Die Geschichte geht weiter

Eine Woche nach Ostern. Die letzten Ostereier werden im Supermarkt verschleudert. Das Fest ist vorbei, abgehakt – für uns vielleicht.

Eine Woche nach Ostern damals. Sieben der Jünger sind fortgelaufen vom Kreuz, fortgelaufen aus dieser feindlichen Stadt Jerusalem, geflohen aus der Sinnlosigkeit an den See Genezareth, an ihren Arbeitsplatz. Was bleibt ihnen jetzt noch außer dem, was sie gelernt haben, wovon sie gelebt haben, bevor ihnen das Brot des Lebens begegnet ist, der Fischfang.

Aber auch dort erleben sie eine Nacht der Vergeblichkeit, eine Nacht, in denen ihnen ihre Ohnmacht bewusst wird. Ein Kreis schließt sich. So hat ihre Geschichte mit Jesus begonnen, als er sie zu seinen Jüngern berufen hatte. Aber wie das so manchmal ist. Sie sind blind. Sie denken nicht daran, dass sie auch eine solche Ohnmacht schon erlebt haben. Sie merken nichts, wohl auch, weil das, was geschehen könnte grenzenlos unvorstellbar ist. Sie brauchen Hilfe:

[TEXT]

Die Jünger sind am Tiefpunkt, wie Jesus es vorhergesehen hatte: In der Welt habt ihr Angst …… (Johannes 16,32). Sie sind vom Kreuz geflohen, sie sind in ihre Arbeit geflohen. Angst bestimmt ihr Tun – und Mutlosigkeit, Hoffnungslosigkeit. Da ist nichts, was sie noch aufrichten könnte. Alles macht keinen Sinn mehr. Arbeit, Beschäftigung suchen sie um nicht in der totalen Verzweiflung zu versinken.

Und dann spult sich eine Geschichte ab, die wie eine Wiederholung aus grauer Vorzeit wirkt. Erfolglose Nacht – es kommt Einer, der sie bei Tageslicht auffordert noch einmal die Netze auszuwerfen. Sie tun es und der Erfolg ist (im wahrsten Sinne des Wortes): unfassbar. Der Lieblingsjünger Jesu sieht als erster klar: Es ist der Herr. Petrus erwacht wie aus einem Albtraum. Er zieht sich an und springt ins Wasser um so noch schneller als die Anderen bei Jesus zu sein, der seinerseits schon alles für ein gemeinsames Mahl vorbereitet hat.

Quasimodogeniti – wie die neugeborenen Kinder sehen diese 7 Jünger jetzt aus. Nun ist der Herr auch für sie wirklich auferstanden. Gerade für diesen Petrus, der seinen Herrn verleugnet hat und nun auch seine persönliche Auferstehung erlebt: Vergebung von Schuld – Neuanfang. Er kann jetzt die Ärmel aufkrempeln, sein Obergewand anlegen und an die Arbeit gehen.

Ostern bleibt ein unfassbares Datum und kann nur erfasst werden, wenn der Herr selber sich zu uns begibt, wenn er selber die Brücke schlägt und in uns den Osterglauben weckt.

Diese Sieben gleichen dem Schiff der Kirche. Sie arbeiten hart, die ganze Nacht hindurch. Es wird nichts. Im Vertrauen auf den Herrn fangen sie noch einmal an, als alles eigentlich sinnlos erscheint und es geschieht ein Wunder. Und Petrus kann es gar nicht mehr abwarten. Er springt ins Wasser, weil er seinen Herrn plötzlich erkennt.

Auch die Begegnung alleine hilft nicht weiter. Das gemeinsame Tun und vor allem die Erinnerung ist es. Der souveräne Herr gibt sich ihnen zu erkennen und bewirtet sie mit gebratenem Fisch und Brot.

Ich brauche immer wieder Hilfe um Jesus in meinem Leben zu erkennen – dort wo ich ihm begegne. <i>[Vielleicht Erinnerung an Matthäus 25.]</i> Die Menschen haben Jesus nicht erkannt, wo er ihre Hilfe brauchte. Sie erkennen ihn hier auch nicht, wo sie seine Hilfe brauchen. Aber sie begegnen ihm in ihrem Alltag und er hilft ihnen, ihn zu erkennen.

Der Auferstandene selber sorgt dafür, dass seine Geschichte weitergeht. Er lässt die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen über Gerechte und Ungerechte.

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