Aus dieser Quelle trinkt die Welt

Liebe Gemeinde,

in der Werbung geht es bekanntlich darum, die Dinge für die geworben wird immer mit einem bestimmten markanten Satz in Verbindung zu bringen. Diesen Satz kann man sich merken und so, praktischerweise z.B. beim Einkauf dann auch das Produkt kaufen.

Einer solcher Sprüche, den ich schon sehr lange kenne ist der Satz:

„Aus dieser Quelle trinkt die Welt.“

Diesen Satz möchte ich heute in Verbindung bringen mit den Worten Jesu aus dem Johannesevangelium. Darin finde ich eine ähnlich Andeutung, denn Jesus bringt sich und seine Botschaft hier auch mit einer Quelle des lebendigen Wassers in Beziehung.

„Aus dieser Quelle trinkt die Welt.“

Dieser Satz erinnert uns in der Werbung daran, dass das Getränk, ein Mineralwasser in Beziehung gebracht wird mit eine Quelle. Es ist also Quellwasser und damit besonders rein und klar. Dass aus dieser Quelle die Welt trinkt, gelingt natürlich nur im übertragenen Sinn, denn niemals pilgert die ganze Welt in die Eifel oder ins Sauerland um aus einer bestimmten Quelle abzufüllen. Wenn das Getränk in Flaschen gefüllt ist, kann es tatsächlich nun in viele Länder geliefert werden. Als ich im letzten Jahr die Warsteiner Brauerei besichtigt habe, ist mir ähnliches aufgefallen. Überall stehen auf dem Werksgelände Schilder mit den Namen der Länder, in denen dieses Getränk verkauft wird. Und übrigens ist auch dieser Getränkehersteller stolz darauf, über ein riesiges Reservoir an Quellwasser aus dem Warsteiner Wald zu verfügen. Quellwasser ist klar und rein. Es stellt uns das Lebensmittel Wasser ins einer besten Qualität vor Augen. Wer heute ein solche reines Wasser genießen möchte, glaubt nun der Werbung und kauft Flaschen. Quellwasser soll ja auch Heilwasser sein.

Übrigens befindet sich auf dem Stimm – Stamm auf Mescheder Seite eine Quelle, die dem Libori gewidmet ist. Diese Quelle ist wie ein Brunnen ausgemauert, so dass die Reisenden dort anhalten können, um Quellwasser zu trinken. Die Quelle verbindet dies nun mit dem Wunsch, Gott möge sich über die Not des deutschen Vaterlandes erbarmen, so steht es ausdrücklich auf einem Schild. Für was Quellwasser nicht alles gebraucht werden kann?

„Aus dieser Quelle trinkt die Welt.“

Als ich am Fernsehen die Berichterstattung über die Trauerfeier des Papstes und die Einführung des Nachfolgers auf dem Stuhl des Jüngers Petrus mit verfolgt habe, war ich doch ein wenig neidisch auf die katholische Kirche als Weltkirche. Der ökumenische Rat der Kirchen ist zwar auch ein wichtiger kirchlicher Weltbund. Der Weltkirchenrat hat im Kampf gegen den Rassismus und im Einsatz für den Weltfrieden ein wichtige Rolle gespielt. Aber im Moment spricht niemand mehr davon. Nur die Katholiken scheinen noch eine richtige Weltkirche darzustellen. Sie verkündigen Jesus Christus auf ihre Art, beten Maria und alle möglichen Heiligen an, was uns Evangelischen fremd ist. Aber sie sind Weltkirche und tragen das Zeichen Christi in die Welt. Ich denke, dass wir gut daran tun, uns durch sie und damit auch durch den neuen Papst daran erinnern zu lassen, dass Jesus Christus auf der ganzen Welt geglaubt und angebetet wird. Überall hat er immer wieder eine etwas andere Gestalt, weil seine Verkündigung mit der Heimatkultur in Verbindung gebracht wird. Aber überall wird er gerade deshalb auch angebetet, weil das menschliche Grundthema, das alle Menschen interessiert durch ihn überall verkörpert wird. Das Wort Gottes ist höher und wichtiger als die Satzungen der Menschen. Und zugleich ist die Not und das Elend jedes einzelnen Menschen wichtiger als irgendein aufgeschriebenes Gebot. Jesus Christus ist für die Menschen da, und er will, dass auch wir für die Menschen da sind, hier bei uns und auf der ganzen Erde. Er will damit auch ganz klar sagen, dass diese Welt eine menschliche Zukunft hat. Keine der Ausbeutung und Vernichtung, sondern des Lebens und der Liebe. Was könnte dafür ein schönere Zeichen sein als das Wasser. Jesus Christus ist das Lebendige Wasser. Jesus sagt: „Wer durstig ist, soll zu mir kommen und trinken.“ Jesus ist die Quelle.

