Gott ist mehr als Himmel und Erde

Liebe Gemeinde,

dass Gott nicht in der Kirche wohnt, zeigt sich schon an der Tatsache, dass wir unseren Gottesdienst heute morgen an der Waldhütte feiern. Wenn wir eine Umfrage starten würden, wo Gott wohnt, dann würde mit großer Mehrheit eine Antwort herauskommen: im Himmel. Doch hier lesen wir: Gott wohnt weder im Himmel noch auf der Erde, Gott ist mehr als Himmel und Erde.

Was bedeutet es also, das Salomo hier betet: „Jedoch – kann Gott überhaupt auf der Erde wohnen? Ist nicht sogar der Himmel zu klein, dich zu fassen, geschweige denn dieses Haus, das ich gebaut habe?“

Hier ist wie gesagt vor allem die Rede, dass Gott mehr ist als Himmel und Erde. In der letzten Ausgabe einer seriösen wissenschaftlichen Zeitschrift las ich den Artikel: „Die Wahrheit über den Urknall.“ Hier kanzelte ein Wissenschaftler die Vorstellungen anderer ab, als war er beim Urknall dabei. Und er versucht wieder einmal, die Welt aus dem Vorfindlichen zu erklären. Wir Menschen neigen dazu, nur das zu glauben, was wir sehen. Und doch wissen wir in unserem Innersten, das es mehr gibt als das Sichtbare um uns herum. Der christliche Glaube weiß, das das Vorfindliche dem Willen eines Schöpfergottes entspringt, der zwar im Vorfindlichen wirkt und da ist, aber nicht in diesem aufgeht: Gott ist mehr als Himmel und Erde. Das wird auch im Lied deutlich werden, das wir nach der Predigt singen: „Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß. Aller Zunge soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, dem man Ehre geben muss.“ Gott ist da.

Weil das von vielen nicht mehr geglaubt und anerkannt wird, leben wir in einer Welt, in der wir die Aufgabe habe, Gott wieder zu Gehör zu bringen. Das sind keine großen Aktionen, nein es sind die alltäglichen Gespräche, in denen es um die Nöte und Sehnsüchte unserer Mitmenschen geht. Hier liegt die Chance, diese alltäglichen Dinge in Beziehung zu Gott zu setzen. Denn es gibt keine Situation unseres Lebens, die nicht mit ihm zu tun hat.

Gott wohnt weder im Himmel, noch auf der Erde, doch er wohnt überall. Martin Buber erzählte folgende rabbinische Geschichte: Ein junger Mann kam zu einem Gelehrten und sagte: "Ich gebe Ihnen 100 Euro, wenn Sie mir sagen, wo Gott wohnt!" Der Gelehrte antwortete: "Und ich gebe Ihnen 200 Euro, wenn Sie mir sagen, wo er nicht wohnt!"

Auch oder gerade weil Gott überall wohnt, brauchen wir Ort, an denen wir Gott begegnen können. Orte, die dabei helfen, sind der Tempel, den Salomo mit seinem Gebet einweiht oder unsere Kirchen heute. Des Weiteren sind es auch die Veranstaltungen und Kreise unserer Gemeinde, die zu einer solchen Begegnung helfen können. Es ist die Bibel und das Gebet, die uns helfen, auf diese Begegnung vorzubereiten und auszurichten. Es sind die predigten und Gespräche über ihn, die uns im Glauben gewiss machen und uns die Augen für sein Wirken öffnen. Ziel ist immer, das ich eine persönliche Beziehung zu Gott finde und ihm immer wieder im Alltag begegne. Gott ist mehr als Himmel und Erde und doch kann ich ihm im Alltag begegnen, so wie im Lied heißt:

„Fürstentümer und Gewalten, Mächte, die die Thronwacht halten, geben ihm die Herrlichkeit; alle Herrschaft dort im Himmel, hier im irdischen Getümmel ist zu seinem Dienst bereit.“

