Erkennst du Jesus?

Liebe Gemeinde,

21,3 Spricht Simon Petrus zu den Jüngern: Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen.

"O, Petrus!" möchte man rufen, "Nun ist der Herr Jesus von den Toten auferstanden. Und da hast du nichts anders zu tun, als in dein altes Leben zurückzugehen! Erinnerst du dich nicht, wie dich Jesus von deinen Netzen wegrief und dich zu seinem Mitarbeiter, zum Menschenfischer machte."

Und dann sehen wir Petrus, wie er müde abwinkt: "Ja, das war eine herrliche Zeit mit Jesus. Aber es hat sich doch herausgestellt, dass ich nicht der richtige Mann für ihn bin. Wir Jünger, wir haben ja gar nichts begriffen. Wir meinten sein Kreuz sei das Ende. Alles aus. Und nun ist gerade das das Wesentliche. Es ist das Ereignis, das uns von unserer Schuld befreit. Das hat uns der Auferstandene selbst erklärt. Ach, wie dumm wir doch sind! Wir haben versagt, als es wirklich darauf ankam! Wir können nicht mehr mit Jesus gehen."

Jetzt mischt sich Johannes in unser Gespräch ein: "Es ist wirklich toll daran zu denken, dass Gottes neue Welt jetzt beginnt. Aber wir, wir passen da nicht hinein. Wir haben den Mut verloren."

Die anderen nicken und Petrus sagt: "Für die Sache von Jesus, da braucht es bessere Köpfe, als wir es sind. Jesus braucht Menschen mit stärkerem Charakter. Wir geben es auf."

So mutlos treffen wir die Jünger an. Und so müssen wir die Frage stellen: Was ist an Ostern anders geworden? Letzte Woche haben wir das Osterfest gefeiert. Ist seither nicht alles beim Alten geblieben? Oder hat sich durch Ostern etwas verändert? Um das herauszufinden, wollen wir die Jünger auf ihrem weiteren Weg begleiten.

Einige Tage nach dieser Geschichte vom Predigttext treffen wir die Jünger wieder. Sie sind unterwegs auf den Berg, wohin Jesus sie bestellt hatte. Da sind die Jünger also auf dem Weg nach oben. Was gibt es da noch zu bereden? Ostern ist vorbei, das war schon vor einigen Wochen gewesen. Doch was hat sich geändert. Bei Petrus zum Beispiel und bei Thomas und bei Nathanael? Die sind wieder in ihr Heimatdorf zurückgegangen und fischen wieder als Fischer am See Genezareth. Da ist doch augenscheinlich kein Unterschied. Doch lauschen wir dem Gespräch der Jünger.

"Könnt ihr mir vielleicht sagen", fragt Thomas die anderen, während er einem Dornbusch auswich, "was uns Ostern eigentlich gebracht hat?" "Wie meinst du das?", fragt Nathanael zurück. "Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden; er lebt." "Ja, Ja, das meine ich nicht. Für uns, das meine ich. Bei uns geht doch alles so weiter wie vorher. Wir müssen beim Fischen auf die Stürme aufpassen; wir sind so manche Nacht umsonst draußen auf dem See und die Fische schmecken auch nicht besser als vorher – es ist doch alles beim Alten geblieben." "Jetzt vergisst du aber etwas, Thomas", meint Nathanael. Eine Wolke schob sich vor die Sonne – eigentlich ganz schön, da war es nicht so heiß. . "Du siehst nur die eine, äußerliche Seite! Erinnerst du dich nicht mehr, vor einigen Tagen? Da kamen wir am Ufer an, nach einer langen Nacht auf dem See, müde, verfroren enttäuscht – wieder nichts gefangen! Und da stand ein Mann am Ufer, den wir nicht kannten, aus dem Dorf war er jedenfalls nicht. Und der wollte etwas zu essen haben, wo wir doch selber nichts hatten." "Richtig", beteuert Thomas, "und es hat lange gedauert, bis wir begriffen hatten: Das ist Jesus. Und dann haben wir doch noch was gefangen, 153 Fische. Ich erinnere mich noch gut. Aber denkst du denn, dass jetzt immer alles klappt? So wie wir uns das vorstellen?"

"Das weiß ich auch nicht", Nathanael denkt eine Weile nach. "In den paar Tagen bis jetzt haben wir jedenfalls immer etwas gefangen. Aber ob das so bleibt? Ich glaube darauf kommt es auch gar nicht an. Ich weiß es nicht. Aber ich finde es gut, egal, ob wir mit vollen Netzen nach Hause kommen oder mit leeren: Jesus steht am Morgen, wenn wir müde angekommen, am Ufer und wartet auf uns!" "Ach, und du meinst, dass Jesus immer am Ufer steht?" "Bestimmt; bloß – wir schauen nicht immer hin." Endlich begriff es Thomas: "Und das ist es, was an Ostern anders geworden ist. Wir müssen weiter arbeiten wie vorher auch, mal mit Erfolg, mal ohne. Aber eins stimmt immer: Jesus steht am Ufer und wartet auf uns." "Natürlich! Aber warum meinst du denn, dass wir auf diesen Berg sollen?" "Das habe ich mich auch schon gefragt", brummelt Thomas, "Wenn es wenigstens ein etwas kleinerer Berg wäre." "Nee", lacht Nathanael, "Berge sind schön. Da kann man vorwärts kommen und nach oben. Weiter hinein und weiter hinauf. Du weißt doch, wer oben auf uns wartet!"

