Gott hat überall Wohnung

Wir versuchen in unserem Leben, manchmal Gott festzumachen. Wie die Jünger an Christi Himmelfahrt versuchen den Auferstandenen festzuhalten. Weder Jesus noch Gott lassen sich festhalten. Auch hier nicht in unserer schönen Kirche. Ehrlich gesagt: Dafür ist sie auch nicht gebaut.

Auch das, was wir gelernt haben lässt sich nicht festhalten. Wir müssen uns weiter entwickeln – ein Leben lang.

Unser Predigttext stammt aus dem Alten Testament. Der König Salomo galt als weiser und gottesfürchtiger König. Er baut einen Tempel, ein Haus Gottes. Es löst ein altes Heiligtum ab, ein Zelt, das mit dem Volk mitwanderte. Nun, da das wandernde Gottesvolk zu einem festen Staat geworden ist, will man auch ein festes Heiligtum, einen Ort, wo man Gott anbeten kann, baut es aber erst, nachdem Gott selber sein Ja gesprochen hat. Der König Salomo selber spricht zu seiner Einweihung ein Gebet, das ich nun verlese:

[TEXT]

Schon zu Salomos Zeiten gab es erheblichen Widerstand gegen einen Tempelbau. Trotzdem wird mit Gottes Willen um Gottes Hilfe gebaut. Aber der Tempel wird eingeordnet als Menschen Werk für die Menschen.

Um deutlich zu machen, was hier geschieht, wird dieses Gebet überliefert. Es geht um die theologische Wesensbestimmung des Tempels: Er ist keine Wohnung Gottes. Das ist eine theologische Meisterleistung für seine Zeit. Aber im Grunde auch noch für unsere Zeit.

Heute geht bei e-bay eine Auktion zu Ende. Das frühere Auto des neuen Papstes, ein VW Golf wird versteigert. Letzte Woche lag der Preis bei 40.000 €. Dafür würde ich mein Auto auch verkaufen. Was bringt Menschen dazu so viel Geld für eine alte Kiste zu bieten, nur weil sie einmal auf Herrn Ratzinger zugelassen war.

Ich denke, sie wollen Anteil haben an dem Papst, an seiner Heiligkeit, an dem Segen, den er erteilt. Viele unserer Kirchen scheinen nach ähnlichem Prinzip konstruiert und geplant. Darum sind gerade Dome oft viel zu groß gebaut. Oder auch Dorfkirchen in einer Größe, die aller Vernunft zu widersprechen scheint. Die Menschen wollten eine Antwort finden auf Gottes Größe.

In seinem Tempelweihegebet betont der König Salomo, dass es nicht um Größe geht. Gott ist so groß, das Menschen für ihn nichts Angemessenes schaffen können und ihn schon gar nicht an einem Ort festmachen können. Der Tempel will etwas Anderes. Er ist nicht exklusive Wohnung Gottes, wie andere Heiligtümer der Umwelt. Er ist Ort, wo die Menschen Gott in besonderer Weise anbeten können, wo sie ein besonders feierliches Umfeld für ihre Gebete finden können.

Gott hat überall Wohnung, aber die Menschen brauchen Orte, wo sie Gott besonders nahe sein könne, um Kraft zu gewinnen aus dieser Nähe.

Wir haben einen Ort, wo wir Gott mit Namen ansprechen können. Natürlich kann ich das auch überall, aber Gott selber will, dass wir auch einen Ort haben, wo wir das in Ruhe tun können, in guter Atmosphäre und mit Schwestern und Brüdern. Er selber bindet sich an diese Gemeinschaft. Er ist ungreifbar, aber er macht sich greifbar erfahrbar im Tempel, in der Kirche, in seinem Mahl.

Martin Luther soll gesagt haben: Gottesdienst feiern kann ich auch in einem Schweinestall. Recht hat er, aber trotzdem hat gerade er sich eingesetzt für ‚schöne Kirchen’, gegen manche Weggefährten der Reformation. Es war wichtig, dass die Menschen schöne Häuser für schöne Gottesdienste hatten, um so gestärkt in ihren Alltag mit Gott zu gehen.

Wer Gott in den Himmel verbannt, der handelt gottlos, wer Gott in ein Haus verbannt genauso. Gott entzieht sich unserem zugriff, aber er bietet sich an im gemeinsamen Mahl, in seinem Wort und im Gebet.

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