Es gibt noch weitere Hilfen, wie wir Gott erkennen und erfahren können:

Gott hat sich in Jesus Christus greifbar gemacht und festgelegt. Er hat schon damals den israelischen Königen einen ewigen König versprochen: „Herr, du Gott Israels, ich bitte dich: Halte auch das andere Versprechen, das du meinem Vater David gegeben hast. Du sagtest zu ihm: ‚Immer wird einer deiner Nachkommen König über Israel sein, solange sie mir dienen, wie du mir gedient hast.’“ Das israelische Königtum besteht nicht mehr, doch Jesus Christus hat als Sohn Davids seine Nachfolge angetreten. Er ist der himmlische König, der am Ende der Zeit unsere Welt richten wird. Himmelfahrt heißt, dass er diesen Richterplatz zur rechten Seite Gottes eingenommen hat. Jesus ist nicht mehr sichtbar unter uns, deswegen haben auch so viele Menschen mit dem heutigen Tag Probleme und haben ihn zum Vatertag umfunktioniert. Sie vergessen dabei eines: Himmelfahrt heißt nicht, dass Jesus wieder von der Erde verschwunden ist, das ist er nur in seiner sichtbaren Gestalt. Himmelfahrt heißt, das Jesus heute unsichtbar unter uns, wenn wir hier Gottesdienst feiern, wenn wir uns in seinem Namen treffen, wenn wir in der Bibel lesen und zu ihm beten. Gott ist erfahrbar und erlebbar, doch wie ich für die Fernsehwellen die Antenne der Satellitenschüssel brauche, so benötige ich für Gott die Antenne des Glaubens. Dann kann ich mit der nächsten Liedstrophe bekennen: „Gott ist Herr, der Herr ist Einer, und demselben gleichet keiner, nur der Sohn, der ist ihm gleich; dessen Stuhl ist unumstößlich, dessen Leben unauflöslich, dessen Reich ein ewig Reich.“

Hier wird deutlich, dass Jesus der von Gott verheißene König ist, der heute schon unsichtbar unter uns regiert und bis zum Ende der Zeit und darüber hinaus König sein wird. Darum kommt alles darauf an, das wir zu diesem König in Beziehung stehen, Gott ist mehr als Himmel und Erde und doch:

Gott wohnt man ihn einlässt. Er dringt nicht mit Gewalt in unsere Welt und unseren Alltag ein: Martin Buber erzählte eine zweite rabbinische Geschichte: Rabbi M. war zu Gast bei gelehrten Männern. Er überraschte sie mit der Frage: "Wo wohnt Gott?" – Sie lachten über ihn: "Was redet Ihr! Ist doch die Welt seiner Herrlichkeit voll!" Er aber beantwortete seine eigene Frage: "Gott wohnt, wo man ihn einlässt." Diese Bitte richtet König Salomo auch an Gott: „Trotzdem bitte ich dich, Herr, mein Gott: Höre mein Rufen, und weise meine Bitten nicht zurück! Erhöre das Gebet, das ich heute in aller Demut an dich richte!“ Und diese Bitte sollten auch wir an Gott richten. Heute sollen wir für unser Land bitten, dass die Menschen wieder offene Ohren bekommen, mit denen sie auf Gott hören. Heute sollen wir zu Gott bitten, dass die Menschen wieder ein geschärftes Gewissen bekommen und auf die Gebote Gottes hören. Heute sollen wir für unser Land bitten, dass die Menschen wieder ein Ziel bekommen, für das es sich zu leben lohnt: das ewige Leben bei Gott.

Gott möchte, dass wir ihn bitten. Denn vor hier können wir Hilfe erwarten, Gott ist mehr als Himmel und Erde, so wie es in der nächsten Strophe unseres Liedes heißt: „Gleicher Macht und gleicher Ehren sitzt er unter lichten Chören über allen Cherubim; in der Welt und Himmel Enden hat er alles in den Händen, denn der Vater gab es ihm.“

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