„Aus dieser Quelle trinkt die Welt.“

Es ist ja nicht umsonst das Zeichen der Taufe, mit dem unsere Schuld abgewaschen wird und mit dem wir mit Gott versöhnt sind. Der neue Bund mit Gott, begonnen durch Jesus am Kreuz, wird uns zugesprochen. Jesus ist in Worten und Zeichen gegenwärtig und ist in unserer Mitte. Er ist auferstanden und erneuert unser Leben von Grund auf. Getaufte, in Wasser getauchte Menschen auf den Namen des dreieinigen Gottes, sind eine neue Gestalt des Menschsein – sollten es zumindest sein. Doch Jesus ist hier keinesfalls moralisch verpflichtend auf sein Programm. Er macht jeden einzelnen Menschen zur Quelle seiner Botschaft: Von jedem, der Jesus vertraut heißt es hier: „Aus seinem Inneren wird lebendiges Wasser strömen.“ Wir Menschen verströmen den Geist des Lebens, der in unserem Dasein aus dem Umgang mit dem Wort Gottes entsteht. Aus Worten werden Taten und Taten haben Folgen, die auch immer viele andere Menschen erreichen. Gute Taten haben gute Folgen. Ich erinnere nur an das Gebot der Nächstenliebe dass auch im Grundsatz in unserer Gesellschaft noch gültig ist. Menschen in der Nähe Jesu trinken aus der Quelle des Geistes und werden in ihrem Leben auch zu Mittlern des Geistes. Sie sind zu einem allgemeinen Priestertum ohne Grenzen berufen. Das Wort Gottes ist ihre Quelle, verbürgt durch Jesus Christus. Aus dem Wort Gottes lässt sich leben, es ist ein Grundnahrungsmittel. Jedes Wort kann Menschen zum Nachdenken und zur Umkehr auf gute, friedvolle menschliche Wege bringen. Im Namen Jesu getauft zu sein, das heißt durch Gottes Neuschöpfung gegangen zu sein, am ewigen Leben Anteil zu haben und zu wissen, wo die sozialen Grundanliegen der Menschen erfüllt werden, im Wort der Bibel. Die Bibel ist das am weitest verbreitete Buch der Welt, Wort Gottes für viele Völker.

„Aus dieser Quelle trinkt die Welt.“

Damals war der Geist Gottes noch nicht gekommen. Auch wir kennen Zeiten, in denen der Geist Gottes irgendwie doch nicht kommt, in denen es scheint, als würde Jesu noch heute am Kreuz hängen. Heute vor 60 Jahren war der 2. Weltkrieg zu Ende, – bedingungslose Kapitulation. Eine militärische Niederlage mit unermesslichem Leid auf beiden Seiten und dazu noch das Verbrechen des Judenmordes, des Völkermordes und der Tötung des lebensunwerten Lebens. Auch einer meiner Großonkel ist in Eickelborn vergast worden. Die Urgroßmutter erhielt nur einen Brief, in dem der Tod mitgeteilt wurde, sonst nicht. Der Geist des Nationalsozialismus hat den Geist der Bibel und den Geist Gottes völlig an die Seite drängen können, ja ist zunächst sogar als Wolf im Schafspelz aufgetreten und hat bei der Jugend viele Sympathien gesammelt. Auch wir kennen Zeiten, in denen andere Mächte stärker sind als die Macht Gottes und Jesu. Auch die vielen Todesopfer der Bombenanschläge im Irak zähle ich dazu. Dennoch bleibt der Anfang der Predigt gültig, ja ist um so dringender: Jesus Christus ist die Quelle des lebendigen Wassers. Wer an ihn glaubt steht nicht immer nur an der Gräbern unschuldiger Opfer, weil seine Liebe die Gewalt überwindet und zuletzt überflüssig macht. Wer Jesus im Glauben annimmt, soll und darf sich angenommen fühlen, als Kind und Geschöpf Gottes. Mit dem Wasser der Taufe ist jeder Täufling ganz an die Urkräfte der Natur erinnert worden. Wer Jesus im Glauben annimmt empfängt den Auferstandenen selbst in seinem Leben. Das lebendige Wasser will und muss fließen. Die Quelle ist Christus, wir sind die Wasserträger. Heil und Erfrischung, Lebens und Bewahrung kommt aus dem Geist, den Jesu Worte in unser Leben geben. Aus der Gegenwart des Auferstandenen kommt der Geist des Lebendigen, der unser Leben erneuert und kräftigt. Ja auch wir dürfen um Heilung und Erneuerung bitten. Gott wird auch dann, wenn Jesus nur noch unsichtbar gegenwärtig ist, seinen Geist auf die Menschen gießen, sie werden dann zu seinen Söhnen und Töchtern berufen, durch Jesus und mit Jesus, der uns lebendiges Wasser der Liebe Gottes gibt.

Jesus Christus spendet lebendiges Wasser -„Aus dieser Quelle trinkt die Welt.“

Amen.

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