Mehr als ein Stück Fisch

Liebe Gemeinde!

Jesus ist auferstanden. Das ist die Botschaft von Ostern. „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben“ Klarer als Jesus es Martha sagt, kann man es nicht sagen. Auferstehung, dieses Geschehen verbinden wir mit Jesus, erst Recht an Ostern.

Doch was ist Auferstehung? Wie geschieht sie? Wie stellen wir uns Aufstehung vor? Als ich einmal im Rom bei einer Besichtigung in einem Kloster Deckenfresken betrachtete, in die menschliche Gebeine eingearbeitet waren, in einem Saal nur Unterarme, im nächsten nur Schädel, dann nur Rippen, entfuhr es einem Mitreisenden: „Mei, des gibt a G’frett bei der Auferstehung!“ Auferstehung ganz leiblich.

Für den Fall meines Todes habe ich verfügt, dass meine Organe entnommen werden dürfen. Alle, bis auf die Hornhaut meiner Augen. Ich will meinem Gott in die Augen sehen können. Auferstehung von Angesicht zu Angsicht.

Oder ist Auferstehung nur das Erinnern, das sich bewusst machen eines Menschen. Als ich mit Kollegen über den heutigen Predigttext redete, meinte ein Vikar: „Für mich ist Auferstehung so, wie wenn sich Menschen an einen Verstorbenen erinnern und man meint, er stünde plötzlich wieder im Raum!“. Glaubt er an die Auferstehung?

Vielleicht hilft uns bei unserer Suche nach dem WIE der Auferstehung das Essen weiter. Neben Weihnachten ist Ostern das zweite große Schlemmfest der Christen. (Vielleicht bleibt ja in einigen Jahren überhaupt nur noch das Essen übrig).

Wenn man die Auferstehung am Essen festmachen will, kommt man wohl um das Osterei nicht herum. Das Ei als Zeichen der Auferstehung, entstanden, als eine gewisse Katharina, die Christin war, den römischen Kaiser Maxentius von der Auferstehung überzeugen wollte. „Sie her“ sagte sie und hielt im ein fast ausgebrütetes Entenei unter die Nase. „Scheinbar ist es tot, doch sieh selbst“ … und gebannt beobachtet der Kaiser, wie das kleine Entlein mit dem Schnabel die Schale durchstößt und sich aus dem Ei befreit. „Siehst du, scheinbar tot, und doch Leben“ sagte Katharina dem sichtlich nachdenklichen Kaiser. Auferstehung als Verwandlung.

Oder das Osterlamm, auch das ein Festmahl zu Ostern. In den Märkten feiern wir Verbrüderung mit unseren türkischen Mitbürgern, die da beste Lamm verkaufen. Und wir bereiten es zu, essen es. Denken wir an Christus, das Lamm, das die Sünde der Welt trägt? Auferstehung als Liebestat Gottes?

Um den heutigen Predigttext etwas aufzuschlüsseln, habe ich ihnen heute morgen auch etwas zu essen mitgebracht. Ich lasse es jetzt durch die Reihen gehen. Sie können sich während der Predigt davon bedienen. Bis zum Ende der Predigt bitte ich Sie, die Teller hier vorne wieder auf den Tisch zu stellen.

– Forellenfilet in Stücken mit Spießchen herumgeben –

So hören wir den Predigttext für den heutigen Ostermontag. Er steht bei Lukas im 24. Kapitel (Verse 36- 49!):

[Text]

Ein Stück Fisch. Der Auferstandene ißt ein Stück Fisch vor seinen Jüngern. Mit diesem Geschmack auf der Zunge und dem Geruch in der Nase fällt es schwer, Jesus nicht wirklich auferstanden zu glauben.

Das ist neu. Ich weiß nicht, wie viele von Ihnen, liebe Gemeinde, diese Stelle aus dem Lukasevangelium kannten. Mir war sie – muss ich zugeben – nahezu unbekannt. Vorher die Emmausjünger, die kennt man, wir haben sie im Evangelium gehört. Und dann, als sie noch davon reden, diese weitere Begegnung mit dem Auferstandenen. Die Emmausjünger, man muss es sich vor Augen halten, haben gerade begeistert erzählt, wie sie mit Jesus gegangen sind, wie ihnen das Herz gebrannt hatte und jetzt … wieder erschrecken sie und fürchten sich und meinen, sie sähen einen Geist.

Wir lernen: Es ist ein langer Weg zum Glauben an die Auferstehung. Zum Leben mit einem Glauben, der das Ende des Todes für möglich hält.

Mit seltener Deutlichkeit erzählt der Evangelist Lukas, wie leibhaftig Jesus da ist. Habt ihr nicht zu essen? fragt Jesus, so wie im Johannesevangelium, als der Auferstandene den Jüngern am See Genezareth begegnet. Kinder, habt ihr nichts essen? und er gibt ihnen Essen, Stärkung, neues Leben. Fisch vom Kohlenfeuer.

Hier genügt es scheinbar nicht, nur von der Auferstehung zu hören, etwas zu essen zu bekommen. Jesus muss selbst essen, um der Auferstandene sein zu können. Um Glauben zu wecken bei Jüngern und Jüngerinnen.

Ich finde diese greifbare Wirklichkeit faszinierend. An Ostern sehen wir eine Gott, der wirklich da ist, der wirklich lebt, der bei uns ist und isst. Nicht nur so irgendwie in Erinnerung und Gedanken.

Dieses Ostern ist wie Weihnachten. Wie die wirkliche Geburt eines Kindes in der Krippe, mit Mutter und Vater, Ochs und Esel, Hirtengeschwätz und Stallgeruch. Lukas erzählt wirkliche Auferstehung des Menschen in Gott und bei uns. Hier, jetzt, heute, du und ich.

