Ich lebe, und ihr sollt auch leben

Liebe Gemeinde,

Ostern hat etwas am Tod verändert. Das gestorbene Leben lebt, es ist auferstanden. Dadurch, dass sich an Ostern das Verhältnis Gottes zum Tod verändert hat, dadurch hat sich auch etwas an unserem Tod geändert. Wir stehen nun nicht mehr einem Nichts gegenüber, sondern wir begegnen dem unsterblichen Gott zu einer ewigen Gemeinschaft mit ihm. Wir dürfen leben.

Ja, was an Ostern geschehen ist, weckt unser Interesse und berührt uns zutiefst und lässt auch viele Fragen zurück. Woher wissen wir eigentlich, ob Jesus tatsächlich von den Toten auferstanden ist?

Die vielen Ostergeschichten, die uns in der Guten Nachricht überliefert sind, berichten uns zwar immer das Gleiche, von Erscheinungen des Auferstandenen, aber für uns ist es gar nicht so leicht zu erkennen, dass es immer dieselbe Geschichte ist.

Die Auferstehung Jesu Christi von den Toten ist, so denke ich, eines der best belegtesten Ereignissen der antiken Welt. Das Zeichen seiner Auferstehung sollte Jesus von allen anderen, die damals lebten, unterscheiden und ihn als den Sohn Gottes darstellen.

Die Berichte von den Erscheinungen Jesu nach seiner Kreuzigung sind für uns von Augenzeugen, denen Jesus über einen Zeitraum von 40 Tagen lebendig erschienen ist, festgehalten worden

Hören wir eine dieser Ostergeschichten.

[TEXT]

Wir hören von sieben Jüngern, die unter Anführung von Petrus wieder auf den See von Tiberias zum Fischfang hinausfuhren. Diese Jünger sind wieder zu Fischern geworden. Nicht zu Menschenfischern, nein, sie arbeiteten wieder in ihrem alten Beruf. Und als sie erfolglos ans Ufer zurückkehrten, da stand dort der Auferstandene.

Sie aber erkannten ihn nicht. Selbst als der Auferstandene sie fragte, ob sie etwas zu essen hätten und sie auch noch aufforderte das Netz auf der rechten Seite des Bootes auszuwerfen, da erkannten sie ihn immer noch nicht.

Ähnliches wurde uns auch von den Emmaus-Jüngern berichtet. Der Auferstandene kam und ging mit ihnen. Und sie redeten mit ihm über ihre Enttäuschung, die der Tod Jesu ihnen gebracht hatte.

Auch Maria von Magdala erkannte den Auferstandenen nicht. Sie war der Ansicht, er wäre der Gärtner.

Der Auferstandene tat ihr gegenüber eigentlich nichts Besonderes; er ging nicht mit ihr des Weges und hielt auch nicht mit ihr Mahl. Er tat etwas ganz persönliches. Er sprach sie an, so wie er sie früher mit ihrem Namen angesprochen hatte. Indem sie sich ihm zuwandte, fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Sie erkannte Jesus, den Auferstandenen und sagte zu ihm, wie früher: „Mein Meister“.

Der Auferstandene, liebe Gemeinde, war also nicht so ohne weiteres, als der, der mit ihnen zusammen gelebt hatte, zu identifizieren. Die Art und Weise, wie er jetzt lebt, ist also nicht mehr mit seiner früheren Lebensweise identisch.

Wie aber kommen die Jünger zu der Erkenntnis, dass er zurückgekehrt ist? Und woran erkennen sie, dass er derselbe ist, den sie kannten?

Sie konnten den Auferstandenen nur wieder erkennen, indem er sich ihnen gegenüber offenbarte. Hätte er dies nicht getan, so wäre er im Verborgenen geblieben. Vermutungen und ebenso Gerüchte wären die Folgen gewesen und niemand hätte ihn wieder erkannt, als er am Ufer des Sees stand.

Was dann passierte, ist schon einmal geschehen. Der Jünger, den Jesus besonders lieb hatte, er hat es schon einmal gesehen, genau so, wie es die anderen auch gesehen haben, das Ufer, das Boot, den Fang.

Ja, der wunderbare Fischfang war für den Jünger, den Jesus besonders lieb hatte, der Grund auszurufen: Es ist der Herr! Mit anderen Worten: Jesus wurde auferweckt, er lebt! Er ist nicht mehr im Tod, er lebt in einem neuen Leben. Dieser Ausruf: Es ist der Herr! führte Petrus zu der Erkenntnis: Ja, er lebt! Und deshalb zog er schnell sein Obergewand an, denn er wollte beim auferstandenen Herrn sein.

Was dann geschah, liebe Gemeinde, ist schon einmal geschehen. Der Auferstandene lädt die Jünger zum Essen ein. Sie hörten Worte, die sie schon kannten und keiner von den Jüngern wagte zu fragen: „Wer bist du?“ Sie wussten, dass es der Herr war. Sie haben in dem Auferstandenen den wieder erkannt, mit dem sie zu Lebzeiten am See Tiberias waren.

Der Auferstandene, er ist durch den Tod gegangen und steht jetzt am anderen Ufer und wartet auf uns. Im Gegensatz zu uns ist er dem Wind und den Wellen nicht mehr ausgesetzt.

So wie der Auferstandene in das Leben der Jünger und ebenso in das Leben der Maria von Magdala wieder eingetreten ist, so tritt auch er in unser Leben ein und sagt uns: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben“. (Joh 14,19)

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