Neuanfang im Abschied

Der heutige Predigttext am Sonntag Jubilate, liebe Gemeinde, erzählt von Geburt, Abschied, Ende und Neuanfang. Er berichtet uns vom Abschied Jesu und der kommenden Geburt des Reiches Gottes.

Aus dem Abschied soll ein Neuanfang werden und aus dem Schmerz soll eine unendliche Freude werden. Bei dem Text handelt es sich um eine der vielen Abschiedreden, die Jesus mit seinen Jüngern führt.

Die Jünger, sie hatten lange gebraucht, bis sie es begriffen hatten, dass Jesus sie nicht im Stich lassen wollte. Von ihren eigenen Sorgen waren sie so gefangen, dass sie nicht über den Abschied Jesu hinaussehen konnten.

Und als sich Jesu Gegner über ihren Sieg freuten, da waren sich die Jüngerinnen und Jünger sogar sicher, dass es für sie keine Freude mehr geben würde.

[TEXT]

Jesu Worte waren für die Jünger keine Beruhigung, sie trugen eher zur Verwirrung bei. Was bedeutet denn: „noch eine kurze Zeit“? „Wir verstehen nicht, was er sagt“.

Diese kurze Zeit war für die damaligen Christen zum Problem geworden, denn sie hatten mit der Wiederkunft Christi noch zu ihren Lebzeiten gerechnet. Wann kommt Jesus Christus wieder mit seinem Reich der Gerechtigkeit und des Friedens?

In unserem Predigttext, liebe Gemeinde, sind mit dem Wiedersehen, die nachösterlichen Erscheinungen des Auferstandenen gemeint und nicht die Wiederkunft am Ende der Zeiten. Dies erweist sich durch die Tatsache, dass nur die Jüngerinnen und Jünger den Auferstandenen gesehen haben und nicht die ganze Welt.

Was heißt eine kurze Zeit? Bis heute begleitet uns diese Frage.

Unabhängig von Zeit und Raum, so denke ich, führt Gott im Ablauf unserer Zeit, durch seinen Sohn Jesus Christus das Werk unserer Erlösung durch. Dabei spielt der Zeitpunkt meines Erachtens keine Rolle, er sollte aber zu unserer Lebzeit sein; denn unsere Hinwendung zu Jesus ist dann der Anfang unseres neuen Lebens.

Mit Christus wird das Neue, das Unvorhersehbare, das Überraschende kommen. Die Freude, die uns dann überkommt, ist Kennzeichen eines neuen Lebens. Durch seinen Geist will er uns helfen, dass wir so werden wie er.

Als das irdische Leben Jesu mit der Verurteilung und seinem Kreuzestod endete, war die Lebensfreude der Jüngerinnen und Jünger dahin. Und als dann noch Jesu Gegner sich ihres Sieges freuten, waren sie sich ganz sicher, dass es für sie niemals mehr Freude geben würde. Der seelische Druck all dieser Ereignisse ließ sie alles vergessen, was Jesus ihnen über die Freude, die der Trauer folgen sollte, gesagt hatte.

Scheiden tut weh, liebe Gemeinde, ein endgültiger Abschied tut weh. Wer sich diesem Schmerz aussetzt, kennt auch die Freude des Wiedersehens und wer den Schmerz des endgültigen Abschieds kennt, kennt auch die Freude, die uns niemand nehmen kann.

Lassen wir uns von unseren Sinnen nicht beirren, wenn wir Jesus jetzt noch nicht sehen können. Nach seinem Tod konnten die Jüngerinnen und Jünger Jesus drei Tage auch nicht sehen.

Es dauert noch eine kurze Zeit und die Jüngerinnen und Jünger haben den Auferstandenen wieder gesehen und nun ist er für immer da.

Wer sich von ihm an die Hand nehmen lässt, für den fängt die Freude an, die aus Gottes Herrlichkeit kommt. Alles, was uns bedrückt und belastet, ist vorübergehend und wird von der Freude über die endgültige Nähe Gottes überwältigt.

Am Ende steht nicht der Schmerz, am Ende steht ein neues Leben, am Ende steht die Freude über eine neue Glaubenssicherheit.

Ja, am Ende ist Freude darüber, dass wir nicht alleine sind, so wie es uns Jesus am Ende seines irdischen Wirkens versprochen hat: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

drucken