Trost im Leben

Manchmal fühle ich mich hilflos. Bei persönlichen Schicksalsschlägen, aber auch in ganz alltäglichen Situationen. Manchmal erzählen mir Eltern von ihrer Hilflosigkeit, wenn der Säugling immer wieder stundenlang schreit und sich nicht beruhigen lässt. Dann geht man emotional auf dem Zahnfleisch und erlebt Aggressionen an sich, die man sich selber niemals zugetraut hätte, um so mehr, wenn die Fragen und Blicke ‚liebevoller’ Nachbarn signalisieren: Du bist zu doof, dein Kind zu beruhigen. Ich glaube tatsächlich solche Situationen – nicht immer derart extrem – gehören nicht nur zum Alltag vieler Menschen heutzutage. Sie sind menschlich und gehören gerade zum Wesen christlicher Gemeinde. Darum redet Jesus von solchen Situationen vor Karfreitag mit seinen JüngerInnen und bereitet sie so auch auf Himmelfahrt und Pfingsten vor:

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Was mich beeindruckt ist das Bild der gebärenden Frau, deren Schmerzen nicht mehr auszuhalten sind, die sich windet und schreit. Und wie oft sagen mir Frauen nach der Geburt: War alles gar nicht so schlimm. Dabei halten sie dann oft ihr Baby im Arm und strahlen mich an. Und ich glaube ihnen nicht so ganz. Es war hart, aber das Kind, das sie da im Arm halten überwiegt alles, macht sie die Schmerzen vergessen. Eine schöne Gabe des Menschen Schmerzen verdrängen zu können.

Jesus gebraucht dieses Bild als Gleichnis für das, was den Seinen bevorsteht an Himmelfahrt und Pfingsten. Kennzeichen der Zeit nach dem Abschied sind Angst und Verfolgung. – vor allem aber Traurigkeit. Kennzeichen soll aber auch die Gewissheit werden, dass wir nicht allein gelassen werden. Jesus verlässt die Seinen, aber sie bleiben nicht allein. Wir fühlen uns zwar manchmal allein, aber sind nicht alleine gelassen.

Der verstorbene Papst war für viele gläubige Katholiken ein Symbol für diese Gemeinschaft mit Christus, die in unseren Alltag hineinreicht. Die feierliche Wandlung beim Abendmahl ist genau so ein Zeichen. Für mich ist es immer schwierig, zu glauben, dass während die Glöckchen bimmeln Wesentliches geschieht. Aber dieses Symbol: Achtung – nun ist Christus in besonderer Weise bei uns hat seine besondere Ausstrahlung könnte sogar auch Platz im evangelischen Abendmahl haben.

Die Stunde des Abschieds wird aber nicht zu Stunde der Abdankung, sondern zur Stunde des Aufbruchs in die ganze Welt hinein. Jesus ist zwar ab Himmelfahrt nicht mehr sichtbar unter uns. Aber er bleibt mitten unter uns. Er bleibt bei uns – im Abendmahl und in der Gabe seines Heiligen Geistes, der die Kraft verleiht zu erzählen, von dem, was mich bewegt. Nicht Trauer ist Inhalt der Abschiedsreden, sondern Hoffnung.

Wir brauchen Trost im Leben – immer wieder, wir brauchen Hilfe, weil so vieles daneben geht, weil wir so oft enttäuscht sind von uns selber, nicht nur in der Erziehung unserer Kinder.

Man sagt den Deutschen ja gerne nach, sie neigen zum Schwarzsehen. Ich weiß nicht, ob man das generell so sagen kann. Aber ich spüre, wie leicht ich mich entmutigen lasse, wie schnell mir der lange Atem ausgeht. Dann tut es mir gut zu hören, dass Jesus meine Angst kennt und mich in meiner Angst stärken will, darauf zu vertrauen, dass er all das, was mir Angst macht, überwunden hat.

Dann tut es gut zu wissen, dass er mich an diesen Tisch lädt und bei uns bleibt.

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