Inzwischen ist die Wolke an der Sonne vorbeigezogen und die Landschaft liegt in einem herrlichen Licht. Aber noch waren sie nicht ganz oben.

Hier endet die Geschichte heute. Wenn Ihr wissen wollt, wie sie weitergeht, dann müsst ihr an Himmelfahrt zu unseren Gottesdienst im Grünen an der Höpfinger Waldhütte kommen. Die liegt nicht so hoch, wie der Berg, auf den damals die Jünger gestiegen sind. Und ich hoffe, dass wir dann auch so schönen Sonnenschein haben, dass die Landschaft in herrlichem Licht liegt.

Heute wollen wir uns noch weiter der Frage zuwenden, was an Ostern anders geworden ist. Warum ist da solch ein Unterschied zwischen den beiden Gesprächen der Jünger, die wir gerade beobachtet haben. Der Unterschied liegt daran, dass ihnen in der Zwischenzeit Jesus begegnet ist. Das ist das Entscheidende, damals, wie heute. Jesus muss uns Menschen begegnen. Jesus muss dir und mir begegnen, sonst bleibt alles beim Alten, sonst gibt es an Ostern nichts Neues.

Vor der Auferstehung wird von zahlreichen Begegnungen mit Jesus berichtet, bei denen die Menschen zu ihm kamen. Dagegen sind sämtliche Begegnungen nach der Auferstehung dadurch gekennzeichnet, dass alle Treffen mit ihm von Jesus ausgehen. Er ist es, der kommt, der anspricht, der erscheint. Nur eines ist gleich geblieben. er kommt immer um uns Menschen aufzurichten, um uns zu helfen. Und wenn Jesus zu uns kommt, da kann es sein, dass wir ihn zuerst gar nicht erkennen:

21, 4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.

Der Mensch erkennt nicht von sich aus Jesus als seinen Herrn. Der lebendige Christus kommt vielmehr auf uns Menschen zu und hilft uns auf die Sprünge. Jesus spricht die Jünger an:

21, 5 Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.

Vergessen wir einen Augenblick, an welchem Ort dies Gespräch stattfand! Es hat eine Bedeutung, die weit über die damalige Situation hinausgeht. Mir ist, als steht Jesus vor unserem reichen Deutschland heute und fragt uns: "Habt ihr etwas, um euern Hunger zu stillen? Habt ihr zu essen?" Und wenn unsere Deutschland aufrichtig ist, dann wird es antworten müssen: "Herr! Unser Magen ist satt geworden. Aber unsere Herzen hungern!" Ein riesiges Kulturprogramm, ein unüberschaubares Fernsehprogramm steht dem Menschen von heute zur Verfügung. Und Zerstreuungen und Vergnügungen werden an allen Ecken und Enden angeboten. Sollten da die Herzen nicht satt werden?

Aber dann sehe ich die verdrossenen Gesichter junger Menschen. Ich sehe, wie sie leiden unter der Leere ihres Lebens. Ich denke an einen jungen Studenten, dem von seinem reichen Vater alles bezahlt wurde, was er wollte. Er erschoss sich und hinterließ nur einen Zettel: "Es lohnt sich nicht zu leben."

Und nun steht dort der auferstandene Herr Jesus, der Sohn Gottes, an den Ufern dieses armen Deutschlands. Er sieht unsere hungrigen Seelen.

Und der Herr fragt: "Habt ihr nichts zu essen?" Ich meine Deutschland müsste aufschreien und rufen: "Nein, Herr. In aller Arbeit und in allen Vergnügungen und Zerstreuungen verhungern unsere Seelen!"

Und in diese Not und in diesen Hunger ruft der Sohn Gottes hinein, seit Ostern laut und vernehmbar: "Ich bin das Brot des Lebens. Wer von diesem Brot isst, wird nicht mehr hungern."

Seit Ostern wissen: Jesus gibt Sinn für unser Leben. Er macht unsere Seelen satt.

Hat sich durch Ostern etwas verändert? Das war unsere Ausgangsfrage. Zwei Dinge haben wir herausgefunden:

1) Jesus steht am Ufer und wartet auf uns. Egal ob wir mit unserem Lebensschiff Erfolg haben oder nicht: er steht da. Jesus tritt auf uns zu und begegnet uns. Und wenn wir ihn nicht erkennen: Er gibt sich uns zu erkennen.

2) Jesus will unser hungriges Leben satt machen. Er gibt uns Sinn für unsere Seelen, damit diese nicht verhungern.

Wenn wir das erkennen und anerkennen, dann wird auch in unserem Leben Ostern. Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.

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