sich mit der Schrift wirklich befasst, so, wie er oder sie vorher war.

Jesus Christus ermöglicht uns die Spuren seines Vaters in unserem Leben zu sehen und zu spüren, wie Gott in uns weiterwirkt.

Liebe Gemeinde, wenn wir in der Bibel lesen und das was wir lesen auch verstanden haben, dann hat dies, so denke ich, für uns Konsequenzen. Was nützt uns das Wissen vom ewigen Leben und einer Kirche anzugehören? Viele Menschen habe ich schon kennen gelernt, die erwähnt haben an irgendeinen Gott zu glauben. Für unser tägliches Miteinander hat dies kaum Konsequenzen.

Wenn wir in der Bibel lesen und das was wir lesen auch verstanden haben, so merken wir, dass wir ja nicht nur vom ewigen Leben lesen, sondern uns nach dem Lesen der Schrift, uns zu Jesus Christus hinwenden und durch ihn das ewige Leben haben wollen. Was nützt es uns, vom ewigen Leben zu wissen, wenn wir uns nicht selbst auf den Weg zu Jesus Christus machen?

Brechen wir also auf, um uns auf den Weg zu ihm zu machen, um unser eigenes Leben in seinem Geist zu gestalten.

Dafür, liebe Gemeinde, will uns Jesus Christus die Augen öffnen, damit wir beim Lesen der Schrift, nicht nur mit dem Bleistift zu Werke gehen und durch unsere schriftliche Ergänzungen, durch Frage- und Ausrufezeichen, wir uns in ihr wieder finden können. Er will, dass wir mit offenen Augen und Herzen unserer Nächsten und Nächsten begegnen, uns dabei selbst wahrnehmen können und Gott durch Jesus Christus in unserem Dasein entdecken.

Jesu Hinweis auf die Schrift ermutigt uns immer wieder mit ihm ins Gespräch zu kommen, auch dann, wenn wir meinen fest im Glauben zu stehen. Mit seinem Hinweis zu den Schriften der Bibel will Jesus uns die Augen und das Herz öffnen, für das, was er uns sagen will. Jesus Christus hat uns den Weg zum ewigen Leben freigemacht und uns die Tür, die mal verschlossen war, geöffnet.

drucken