Er ist wahrhaftig auferstanden!

Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden.

Jugendliche fragen mich manchmal, woher ich das denn wissen will, welche Beweise ich habe. Und ich muss zugeben: Ich habe keine Beweise. Für manches in der Geschichte Jesu gibt es Beweise. Für die Auferstehung nur einen Beleg: Die Bibel (Zugegebenerweise kein ganz unparteiisches Buch) erzählt davon – und allein deswegen haben Menschen nach den furchtbaren Erlebnissen vom Karfreitag wieder Mut gefasst und von diesem Jesus erzählt, dafür ihr Leben riskiert und Gemeinde damit gebaut.

Darum lohnt es sich für mich immer wieder auf die alten Geschichten zu hören, ob ich dort Wurzeln meines Glaubens finde:

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Da gehen zwei Frauen zum Grab. Sie trauern und wollen dort am Grab Abschied nehmen. Da ist eine Geschichte, die Teil ihre Lebens war zu Ende gegangen und mit diesem Jesus mussten sie auch Träume begraben, Hoffnungen. Er hatte sie als Menschen ernst genommen und nicht nur Frauen in ihnen wahr genommen, die damals keinen hohen Stellenwert hatten.

Unsere Geschichte ist poetisch. Sie schildert Wahrheit, aber nicht unbedingt genaue Begebenheiten. Ob sich alles genau so abgespielt hat, ist nicht das Entscheidende. Wichtig ist, was sie wirklich erzählt: Sie stellt dar, worauf Menschen sich keinen Reim zu machen wissen. Sie erzählt Auferstehung – dafür gibt es keine Erfahrungswerte, nichts Vergleichbares.

Auferstehung heißt nicht einfach: Der Tote lebt, obwohl das schon aufregend genug wäre. Auferstehung Jesu Christi heißt, dass Menschen verändert werden, auf einen neuen Weg gebracht, dass sie sich aufmachen und die unfassbare Botschaft transportieren und berichten: Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden. Auferstehung heißt, dass zwei Menschen, die eigentlich nichts zu sagen haben, zwei Frauen zu Trägerinnen der befreienden Botschaft werden.

Ihnen geschieht eine Umwälzung ihre Lebens und die beginnt damit, dass ein Engel einen Stein wegwälzt – auch von ihrer Seele wälzt. Sie sind am Grab, dem Ort ihrer Trauer – was geschieht ist unfassbar, wie ein Erdbeben und ein Blitz zusammen. Es ist als würde die Erde sich dagegen wehren, dass der Sohn Gottes nun in ihr ruhen soll. Ein Engel wälzt den Stein beiseite und die Wächter, die zur Wahrung der Grabesruhe bestellt wurden verlieren ihre Haltung, fallen um wie tot. Der Auferstandene bahnt sich seinen Weg – auch in die Herzen der Menschen, in unsere Herzen.

Die Auferstehung wird filmisch geschildert – da läuft ein Film ab – Glauben muss ich selber. Die Geschichte allein bringt mich noch nicht sonderlich weiter. Mein Leben aber kann und will mich weiter bringen,. Meine Erfahrung, dass das was da geschehen ist, etwas mit mir zu tun hat. Meine eigenen Erlebnisse mit Auferstehung und Hoffnung und mein Vertrauen auf Gott, der auch in meinem Leben mehr sieht als den Menschen vor Augen ist.

Ostern beginnt im Moment der absoluten Hoffnungslosigkeit. Die Frauen wollten den Toten besuchen – ohne Erinnerung an seine Aussagen über Auferstehung. Das war außerhalb ihrer Wirklichkeit. Erst das Erbeben der Erde und das Auftreten und der Zuspruch der Engel vermag in ihnen einen neuen Geist zu wecken.

Dieser Engel schickt sie weg. Das leere Grab ist kein Freudenort, sondern ein Ort zum Weglaufen, zum Weglaufen hinein ins Leben nach Galiläa. Dort hatte die Geschichte mit Jesus beginnen, dort können die Jüngerinnen und die Jünger die Geschichte neu beginne als Befreite des Herrn, als Gesandte des Herrn, der ihnen die Vollmacht gibt von seiner Auferstehung zur reden und an sie zu glauben.

Wenn wir uns heute an die beiden Frauen erinnern, dann haben wir immer noch keinen Beweis, aber ich weiß den Jugendlichen wenigstens so viel zu antworten. Damals haben sie sich nach Galiläa senden lassen – und noch heute nimmt der Auferstanden Menschen in besitz, dass sie seine Botschaft verkünden, von seiner Auferstehung reden nicht nur in Galiläa, sondern in der ganzen Welt sich begrüßen: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Er ist auch für mich auferstanden und macht mich zu einem freien Menschen.

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