Dieser Glaube ist etwas für das Leben auf der Erde. Der Theologe Christoph Blumhardt sagt in einer Predigt: „Viele wollen, möchte ich sagen, viel zu sehr alles im Himmel suchen; sie versehnen sich und verstrecken sich gleichsam in den Himmel hinein. Ich möchte aber sagen: Lasset euren Kopf in die Höhen hineinkommen, welche wir doch schon auf Erden fühlen können. Hier unten, nicht droben in der unsichtbaren Welt, nicht um den Thron Gottes, sondern hier auf Erden ist Jesus erschienen, und hier auf Erden will er immer wieder der Erschienene sein und hier auf Erden dürfen wir ihn als den Erschienenen und als den Erscheinenden suchen“. Zitat Ende.

Bleib im Glauben an die Auferstehung mit beiden Beinen auf der Erde. Dein Jesus ist hier bei dir, nimmt dich in den Arm, wenn du traurig bist. Tanzt mit dir, wenn die fröhlich bist. Suche ihn und du wirst Leben. Das ist Auferstehung. Und sie ist mehr als Fischessen am Karfreitag.

Ein zweiter Gedanke: Der Glaube will und muss nach außen.

Die Jünger, denen Jesus begegnet, können nicht lange im Wundern und Zweifeln verharren. Kaum haben sie es annehmen können, fordert sie Jesus auf, Zeugnis abzugeben. Quasi als Schnellkurs in Sachen Apostel erklärt er ihnen, was von ihm in den Schriften steht: „Das sind meine Worte …: Es muß alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen n den Psalmen. 45 Da öffnete er ihnen das Verständnis, so daß sie die Schrift verstanden, 46 und sprach zu ihnen: So steht’s geschrieben, daß Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage.

(„Er öffnete ihnen das Verständnis, so daß sie die Schrift verstanden.“) Liebe Schwestern und Brüder. Fast liest man darüber hinweg, doch was ist das nicht für ein Wunderbares Ostergeschenk: Die Schrift zu verstehen! Wer von uns ist nicht schon einmal, wenn er sich wirklich mit der Bibel beschäftigt, an einer Stelle ins Grübeln gekommen, ja fast daran verzweifelt. Wie neulich hier in dieser Kirche „Die Opferung Isaaks“. Oder Jesu Geburt durch die Jungfrau Maria. Mensch, die Schrift verstehen, das wäre etwas, für dass ich Gott auf kein danken würde. Nicht alle seine Wort entschlüsseln sich im schnellen Hinhören.

Das leistet der Glaube an die Auferstehung. Gott so nahe bei sich zu wissen, dass seine Worte direkt eingehen, verstanden werden, Wurzeln schlagen und wieder nach außen wollen. Auch wenn es mir schwer fällt, muss ich mich in meinem Neid gegenüber den Jüngern um Zaum halten. Muss sehen, was mir an Verständnis bisher zuteil geworden ist. Denn auf das wie viel kommt es nicht an.

Was in uns angekommen ist, soll nach außen gehen. Predigen sollen wir, predigen in Jesu Namen, erzählen von seinen Wundern und verkünden die Vergebung der Sünden unter allen Völkern: Deutschen, Juden, Palästinänsern, Amerikaner, Irakern, Armen, Reichen … Vergebung der Sünden unter allen Völkern.

Der Evangelist Lukas weiß was er da schreibt. Diese Ostergeschichte geht weit über Ostern hinaus. Eigentlich kann man sie nicht mehr ohne Pfingsten verstehen. „Und siehe, ich will auf euch herabsenden, was mein Vater verheißen hat. Ihr aber sollt in der Stadt bleiben, bis ihr ausgerüstet werdet mit Kraft aus der Höhe.“ Ohne Gottes Geist werden wir nicht das sein können, was wir nach der Auferstehung sein dürfen: Zeugen der Auferstehung. Der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Der Schwachheit, die erlebte Nähe Gottes auch zur Grund unseres Lebens, Handelns und Redens zu machen.

Liebe Gemeinde, dieser Glaube ist keine Privatsache. So wie Ostern nicht Eiersuchen und Hasenessen ist.

Wenn wir Gott in Jesus nahe sind, so nahe, wie dem Menschen neben uns hier in der Kirche, der mit uns Fisch gegessen hat, dann wird das unser Leben verändern. Es ist keine Sekte, zu der wir gehören. Es ist kein Kulturverein und erst Recht kein Kuschelclub.

Jesus, der uns so nahe kommt, wie ein Bissen Brot und ein Schluck Wein ist der, der unser Leben begleitet. So nahe, wie wir es manchmal nur ersehnen können. Die Brücke, die Gott mit der Auferstehung seines Sohnes schlägt ist weniger die in den Himmel. Sie reicht zu uns auf die Erde. Bis vor unsere Füße. Es ist unser Leben, das ihm so kostbar ist, dass er damit verbunden sein will.

Wenn wir die Auferstehung glauben können, suchen und finden wir sie im Leben auf der Erde. Geben Zeugnis davon an, damit andere sie finden. Leben so, dass wir Gott auf der Erde für möglich halten.

Es wird uns vielleicht erschrecken, auch wenn wir es zum zweiten oder dritten mal hören. Da sind wir noch gerne wie die Jünger.

Doch wenn die Auferstehung in unser Leben kommt, fangen wir an, stehen auf, leben wirklich und sind Zeugen. Zeugen Gottes auf Erden.

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