Den Durchblick erhalten

Liebe Gemeinde,

was willst du zuerst hören, die gute oder die schlechte Nachricht. Wir kennen diese fast scherzhafte Frage und wir kennen auch die Antwort. Und wir wissen auch, dass wir am liebsten die gute Nachricht hören. Dabei sind die schlechten Nachrichten mitunter gar nicht schlecht, sie passen uns nur nicht in den Kram. So, wie es z.B. eben kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur unpassende Kleidung. Und da werden die Wetterpropheten fast beschimpft, wenn sie wieder mal Regen ansagen.

Wir hätten gerne solche Propheten, die uns das gute voraussagen und es vielleicht sogar noch herbei zaubern.

Ich überlege zur Zeit ganz intensiv, wieso eigentlich Menschen so fanatisch und engstirnig an den Ideen der NPD hängen. Wer sich das Aktionsprogramm ansieht – es klingt ja auch gut. Nur die Verwirklichung der vielen Ideen wird ohne Gewalt und Krieg und wirtschaftlichen Niedergang nicht gehen. Aber, wer diesen Ideen einmal anhängt, das habe ich inzwischen gemerkt, mit dem kann man ganz schwer diskutieren. Es ist wie bei einer Sekte und das ist das Gefährliche. Und in vielen Gesprächen mit jungen Menschen merke ich – der Verstand ist total ausgeschaltet. Woher kommt so etwas? Und da denke ich an die Propheten – die NPD hat es verstanden, die Sehnsucht der Menschen nach einer heilen Welt, ja nach dem Himmelreich auf Erden, so zu vermarkten, dass der Glaube daran mit diesen Ideen verschmilzt und man nicht mehr merkt, dass man sich am Ende für die Hölle auf Erden entschieden hat. Ich habe mir auch noch einmal die erste Verfassung der DDR aus dem Jahre 1949 angeschaut, es ist traumhaft, was dort steht und ich wünschte mir, davon nur einen Bruchteil für die Bundesrepublik Deutschland heute verwirklicht. Und nach so einem furchtbaren Krieg haben damals die Menschen wirklich daran geglaubt, dass es so gut werden kann. Und ebenso dieser unrealistische Glaube hat dann in die nächste Katastrophe geführt, nämlich den Missbrauch durch die SED. Und das Schwierigste in den Gesprächen mit den Vertretern des Staates war ihr Fanatismus, ja ihr Glaube, dass sie im Recht sind. Und es erschüttert mich, dass nun gerade auf dem Gebiet der früheren DDR der gleiche Vorgang noch einmal passiert. Aber die junge Generation kennt ja schon nicht mehr, was da war. Und wir – wir hören es heute noch – aber Arbeit hat der Hitler beschafft. Und obwohl das Arbeit für den Krieg war, der Glaube an das damalige Himmelreich lebt in solchen Bruchstücken fort. Wie kommen wir damit klar?

Die Geschichte von dem Jesaja macht mir deutlich, dass die wirklichen Propheten sich nie selbst ernannt haben und auch nie von sterblichen Menschen berufen wurden. Wo sich einer hinstellt und sagt – ich, wir haben die Lösung, dort ist es verdächtig. Denn Prophet sein ist sogar eine Last und Jesaja wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen. Und Gott hat allerhand zu tun, damit dieser unbedeutende Mann endlich einwilligt. Das wäre doch ein hilfreiches Kriterium für die Beurteilung von Menschen, die allzu vollmundig die Lösung unserer Probleme versprechen. Und die, wie im Falle der NPD, nur dadurch in ihr Prophetenamt gekommen sind, weil Menschen sie gewählt haben und ihnen unbedingt, man muss sagen, ohne Diskussion, glauben wollen. Ich brauche jemand für die gute Nachricht und ich finde jemanden.

Und ein zweites Kriterium gibt uns die Bibel an die Hand. Der Jesaja hat noch gar nicht richtig ja gesagt, da sagt ihm Gott schon, was sein Auftrag ist. Und das ist alles andere als schöne Versprechungen von sich zu geben. Im Gegenteil: wenn das Volk nicht umkehrt, wird der Untergang nicht aufzuhalten sein. Das ist die Sache mit der schlechten Nachricht. Und die Nachricht ist ja nicht schlecht, denn es steckt die Rettung drin. Einfach gesagt: ihr braucht bloß zu mir umkehren, und der Schrecken hat ein Ende. Aber welcher Politiker hat sich schon mal getraut, dem Volk zu sagen, dass es so nicht weiter geht? Würden wir den wählen, der sagt, es gibt Einschränkungen, Veränderungen. Wenn er sagt, wie ihr miteinander umgeht, so geht das nicht weiter. Und wenn alles dann auch noch finanzielle Konsequenzen hätte? Wenn zum Beispiel um unserer Kinder willen der Staat eine Schulsteuer einführen würde und eine Partei damit in den Wahlkampf zöge. Jesaja hat es bitter schwer gehabt und einem Jeremia ging es noch schlechter. Und schon damals gab es Heilspropheten, die die Menschen anzogen und den Himmel auf Erden zum Nulltarif versprachen.

Eigentlich sind wir doch gar nicht so schlecht dran, wir haben mit der Bibel ein ausgezeichnetes Handwerkszeug für unser Leben und können einen so klaren Blick haben. Mehr noch. Auch wenn es zur Zeit die großen Prophetengestalten nicht gibt, es gibt wohl genügend Leute, die Gott mit Weisheit ausstattet und mit seinem Geist Zusammenhänge erkennen lässt, die uns helfen können. Und nachdem wir am letzten Sonntag wieder Pfingsten gefeiert haben, haben wir zumindest alle etwas von diesem Geist, der uns Klarheit geben kann in den vielen Unklarheiten. Wir brauchen gar niemanden, der uns so überschwänglich den Himmel verspricht, wir haben ja von Gott Anleitung und Weisung für das, was wichtig ist. Vielleicht brauchen wir einfach mehr Selbstbewusstsein und Vertrauen, dass Gottes Geist es uns wirklich möglich macht, den Durchblick zu behalten. Dann sind wir auch weniger abhängig von Menschen und bleiben bewahrt vor solchen oder anderen Irrlehren.

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